Giant Killer / Impatto mortale / Deadly Impact

Der Computerspezialist Harry Vincent hat es geschafft, den Code des Zentralcomputers aller Spielcasinos in Las Vegas zu knacken. Zusammen mit seiner Freundin Kathy Heller räumt er jetzt die einarmigen Banditen in den Spielcasinos leer. Dabei werden sie von den beiden Ganoven Kurt und Al beobachtet und verfolgt. Sie überraschen Harry in seinem Appartement und wollen von ihm das Computerprogramm erpressen und das „gewonnene Geld“. Bei einem Zweikampf kommt Harry ums Leben. Die Polizei hat George Ryan auf den Fall angesetzt. George hat einen alten Freund, den Schwarzen Lou, der eine kleine Hubschrauberfirma betreibt. Zusammen mit Lou verfolgt er die Spur von Harry und Kathy sowie den Gangstern Kurt und Al. Lou erweist sich als äußerst geschwätzig und redet George laufend bei den Ermittlungen dazwischen. Als sie in Las Vegas sind, können sie die Spur des toten Harry Vincent aufnehmen und geraten nach einer verwegenen Autoverfolgungsjagd in einen Kampf mit den beiden Gangstern. Die Gangster setzten ihre Flucht mit dem Hubschrauber fort, jedoch können sie den erfahrenen Piloten Lou nicht abschütteln. Es gelingt ihnen, die Gangster zu überrumpeln und ihnen die Beute aus den Casinos abzunehmen. George beantragt bei seinen Vorgesetzten zunächst einmal einen Erholungsurlaub und begibt sich mit seinem alten Kumpel Lou nach Las Vegas, um mal ausgiebig und ohne Stress an den Slot-Machines zu spielen. (VZ-Handelsgesellschaft)

Das italienische poliziotteschi Subgenre war bis 1980 so gut wie ausgestorben, doch einige Filme tauchten auch noch im Laufe des Jahrzehnts auf, blieben größtenteils jedoch unbemerkt und/oder ungesehen. Warum blieben die meisten dieser Filme aus den 80ern ungesehen? Nun, es könnte daran liegen, dass die meisten dieser Streifen reinen Schund darstellten, wobei Giant Killer genau das ist, 100% Schund. Die Veröffentlichung des Dirty Harry-Films Sudden Impact (Dirty Harry kommt zurück) im Jahr 1983 ermöglichte die Herstellung dieses italienischen Knock-offs. Man braucht sich nur das Plakat anzuschauen, wo aus dem Originaltitel Sudden Impact ganz schnell Deadly Impact (US-Titel) gemacht wurde. Auch der Rest des Kunstwerks ist dem Poster des oben erwähnten Films erstaunlich ähnlich. Normalerweise lieben wir billige italienische 80er-Jahre-Knock-offs und sogar Genre-Größen wie Bo Svenson und Fred Williamson sind an Board, also wie konnten die Filmemacher den Streifen nur so königlich versauen!? Schnallt Eure 44. Magnum um und lasst uns einen Versuch unternehmen es herauszufinden.

Giant Killer spielt in Las Vegas und beginnt mit einem Computer-Freak, der sich in Casino-Computersysteme einhacken kann, um herauszufinden welche Spielautomaten kurz vor der Auszahlung stehen. Er und seine Freundin werden letztendlich von ein paar Schlägern erwischt und getötet. Überflieger Polizist Bo Svenson und sein Kumpel Fred Williamson, der Hubschrauber Pilot in Vietnam während des Militärkonflikts war, brauchen dringend Bargeld. Deshalb tun sie sich zusammen, um die Schläger aufzuspüren, wobei vielleicht auch etwas Geld aufzutreiben ist. Bo Svenson versucht seine beste Dirty Harry Imitation dar zu bieten, doch stellt sich dabei verdammt unfähig an. Nicht einmal Fred Williamson ist in der Lage die schrecklichen Dialoge mit irgendeiner Art von Überzeugung aufzusagen. Die Charaktere sind so dermaßen schlecht entwickelt, sodass ein Grashalm mehr Persönlichkeit besitzt, als diese beiden „Helden“.

Das Schlimmste stellt allerdings die schlampige Regieführung von Fabrizio De Angelis dar. De Angelis war ein lukrativer italienischer Produzent, der an vielen Filmen von Lucio Fulci und Enzo G. Castellari beteiligt war. Er gab sich jedoch nicht damit zufrieden, der Geldmensch hinter den Kulissen zu sein und bescherte seinem Publikum (als Regisseur) in den 80er Jahren eine Reihe von schlecht gedrehten Actionfilmen (einschließlich der Thunder Trilogie). Der Film sieht einfach langweilig und schal aus, gerade so als wäre er fürs Fernsehen gemacht worden. Zur Hölle nochmal, er beendet den Film sogar mit einem Standbild im Blue Chips – Stil. Italienische Filme sollten nicht so aussehen, als wären sie fürs Fernsehen gemacht! Fabrizio hätte eine AUSGEBILDETE Person für die Regie einstellen sollen. Sogar Castellari konnte seine „trashigen“ 80er-Jahren-Filme mit großartiger Kamera-Arbeit versehen! Nicht einmal ein paar gut inszenierte Verfolgungsjagden lindern den Schmerz, den der langweilige Stil des Regisseurs hervorruft.

Die Musik stellt einen weiteren Aspekt des Films dar, über den man streiten kann. Italienische Filme sind normalerweise für erstaunliche, wenn auch etwas bizarre Filmmusiken bekannt. Schließlich handelt es sich hier um das Land, das uns Goblin, Ennio Morricone, Fabio Frizzi und Riz Ortolani (um nur einige wenige zu nennen) gegeben hat! Die Musik hier scheint aus Stock-TV-Filmthemen zu bestehen. Bei der „spannenden“ Hubschrauber Jagd am Ende spielt im Hintergrund etwas „Happy Go Lucky“ – Kram, der den Spannungsaufbau der Sequenz vollkommen ruiniert. Kann man sich die Verfolgungsjagd aus French Connection – Brennpunkt Brooklyn mit dem Golden Girls-Thema „Thank You for Being a Friend“ im Hintergrund spielend vorstellen? Auf gar keinen Fall !!!

Ein Film, der die Inglorious Bastards (Ein Haufen verwegener Hunde, 1978) Stars Bo Svenson und Fred Williamson wiedervereinigt, hätte viel besser sein sollen. Bitte nicht falsch verstehen, man konnte von Giant Killer keinen „guten“ Film erwarten, doch mit B-Movie-Legenden wie diesen kann man zumindest mit einer „trashig“ guten Zeit rechnen, ähnlich wie bei Castellaris Colpi di luce (Neonkiller, 1985) oder seiner Bronx Warriors „Duologie“ 1990: I guerrieri del Bronx aka The Riffs – Die Gewalt sind wir (1982) und Fuga dal Bronx aka The Riffs II – Flucht aus der Bronx (1983). Wo ist Enzo G. Castellari, wenn man ihn mal braucht?! Ehrlich gesagt handelt es sich bei Giant Killer um einen der schlechtesten poliziotteschi, den man je gesehen hat. Jetzt ist erstmal Zeit für Napoli violenta (Camorra – Ein Bulle räumt auf, 1976) oder Il grande racket (Racket, 1976), um diesen Streifen aus dem Gedächtnis zu löschen. Ach ja, Giovanni Lombardo Radice (Asphalt-Kannibalen, Ein Zombie hing am Glockenseil, Der Schlitzer, Die Rache der Kannibalen) darf als Gangster Al auch durch die Gegend springen.

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Darsteller: John Morghen, Marcia Clingan, Vincent Conte
Regisseur(e): Larry Ludman
Format: Breitbild
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Region: Region 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: VZ-Handelsgesellschaft
Produktionsjahr: 1984
Spieldauer: 77 Minuten

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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1 Antwort

  1. 20. April 2020

    […] liegt. Doch das Frühwerk „Söldner kennen keine Gnade“ hat ihn förmlich weggeblasen. Von De Angelis „Giant Killer“ hatte ich ehrlich gesagt vorher noch nichts gehört. Vielleicht besser so, wenn ich Bluntwolfs […]

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