Glengarry Glen Ross

Glengarry Glen Ross ist eine Theaterverfilmung von 1992 unter der Regie von James Foley (The Corruptor, House of Cards). Das Drehbuch, sowie das Bühnenstück worauf es basiert, stammt aus der Feder des großartigen David Mamet (Heist).

Shelley Levene (Jack Lemmon), George (Alan Arkin) und Dave Moss (Ed Harris) arbeiten unter der Büroleitung von Herrn Williamson (Kevin Spacey) als Grundstücksmakler. Der Laden läuft aber schlecht, die erfahrenen Verkäufer stecken in der Klemme. Die Eigentümer schicken den Vorzeige-Verkäufer Blake (Alec Baldwin) vorbei, um der Truppe die Leviten zu lesen, und sie auf einen Wettbewerb einzuschwören. Sie alle bekommen je zwei Adressen potentieller Kunden, und am Ende kriegt derjenige, der am meisten Verkäufe abschließt, ein Auto als Prämie, der Zweitplatzierte ein Messerset, und der Drittplatzierte würde gefeuert werden. Fein raus ist erstmal nur Ricky Roma (Al Pacino), der im Restaurant gegenüber den schüchternen Investor Lingk (Jonathan Pryce) vollquasselt, um damit seine ohnehin gute Verkaufsquote aufzumöbeln. Die anderen sind aber so deprimiert und unter Druck, dass einer davon die Idee hat, das Büro auszurauben, und aus dem Safe die angekündigten Top-Adressen für Kaufinteressenten des Grundstücksprojekts in Glengarry zu stehlen, die man nur den besten Verkäufern überlassen will…..

Wer kennt die Ansprache von Alec Baldwin nicht? Der Film ist vor allem unter Sales-Leuten ein absoluter Kultfilm, die Zitate daraus solides Gold. A-B-C, always, be, closing. AIDA, Attention, Interest, Decision, Action. Die Sprüche fliegen den verdutzten Vertrieblern nur so um die Ohren. Es ist die Welt des Verdienstes auf Kommission. Verkaufen oder den Job verlieren. Ob Autos, Versicherungen oder Immobilien, eine Branche die wie nur wenige andere sich so sehr über Wettbewerb definiert. In dieser Welt ist Glengarry Glen Ross zuhause, ein Film der – trotz seines ernsten Kerns – im wesentlichen eine zynische Satire des amerikanischen Kapitalismus ist. Der Film überzeichnet, in etwa so wie Jack Lemmon dick aufträgt, aber er hat einen hohen Unterhaltungswert.

In einer Welt in der die Verkaufsleistung, und der Umsatz, definiert, wie viel „Mann“ man ist, in der das Schicksal der eigenen Familie daran hängt, ob man gute „leads“ ausgehändigt bekommt, die man abschließen kann, in so einer Welt sind nur harte Gewinnertypen erfolgreich. Skrupellosigkeit, Lügen und auch sehr viel Glück sind entscheidend über den Erfolg im Leben. David Mamet bringt diesen Kontext gekonnt wie immer verpackt in die besten Leinwand-Dialoge die das Business zu bieten hat. Später in Heist, gibt es eine Zeile die da lautet „everybody wants money, that is why they call it money“.  In etwa ist das auch das traurige Fazit von Glengarry Glen Ross, denn die ganze Aufregung, all die Anstrengung, der Frust, am Ende dreht es sich nur um das Verkaufen des Verkaufens wegen.

Der Film ist natürlich wie ein Theaterstück. Es gibt nur sehr wenige Locations, und einige der Darbietungen sind auch extra Skizzenhaft. Während ich finde dass Ed Harris alle an die Wand spielt – Alec Baldwin natürlich ohnehin, liefert sich Jack Lemmon eine fast schon peinliche methodenhafte Übertreibung seiner Rolle, Kevin Spacey ist völlig hilflos, und Alan Arkin – hoffentlich absichtlich – bekommt gar nicht so wirklich irgendwas zu sagen. Es ist ein ungleiches Ensemble, aber gleichzeitig ein sehr hochkarätiges – zumindest aus heutiger Perspektive. Da stört es dann nicht, dass der Film trotz der guten Kameraarbeit und dem guten Soundtrack, insgesamt ein wenig zu vorhersehbar wirkt was die Story anbelangt. Im Wesentlichen erinnert der Film auch an sowas wie Death of a Salesman.

Die BluRay bietet sehr solides, kontrastreiches und scharfes Bild, sowie überzeugenden Ton, mit – soweit der Film das erlaubt – guter Dynamik und ein wenig Räumlichkeit. An Tonspuren gibt es Englisch (getestet) und Deutsch, und zwar jeweils entweder als DTS 2.0 Spur oder einer aufgemotzten DTS-HD MA 5.1 Spur. Untertitel Englisch und Deutsch. US und Deutscher Trailer mit dabei, aber nicht die Extras. Es gib zwei Audiokommentare, einmal mit James Foley, einmal mit Jack Lemmon. Der mit Foley ist zwar recht informativ, aber nicht super unterhaltsam, ausserdem sehr löchrig, damit meine ich dass man zu oft einfach nur Leerlauf hat und den Film hört, bis sich der Herr dazu durchgerauft mal wieder was zu sagen. Viel besser hier einfach der legendäre Jack Lemmon, der hier ungeskriptet einfach sehr überzeugend von sich hin redet, und fast schon faszinieren kann. Man merkt zwar auch hier wo er her kommt, von der Bühne und vom Method Acting, aber es ist ein hervorragender Einblick den Lemmon hier abliefert und damit ein sehr sehr guter Kommentar, absolut hörenswert..

Fazit: Ein Kultfilm der in das Muss-Repertoir eines jeden Cineasten und Schauspiel-Liebhabers gehört. Darüber hinaus ist es ein wichtiges künstlerisches Dokument über die amerikanische Kultur. Die BluRay bietet 1-A Qualität, die den Film in neuem Glanz erscheinen lässt, aber wenig Extras abgesehen von zwei wertvollen Audiokommentaren. Davon ist insbesondere der mit Jack Lemmon hervorzuheben.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Turbine Media zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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