Good Time – Wettlauf gegen die Zeit

Als nach einem verbockten Banküberfall sein kleiner Bruder im Knast landet, beginnt für Constantine Nikas (Robert Pattinson) eine schier endlose Odyssey durch die Unterwelt New Yorks. Das Ziel, seinen Bruder aus dem Gefängnis zu holen, wird zusehends aussichtsloser – und gefährlicher. Im Verlaufe der adrenalingeladenen Nacht gerät Constantine immer tiefer in eine irrwitzige Spirale aus Gewalt und Chaos. Im Wettlauf gegen die Zeit wird ihm je länger je mehr bewusst, dass ihrer beider Leben auf der Kippe stehen. (Ascot Elite)

Von Ben und Josh Safdie, den gefeierten Filmemachern, die Heaven Knows What (2014) und Lenny Cooke (2013) geschrieben und inszeniert haben, kommt dieser kernige, schuftige und adrenalingeladene Krimi, der sich wie eine wilde Komödie aus Fehlern und schlechten Entscheidungen darstellt. Der Titel des Films mag Good Time sein, doch die Hauptdarsteller dieses Streifens haben eindeutig keine gute Zeit. Das Publikum hingegen wird fasziniert sein, oft amüsiert und manchmal schockiert über die Missgeschicke zweier Brüder, die versuchen, einen Banküberfall zu begehen. Außerdem wird die geneigte Zuschauerschaft auch von Robert Pattinson beeindruckt sein, der als Protagonist eine phänomenale Vorstellung abliefert. Pattinson spielt den Trickbetrüger Constantine „Connie“ Nikas, der seinen geistig behinderten Bruder Nick (Ben Safdie) dazu überredet, sich mit ihm für einen schlecht konzipierten Banküberfall zu verbünden. Während des „Jobs“ gelingt es den beiden Brüdern die Bank mit etwas Geld zu verlassen, doch schließlich werden sie von der Polizei entdeckt, die von Bankangestellten alarmiert wurde. Connie gelingt die Flucht, aber der nicht so schnell denkende (und nicht so schnell laufende) Nick wird in Polizeigewahrsam genommen. Der ursprüngliche Plan war nach dem Überfall gemeinsam in ein anderes Land auszuwandern. Da Connies Vorhaben nun gründlich danebengegangen ist, zeigt er sich fest entschlossen, seinen Bruder mit allen Mitteln aus dem Knast zu befreien. Hierzu fährt er mit einem weiteren schlecht durchdachten Plan fort, der ihn auf eine bizarre Reise mitnimmt, die die ganze Nacht dauert.

Geschrieben von Josh Safdie und Joshua Brownstein, bietet Good Time einiges an Spannung, mitreißende Komik und Charaktere, die trotz ihrer illegalen Aktivitäten und nicht so bewundernswerten Motivationen und Qualitäten vollkommen überzeugen können. Die Safdies bringen dabei die dunkle und schmutzige Seite  New Yorks zurück, die bereits einige von Martin Scorseses Filmen inspirierte. Die außergewöhnliche Kinematografie von Sean Price Williams fängt die Verkommenheit sowie den urbanen Verfall von Good Times‘ Queens zusammen mit den bunt leuchtenden Lichtern der Nacht wunderbar ein. Das Visuelle, sowie die Aktivitäten auf dem Bildschirm, werden durch die erhabene elektronische Musik von Oneohtrix Point Never definitiv aufgewertet, denn diese verleiht dem Film einen treibenden Puls und schafft es auch eine atmosphärische Stimmung für verschiedene Szenen des Films zu kreieren. Wie bereits erwähnt, ist Robert Pattinson der Stern dieses bemerkenswerten Films, wobei er, sehr ähnlich seinem Charakter, mit exzellentem Timing, den schnell sprechenden, schnell denkenden und aalglatten Betrüger mit der Leidenschaft und Intensität eines verzweifelten Kriminellen verkörpert, der alles tut was auch immer nötig ist, um dem Gefängnis fernbleiben zu können. Hier kann man wirklich einen absolut beeindruckenden Wandel eines enorm talentierten Schauspielers beobachten, der in Good Time endlich die Chance bekommen hat wirklich zu glänzen. Bleibt zu hoffen, dass seine tolle Leistung auch die dementsprechende Anerkennung findet.

Ben Safdie zeigt mit diesem Film nicht nur seine Schreib- und Regiefähigkeiten, sondern auch, dass er schauspielern kann, indem er auf wunderbare Art und Weise die Rolle von Connies geistig behinderten und recht emotionalen Bruder Nick übernimmt. Jennifer Jason Leigh macht einen ziemlich guten Eindruck als Connies dysfunktionale Freundin Corey, während auch die junge Schauspielerin Taliah Webster, die ihr Spielfilmdebüt in der Rolle von Crystal gibt, sehr zu beeindrucken weiß. Außerdem liefert Safdie-Film-Regular Bobby Duress als Ray, der unwissentlich in Connies Ausbruchspläne verwickelt wird, eine unvergessliche Vorstellung ab. Die Safdie Brüder haben mit Good Time einen faszinierenden und bemerkenswerten Kriminalfilm geschaffen, der mehr bietet als billigen Nervenkitzel, denn es werden auch soziale Themen angesprochen. Bei Good Time handelt es sich wirklich um einen außergewöhnlichen Film über Verbrechen, die Denkweise eines verzweifelten Kriminellen und wie dessen Pläne wahnsinnig in die Hose gehen. Sicherlich ein Film, der für sein technisches Geschick, elektrisches Geschichtenerzählen und fantastisches Schauspiel empfohlen werden kann.

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  • Darsteller: Robert Pattinson, Benny Safdie, Jennifer Jason Leigh, Ben Safdie, Buddy Duress
  • Regisseur(e): Benny Safdie, Ben Safdie, Josh Safdie, Joshua Safdie
  • Format: Widescreen
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: Ascot Elite Home Entertainment
  • Produktionsjahr: 2017
  • Spieldauer: 102 Minuten

Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Ascot Elite zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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