Gridlock’d

Gridlock’d ist eine Krimikomödie von 1997 und der letzte große Leinwandauftritt von Rap-Legende Tupac, der kurz nach dem Dreh – und vier Monate vor der Premiere – erschossen wurde. Der Film erschien auch kurz nach dem erfolgreichen Trainspotting.

Er handelt von Ezekiel „Spoon“ (Tupac Shakur) und Alexander „Stretch“ (Tim Roth) die an Silvester die Freundin von Spoon, Cookie (Thandie Newton) mit einer Überdosis ins Krankenhaus bringen. Von dem Erlebnis geschockt will Spoon den Drogen abschwören und auf Entzug gehen. Leichter gesagt als getan, denn ohne Krankenversicherung kommt man in keine Klinik. Den beiden steht ein Irrlauf durch miese Serviceschalter von Behörden bevor, während sie von Drogenbossen gejagt werden….

Eine herrliche Blüte der 90er ist Gridlock’d, der einen der gefragtesten Charakterschauspieler seiner Dekade, Tim Roth, mit einem der renommiertesten Rap Musiker, Tupac, vereint und die damals noch als Senkrechtstarterin mögliche Newton kann sich darin auch noch ausleben. Was aus heutiger Perspektive aber überhaupt nicht mehr ganz funktioniert, ist der Mix aus drastischem Drogenthema und leichtherziger Krimikomödie, daran krankt übrigens auch ein wenig das Serien-Remake von Lethal Weapon welches auf Amazon läuft (und gar nicht mal so übel ist). Filmemacher, entscheidet euch. Roth und Tupac sind keine Gibson und Glover, und der Film hat nicht die schräge Coolness von Trainspotting, der Film der im gleichen Jahr oder im Jahr zuvor für Aufsehen sorgte. Die Hintergründe der Charaktere werden erst im Abspann klar, auch das schadet dem Film, bei dem man sich als Zuschauer immer ein wenig wie Alice im Wunderland fühlt.

Was gut klappt ist die Chemie zwischen den Darstellern, der recht gute Soundtrack und einige interessante Gastauftritte, z.B. John Sayles, Tom Towles, Lucy Liu (Payback), von Regisseur Vondie Curtis-Hall selbst und Bokeem Woodbine (Dead Presidents). Ein wenig passt der Film zu dem von Tarantino als „Hangout movie“ beschriebenen Genre, also Filmen bei denen man sich als Zuschauer gerne in die Situation versetzt fühlt, mit den Charakteren abzuhängen, und das am liebsten noch mehr machen würde. Und ja, das klappt auch obwohl die beiden seltsame Behördengänge zu absolvieren haben (welch Schreck). Dass Tupac der einzige Amerikaner in dem Trio ist, wird soweit ich mich erinnere kaum erklärt, ist aber auch nicht so ganz wichtig. Der Film schießt eben ein Bisschen aus der Reihe von Boys n the Hood und Co. Insgesamt ist es ein recht stimmiger, unterhaltsamer und eingängiger Film, aber mich hat er jetzt nicht mega umgehauen. Ein cooler Trip in die 90er allemal.

Die BluRay von Gridlock’d bietet sehr solides Bild mit satten Farben und wenig Grund zur Beschwerde. Sowohl Deutsch als auch Englisch liegt als 2.0 und 5.1 Spur vor (je DTS-HD MA, auch wenn im Menü nur von „Surround“ und „5.1“ die Rede ist). Die Stereo Spur klingt etwas lauter und direkter und lässt sich mit dem entsprechenden Surround Modus gut aufblasen, die 5.1 Spur liefert bessere Dialogverständlichkeit. Getestet habe ich nur den Originalton. Das ganze klingt sehr gut. Untertitel gibts auf Deutsch und Englisch, es gibt sogar eine deutsche Untertitelspur nur für die Songs (das sind aber nicht so viele).

An Extras gibt es Aufnahmen vom Set (12min), ein Werbe Featurette (5min) und Set-Fotos, sowie Interviews mit Tupac, Thandie, Tim und Vondie. Trailer und Fotos garnieren das ganze, und wer masochistisch veranlagt ist, bekommt noch eine Vollbild-Fassung des Films oben drauf. Insgesamt ein paar nette Dreingaben, aber wenig besonders analytisches.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Media zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com