GUN SHY

Rockstar Turk Henry ist für seine Exzesse ebenso berühmt wie für seine Songs. Doch seitdem er Supermodel Sheila geheiratet hat, ist es still geworden um den Star. Er gammelt nur noch in der Luxusvilla rum, bis ihn Sheila in den Urlaub nach Chile schleppt – wo Turk wieder nur am Pool schnarcht. Sheila muss allein zum Llama-Watching und wird prompt gekidnappt. Die 1 Million Dollar Lösegeld sind nun wirklich kein Problem für Turk, wohl aber Betonkopf Harding von der amerikanischen Botschaft. Der wittert Terroristen und untersagt jegliche Einigung. Der verwöhnte, weltfremde Star muss ganz allein kämpfen, wenn er seine Sheila zurückbekommen will… (Ascot Elite)

Regisseur Simon West (The Expendables 2) leistet der britischen Komödie mit seinem letzten Streifen Gun Shy einen schlechten Dienst, während er gleichzeitig seinem Ruf als herausragender Name in Sachen Actionfilm keinen Gefallen tut. Gun Shy wird als Action-Komödie aufgeführt, doch präsentiert dem Publikum kaum Action sowie wenig Komödie, was sich bereits als das größte Problem des Films zusammenfassen lässt. Mit einem Durcheinander von einem Drehbuch und einer Besetzung von einigermaßen talentierten, jedoch lustlosen Schauspielern, ist die einzige Hoffnung des Films in die Welt des absoluten Spektakels einzutauchen, was allerdings nicht gelingt, da es dem Streifen an der Glaubwürdigkeit seiner eigenen Absurdität fehlt. In der Tat ist die Komödie hier absurd – sie ist einfach gehalten, grob, schwerfällig und jedes andere Adjektiv, das man sich vorstellen kann, würde auf die Szene passen, in der ein Mann von einer Schlange in den Penis gebissen wird. Oh Verzeihung: Es gibt eigentlich zwei unabhängige Szenen dieser Art. Nach Wests Auffassung war dieser Witz wohl so gut, dass er ihn unbedingt wiederholen musste. Jedoch gibt es in der Welt der Komödie sehr wohl einen Platz für solche Flegelhaftigkeit, wenn der Film nur bereit ist zu akzeptieren, was er sein soll und ist. Im gleichen Maße weigert sich Gun Shy mit beiden Füßen in den Actionkuchen zu treten, obwohl das Poster etwas anderes zu behaupten scheint. Turk Henry (Antonio Banderas, The Expendables 3) ist zwar der Hauptprotagonist, sieht aber nur genauso viel Action, wie mit einem Koffer über holprige Straßen zu rutschen. Weder mit einem starken komödiantischen Fundament noch mit einer spektakulären Action-Sequenz, die in Erinnerung bleibt, ist die Frage hier ganz einfach: An wen genau soll sich dieser Film richten?

Die Prämisse ist simple – Turk Henry ist ein alternder Ex-Rockstar, dessen Frau Sheila (Olga Kurylenko, Momentum) entführt wird, als sie in seine Heimat Chile reisen. Nachdem Turk in den letzten Jahren erstaunlich faul geworden ist, muss er nun herausfinden, wie er gut genug funktionieren kann, um seine Frau zu retten, während er auf dem Weg dorthin mit den verschiedensten Hindernissen zu kämpfen hat. Bewaffnet mit einer Perücke, reichlich Eyeliner und ständigem Zugang zu Alkohol in Reichweite, gibt Banderas hier eine anständige Jack Sparrow Impression, indem er ziellos umherstolpert und einzig allein von der Handlung vorwärts getrieben wird. Zugegeben, die Rolle muss Spaß gemacht haben, weswegen Banderas‘ Vorstellung schon alleine aus diesem Grund beinahe als erfreulich bezeichnet werden kann, doch das reicht nicht, um von der nackten Zweidimensionalität des Charakters abzulenken. Kurylenko ist ihrerseits unbestreitbar attraktiv und charmant, aber auch die oberflächliche Schönheit kann den Mangel an Substanz in ihrer Persönlichkeit nicht verbergen. Dies ist besonders wichtig, weil es einen der frühesten Stolpersteine des Films darstellt – als Sheila entführt wird, könnte es dem Publikum nicht weniger egal sein. Man kann einfach nicht in diese Charaktere investieren.

Das Drehbuch ist vollkommen mit ähnlich karikativen Figuren durchtränkt, von Clive Muggleton (Martin Dingle Wall, Strangerland), dem schmerzlich sexistischen Aussie, der beauftragt wurde Sheila zurückzugewinnen, bis zu Ben Harding (Mark Valley, Girlfriends, TV-Serie Guide to Divorce), der unbeholfene Agent der US-Regierung, dessen Unfähigkeit nur von seinem Ehrgeiz übertroffen wird. Das Skript liefert auch keinen wirklichen Sinn für Konflikt oder Fortschritt, wobei die Push-and-Pull-Dynamik von Turk und Hardings Kampf leicht unter dem Berg unlogischer Hindernisse verloren geht, die ihnen in den Weg geworfen werden. Ein schlechtes Timing beim Wechsel zwischen den Szenen verhindert auch den Versuch des Films, Sheilas Beziehung zu ihrem Entführer zu entwickeln, was es als irrelevant erscheinen lässt. Während ich immer zögere, die kreative Arbeit anderer zu diskreditieren, ist es schwer, die Gründe für die Entstehung dieses Films zu verstehen, besonders wenn der eindeutig die Gelegenheit dazu bietet, wirklich unterhaltsam zu sein. Gun Shy scheint eine Zusammenstellung der am wenigsten konsumierbaren Teile jedes Actionfilms der B-Klasse zu sein, die mit einer Reihe anstößiger Charaktere verbunden sind. Eine perfekte Gelegenheit, Filme dieser Art zu persiflieren, schwebt unbemerkt vorbei, während die bunt zusammengewürfelte Crew in dem vermeintlichen Humor des Lama Erbrochenen ertrinkt.

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  • Darsteller: Antonio Banderas, Olga Kurylenko, Mark Valley, Ben Cura, Aisling Loftus
  • Regisseur: Simon West
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 2.39:1
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: Ascot Elite
  • Produktionsjahr: 2017
  • Spieldauer: 92 Minuten

Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Ascot Elite zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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