H.P. Lovecrafts Necronomicon

Die drei Episoden von Brian Yuznas Kultfilm „Necronomicon“ sind inspiriert vom legendären Horror-Autoren Howard Phillips Lovecraft (1890–1937), der als Meister des kosmischen Schreckens in die Literaturgeschichte einging. In dieser Trilogie des Terrors begegnen uns satanische Rituale bei der Wiederbelebung einer Toten, ein gut gekühlter Wissenschaftler und eine schwangere Polizistin, die einer fremden Spezies zur Fortpflanzung dienen soll. Science-Fiction, Horror, Spannung und schwarze Romantik verschmelzen zu einer packenden Melange aus Blut und Wahnsinn! (Wicked-Vision)

Sollte einem Re-Animator gefallen haben, so hat man Glück! H.P. Lovecrafts Necronomicon stellt trotz einiger Mängel genau die Art von schleimiger und blutiger Extravaganz von praktischen Effekten dar, die man sich nur wünschen kann. Hervorragendes Schauspiel sowie ein solides Drehbuch werden genauso gut abgeliefert, wie die drei ernsthaft beunruhigenden Geschichten. Ja, richtig gelesen, Geschichten im Plural, denn bei H.P. Lovecrafts Necronomicon handelt es sich in der Tat um eine Anthologie. Der Streifen hat drei verschiedene Segmente zu bieten und eine Rahmenhandlung mit Jeffrey Combs als Lovecraft. Diese Rahmenhandlung kann schon gleich als sehr gelungen bezeichnet werden, weil Combs als Lovecraft brillant aufspielt und es schafft, das mysteriöse Charisma auszustrahlen, das er bereits bei Doctor Mordrid an den Tag gelegt hat.

Die erste Geschichte, „The Drowned“, muss als etwas verworren beschrieben werden, ist jedoch immer noch sehr gut zu konsumieren. Bruce Payne (Solarfighters, 1986) spielt einen Mann, der eine alte Villa auf einer Klippe am Meer erbt. Anscheinend liegt irgendwo im Inneren des alten Gemäuers das Geheimnis, wie er seine tote Frau wieder zum Leben erwecken kann. Wann war es in Filmen jemals eine gute Idee, die Toten wieder zum Leben zu erwecken!? Jedenfalls laufen die Dinge auf spektakuläre Art und Weise schrecklich schief und übertreffen sogar die eigenen Erwartungen, wie verrückt dieser Film werden würde. Schon am Ende des ersten Segments weiß man, dass man diesen Streifen entweder mögen oder gar lieben würde. Geschichte eins bleibt jedoch nicht ohne Mängel, wie schon erwähnt, präsentiert sie sich ziemlich verworren, mit einigen Rückblenden und Zeitsprüngen.

Alle Segmente sind als Auszüge anzusehen, die Lovecraft in einer seltsamen Bibliothek aus dem Necronomicon abschreibt. In Segment eins gibt es einen Rückblick zu einem völlig separaten Rückblick, wobei man fast den Überblick über das Geschehen verlieren kann. Im Grunde handelt es sich dabei um eine Rückblende in einer Rückblende und noch einer Rückblende. Das Ganze könnte auch das verdammte Inception von Rückblenden genannt werden. Sollte man es schaffen, nicht den Überblick zu verlieren, so zahlt sich die Geschichte eher mehr, als weniger aus, denn es gibt so einiges an Lovecraftian-Stuff zu bestaunen. Gleich zu Beginn der Anthologie erklärt uns Lovecraft, dass sich das Schicksal der gesamten Menschheit im Gleichgewicht befindet und es an ihm liegt, es zu bewahren. Allerdings kann man sich dabei wirklich nicht sicher sein, wie oder warum das Transkribieren von Geschichten aus dem Necronomicon das bewerkstelligen soll. Dieser Aspekt wird auch nie erklärt oder weiter ausgearbeitet. Tatsächlich scheint Lovecraft die Dinge aus Versehen noch schlimmer zu machen.

Wie auch immer, in Segment 2, „The Cold“, spielt David Warner einen Wissenschaftler, der das Geheimnis des ewigen Lebens entdeckt hat. Natürlich bezahlt er für diese Art von Unsinn seinen Preis … und zwar einen mörderischen Preis. Segment 2 wird auch weitgehend in einem großen Rückblick erzählt, was hier jedoch etwas besser funktioniert, während die Geschichte selbst leider nicht so interessant ist und sich die Charaktere einheitlich nervig präsentieren. Warner verkörpert den Wissenschaftler großartig, doch bis zum Ende der Geschichte spielt er eher eine untergeordnete Rolle. Die restlichen Charaktere agieren vollkommen melodramatisch und übertreiben es dabei, als gäbe es kein Morgen. Die Konzeption sowie die praktischen Effekte, insbesondere die fantastischen Gore-Szenen bringen hier eine Menge an Spaß, doch insgesamt ist Segment 2 nicht so toll ausgefallen.

Natürlich lässt der Film nicht locker und bewegt sich direkt in Richtung Segment 3. Nun kann man es seltsam finden, dass all diese Geschichten in den 90ern zu spielen scheinen, während die Rahmenhandlung mit Lovecraft in den 20er Jahren verortet ist. Es ist nicht ganz klar ersichtlich, ob er Zukunftsvisionen hat oder was auch immer, es wird einfach nie erklärt. Segment 3 ist dann auch ehrlich gesagt als das Beste der drei zu bezeichnen. Es geht um zwei Polizisten, die in einen gruseligen Tunnel weit unter den Straßen der Stadt geführt werden … wie Lämmer zum Schlachthof.

Segment 3, „Whispers“, ist das blutigste, gruseligste, verstörendste und entnervendste Segment von allen. Es ist wahrscheinlich auch das am meisten deprimierende, obwohl es den sympathischsten Protagonisten bereitstellen kann. Whispers verwandelt sich in eine der verrücktesten Geschichten, die man je in einem Horrorfilm, wie diesem, gesehen hat. Mit einigen der besten praktischen Gore-Effekte, die man seit einiger Zeit zu Gesicht bekommen hat, lässt einem Whispers schon das Blut in den Adern gefrieren. Eine tolle Episode. Genauso wie der letzte Teil der Rahmenhandlung. Jeffrey Combs tritt so in Aktion, wie es für Lovecraft sehr ungewöhnlich gewesen wäre, sodass dies schon wieder als lächerlich angesehen werden kann. Der Film endet mit einem Knall, wobei Lovecraft anscheinend eine Art Mini-Armageddon abwendet, kann man allerdings nur vermuten, es wird nicht allzu klar.

Doch wen interessiert das schon? Der Film schafft es mehr erschreckende Bilder zu erzeugen, als zehn moderne Mainstream-Horrorfilme zusammen. Im gesamten Film werden ausschließlich praktische Effekte angewandt und man kann Jeff Combs als Lovecraft genießen. Die Anthologie ist alles andere als großartig oder sogar perfekt zu bezeichnen, macht aber eine ganze Menge Spaß und bedeutet eine verdammt gute Zeit für alle Horrorfans. Es handelt sich bei diesem Flick um die Art von verrücktem, übertriebenem Rohdiamanten, der ganz einfach von mehr Menschen gesehen werden sollte. Der Streifen verfügt über den gesamten visuellen Wahnsinn von From Beyond – Aliens des Grauens (1986), jedoch mit dem gotischen Grusel von Dagon (2001). In manchen Teilen fühlt sich Necronomicon recht abenteuerlich an, in anderen präsentiert sich der Film dagegen geradezu fies. Hier wurde viel Mühe und Sorgfalt aufgewandt, um etwas Vernünftiges auf die Beine zu stellen.

Wicked-Vision veröffentlicht H.P. Lovecrafts Necronomicon in einer Scanavo Box auf BluRay als Special Edition. Bild (1,85:1/1080p) und Ton (deutsch + englisch DTS-HD Master Audio 2.0) bewegen sich auf hohem Niveau, da gibt‘s nichts zu meckern. Deutsche oder englische Untertitel können zugeschaltet werden. Extras: Audiokommentar mit Daniel Perée & Jörg Kopetz; Audiokommentar mit Regisseur Christophe Gans & Brian Yuzna; „A Love for Lovecraft“ – Ein brandneues Interview mit Brian Yuzna (60 Min.); „Behind the Book: Scripting the Necronomicon“ – Brandneues Interview mit Drehbuchautor Bret V.Friedman; „Compilation Carnage“ – Brandneues Interview mit Steve Johnson über seine Kreaturen im Film; „Hinter den Kulissen „ – Featurette; Bildergalerie; Storyboard Galerie; Deutscher Trailer; Originaltrailer; Japanischer Trailer. Insgesamt handelt es sich bei H.P. Lovecrafts Necronomicon um eine äußerst gelungene Edition, die in keinem Regal von Horrorfilm-Liebhabern und Lovecraft-Freunden fehlen sollte.

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  • Darsteller: Jeffrey Combs, Tony Azito, Juan Fernandez, Brian Yuzna, David Warner
  • Regisseur(e): Brian Yuzna, Shusuke Kaneko, Christophe Gans
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
  • Studio: Wicked-Vision
  • Produktionsjahr: 1993
  • Spieldauer: 97 Minuten

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Die Mediabooks sind im Wicked-Shop bereits ausverkauft, evtl. sind noch welche bei Amazon zu erhalten…

Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision zur Verfügung gestellt. Die Bilder stammen nicht von dieser Edition.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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