Harley Davidson and the Marlboro Man

Harley Davidson and the Marlboro Man

Harley Davidson and the Marlboro Man ist ein Actiofilm von 1991. Der abgehalfterte Biker Harley (Mickey Rourke) kehrt zurück nach Los Angeles um seinen alten Kumpel Marlboro (Don Johnson) wieder zu sehen und ein paar lose Fäden aus seiner Vergangenheit abzuschneiden. Ihr altes Burbank erkennen sie nicht wieder. Ein internationaler Flughafen, Hochhäuser und eine neue Designerdroge haben der alten Heimat zugesetzt. Die „Rock’n’Roll Bar and Brill“, in der sie einst von Besitzer (liebevoll nur „Old Man“) unter die Fittiche genommen wurden, droht zu verschwinden, gierige Konzerne erhöhen die Mieten um ihn herauszuekeln. Kurzerhand entschließen die beiden sich, einen Geldtransporter auszurauben um die Bar vor dem finanziellen aus zu retten. Blöd nur, dass statt Geld jede Menge von einer neuen Designerdroge enthalten war. Nun sind die Schergen des Bankers und Drogenbarons Wilder (Tom Sizemore) hinerher, allen voran Alexander (Daniel Baldwin). Harley und Marlboro trommeln ihre alte Crew zusammen um den bösen Konzernsoldaten die Stirn zu bieten…..

Harley Davidson and the Marlboro Man

Simon Wincer, eigentlich am ehesten bekannt für bergeweise TV-Serien, landete 1989 mit einer Lonesome Dove TV-Verfilmung einen Hit, und schlug dann nochmal eine steile, bunte und späte Karriere ein in Hollywood ein mit Quigley Down Under, Free Willy, Operation Dumbo Drop und vor allem Die Abenteuer des jungen Indiana Jones. Harley Davidson and the Marlboro Man ist der am ehesten an Erwachsene gerichtete Ausreisser schon fast, schließt aber nahtlos an Western und Krimiserien an, die seine frühe Karriere dominierten. Story und Drehbuch stammen von Don Michael Paul, Schauspieler, Regisseur (Sniper: Ghost Shooter) und Drehbuchautor (Half Past Dead).

Der Film ist großartig besetzt, das hatte ich so gar nicht mehr in Erinnerung, und das auch in den Nebenrollen. Mit dabei sind Giancarlo Esposito (Breaking Bad), Vanessa Williams (Eraser), Daniel Baldwin (Mulholland Falls), Tia Carrere (Rising Sun), Robert Ginty (The Exterminator) und Chelsea Field (The Last Boyscout), auch wenn das Drehbuch dieses Films sämtlichen dieser Zaungäste nur wenig Raum bietet. Auch in kleinen Nebenrollen sind bekannte Gesichter zu sehen, von Kelly Hu (Martial Law, The Scorption King) als Kassiererin ganz am Anfang, über Branscombe Richmond (Hard to Kill) bis hin zu Tom Sizemore (True Romance, Black Hawk Down) als Bösewicht.

Harley Davidson and the Marlboro Man

Diesen Film einmal wieder zu sehen, darauf hatte ich mich gefreut, denn ich hatte ihn sehr gut in Erinnerung. Als einen typischen „Midnight Movie“ aus dem Spätprogramm. Lässige Coolness, brutale Action, witzige Sprüche und Rock’n’Roll. Für mein Teenager-Ich spieltet der Film in etwa in der Liga von Roadhouse, auch extrem cool, männlich, Rock’n’Roll, old school aber nicht prollig. Denn es geizt dieser Film auch nicht im Erwachsenenmaterial, und bietet durchaus was in Larry Bishops Hell Ride als „die drei Bs“ festgeschrieben wurde: „bikes, beer, and booty“. Und mal ehrlich, wer so einen Spruch in eine Drehbuch schreibt, hat einen Hit an der Hand:

It’s better to be dead and cool, than alive and uncool.

-Harley Davidson

Wie kann ein Film mit so einer Zeile schlecht sein? Kann er nicht.

Harley Davidson and the Marlboro Man

Nun, der Film ist natürlich nicht annähernd so gut wie ich ihn in Erinnerung habe. Naja was heißt „natürlich“. Sagen wir mal: leider, und ein wenig absehbar. Damals als Teenie spät nachts im TV hat er mich von den Socken gehauen, die coolen Sprüche (siehe oben), die lockere Action (so bierernst nimmt sich der Film trotz aller Brutalität ja nicht) und das Setting (Biker Film trifft Underdogs-gegen-Konzerne).

Der Film ist auch heute noch geil, cool und unterhaltsam, aber man merkt halt doch den Zahn der Zeit – und wie seicht er letztlich doch ist. Das macht aber nix, man darf ja auch Retro lieben und sich mit Freude daran erinnern, welch schöne Zeiten man mit einem Film schon mal hatte.

Harley Davidson and the Marlboro Man

Harley Davidson and the Marlboro Man startet stark, sehr stark sogar würde isch sagen, und flacht dann ab. Das liegt nicht nur, aber auch, an den schwarzen Trench Coats und lümmeligen Bad Guys die aussehen wie aus einem billigen Sci-Fi Film, was die Fassade vom coolen Biker Film zu Anfang schnell platzen lässt. Sogar eine Art Hans Gruber Exit des Bösewichts ist dabei, und was als harter Crime-Filme mit Bikes, Bier und Busen beginnt, mit viel Style und etwas Noir-artiger Melancholie, verkommt leider insgesamt gesehen zu schnell zu einem recht dämlichen 80er Buddy-Action-Movie, dem es für zwei Drittel seiner Laufzeit einfach ein wenig an pfeffer fehlt (auch wenn Johnson und Rourke ziemlich klasse sind versteht sich).

Harley Davidson and the Marlboro Man

Einerseits glaube ich, der Film kann nur in den frühen 90ern entstanden sein,. Andererseits frage ich mich heute, ob es nicht besser gewesen wäre, so eine Story in den 70ern zu drehen. Nur wäre es dann eine Art Easy Rider Sequel geworden. Das bringt mich eben zum grübeln was den Film gut macht und was schlecht. Wie oben schon geschrieben, das dämliche Abdriften in so einen pseudo Sci-Fi Actiomovie mit dümmlichen Badguys hilft einfach gar nicht. Eigentlich geht der Film bergab, nachdem die beiden sich ohne große Debatte entscheiden, einen Geldtransport auszurauben. Was den Film gut macht, und worauf man voll hätte setzen sollen, ist der ganze Biker-meets-Konzern Vibe, aber ohne Rücksicht auf das Studio voll die Grenzen der US-Altersfreigabe ausreizent. Harley Davidson and the Marlboro Man ist ein endscooler Film – in der Theorie, bzw. im Trailer, bzw. in der ersten halben Stunde. Das ist es weshalb er bekannt ist, das ist es woran ich mich immer erinnert hatte.

Jedenfalls kann ein Urteil über diesen Film auch simpel ausfallen: erstes Drittel kult, zweites Drittel banal, drittes Drittel eher dämlich bis 80s. Aber oh manno, ich hatte schon echt Spaß diesen Film nochmal neu zu endtecken und kann es allen nur ans Herz legen. Nur bin ich fair und square: man sollte mit den eigenen Erwartungen vorsichtig sein.

Harley Davidson and the Marlboro Man

Die BluRay von Capelight bietet sowohl den englischen Originalton (getestet) als auch die deutsche Synchronfassung jeweils in LPCM 2.0,. Damit bleibt uns ein unnötiger 5.1er Upmix erstpart, das ist mir auch allemal lieber. Die Spur klingt astrein, es ist ein rockender Stereoton mit ganz okayen Tiefen, netter Balance (ob Musik oder Action) und die Dialogverständlichkeit ist grundsätzlich auch recht gut, sofern man Johnsons leichten Südtaatler-Drawl versteht.

Untertitel kann man sich in Englisch oder Deutsch hinzschalten.

Das Bild sieht klasse aus, bietet super Farben und gute Kontraste. Die Erinnerung an alte TV Fassungen aus den 90ern ist schnell vergessen. So gut sahen Marloboro und Harley noch nie aus.

Die Extras sind leider nicht gearde üppig. Das „Hinter den Kulissen“ (7 Minuten) nettes kleines Werbefeature, nett gemacht aber insgesamt nicht viel. Es wird erzählt von Autor Don Michael Smith, mit einigen wenigen Interview-Auszügen von den anderen beteiligten. Enthusiasmus, ja, aber nicht viel Mehrwert. Hinzu kommt noch der original Kinotrailer und der deutsche Trailer.

Dem schmucken Mediabook liegt der Film auch noch in einer DVD Version bei. Das eingeklebte Booklet bietet einen wie immer recht soliden Text von Leonard Elias Lemke. Alles in allem ein solides Paket zu einem meiner geliebten Kultfilme aus meinen Teenager Zeiten, der aber schlecht gealtert ist. Das tut dem Spaß keinen Abbruch, und die Aufmachung hier ist wirklich frei von Schnitzern.

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Die BluRay wurde uns zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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