Hatchet for the Honeymoon

Hatchet for the Honeymoon

John Harrington ist der Chef eines wohlhabenden Modehauses, der einen unkontrollierbaren Blutdurst nach Frauen in Brautschleiern birgt. Nur durch grausame Serienmorde kann er tiefer in sein Unterbewusstsein tauchen und die Ursprünge seiner Obsession ans Licht bringen, die seinen ganz speziellen, mörderischen Fetisch hervorgebracht haben. (Wicked-Vision-Media)

Hatchet for the Honeymoon

John Harrington scheint alles zu haben: gutes Aussehen, Geld, ein erfolgreiches Modegeschäft. Eine sehr gute Partie also, doch leider stellt er für die Frauen von Paris auch einen geistesgestörten Mörder dar. Harrington ist auf Frauen in Brautkleidern fixiert, was für ihn sehr bequem ist, da er einen Salon leitet, der auf Hochzeitskleidung spezialisiert ist. John zielt es auf die verschiedenen ahnungslosen Frauen ab, die seine Dienste in Anspruch nehmen, weil er hofft dadurch einem Kindheitstrauma auf den Grund gehen zu können, das ihn bereits sein ganzes Erwachsenenleben verfolgt. Die Dinge verkomplizieren sich, als John seinem potenziellen Opfer Helen Wood verfällt. Sein größtes zu überwindendes Hindernis ist allerdings seine verhasste Frau Mildred, die ihm bei jeder Gelegenheit klar macht, dass sie sowohl die Finanzen, als auch den Modeladen kontrolliert…

Hatchet for the Honeymoon

Hatchet for the Honeymoon beginnt mit seinem verstörten Protagonisten an Bord eines Zuges, wo er ein Brautpaar in dessen Hochzeitsnacht ermordet. Während dieser langwierigen Sequenz bringt Mario Bava seine subjektive Kameraarbeit zum ersten Mal in einem seiner Thriller zum Einsatz. Was auch durchaus angebracht erscheint, da Hatchet for the Honeymoon der erste seiner Gialli ist, der das Publikum effektiv dazu auffordert, sich mit dem Mörder zu identifizieren. In seiner Perfektion verleiht diese Technik den besten Werken Bavas und seines berühmtesten Schülers, Dario Argento, eine gewisse perverse Authentizität, wurde dann allerdings zu einer der überbeanspruchtesten Schablonen des Genres. Die Szene nimmt eine amüsante Wendung, als sie zu einer Außenaufnahme schneidet, die sehr offensichtlich ein Modell-Effekt ist. Doch plötzlich greift eine Hand ins Bild, die eine Lokomotive auf deren Schienen zum Stoppen bringt. Was zunächst nach minderwertiger Effektarbeit aussieht, wird als visueller Gag enthüllt, während die Kamera auf Harrington in seinem zu Hause zurückzoomt und offenbart, dass er mit seiner Modelleisenbahn spielt. Diese interessante Sequenz lässt sich auf das ursprüngliche Ende von Die drei Gesichter der Furcht (I tre volti della paura, 1963) zurückführen, weil auch hier auf freche Art und Weise an die Einfachheit der filmischen Illusion herangegangen wird: sei es nun ein Schauspieler, der im Herrensitz auf einem von Technikern angeschobenen „Schaukelpferd“ reitet, oder ein Spielzeugzug, der off-screen kontrolliert wird, das Ergebnis ist ziemlich ähnlich.

Hatchet for the Honeymoon

Bava stellt Harrington mit Hilfe einer durch einen Off-Kommentar begleiteten Montage vor: „Mein Name ist John Harrington. Ich bin 30 Jahre alt. Ich bin ein Paranoiker. Hmm … Paranoiker. Ein bezauberndes Wort, so kultiviert und voller Möglichkeiten. Fakt ist, dass ich völlig verrückt bin. Anfangs hat es mich gestört, aber nun ist es für mich amüsant. Recht amüsant. … Es bleibt die Tatsache, dass ich fünf junge Frauen getötet habe.“ Er enthüllt auch, dass er von einem halb vergessenen Kindheitstrauma geplagt wird, das mit dem Tod seiner geliebten Mutter zusammenhängt. Jedes Mal, wenn er tötet, erinnert er sich ein wenig mehr.  Die dieses voice-over begleitenden Bilder offenbaren noch mehr über Johns Charakter. In seiner Wertschätzung von modischer Kleidung ist Harrington ein Dandy, während seine luxuriöse Umgebung bestätigt, dass er ein Mann der Mittel ist. Bava zeigt ihn auch in einem Dampfbad sitzend und sorgfältig sein Haar frisierend, was seine Besessenheit mit seinem Aussehen etabliert. Im Laufe der Handlung sitzt sein Haar zumeist perfekt, während er mit arroganter Selbstsicherheit posiert, als wäre er gerade vom Cover eines schicken Modemagazins gesprungen. Unter dieser Oberfläche lauert ein gefährlicher Verbrecher, eine Tatsache, die er sich nur allzu gerne selbst bestätigt. Für Harrington nimmt Gewalt die Stelle des Geschlechtsaktes ein. Seine Impotenz (auf die in einem Dialog mit Mildred angespielt wird) dient jedoch nicht als Rechtfertigung für sein Handeln. Seine sexuellen Probleme sind nur zusätzliche Stressoren, die ihn in Richtung Mord treiben.

Hatchet for the Honeymoon

Sein überwältigendes Verlangen, die Wahrheit über sich selbst (ironischerweise genau das, was ihn wahrscheinlich von seiner Ohnmacht befreien könnte) aufzudecken, zwingt ihn seine Energie in Gewalt zu kanalisieren, durch die er eine Art orgastische Entladung erfährt. Schon früh im Film schließt sich Harrington in seinem privaten Arbeitszimmer ein, beschäftigt sich zunächst sorgfältig und ausgiebig mit den Gliederpuppen in Brautkleidern, um danach ein Hackbeil (müsste hier eigentlich mit Cleaver übersetzt werden, also nicht mit Hatchet, wie im Titel gebraucht, da dies eher als ein Kriegsbeil angesehen werden muss) aus seiner Schreibtischschublade zu ziehen und zu beginnen es auf beinahe sexuelle Weise zu streicheln. Ohne zu sehr auf die psychoanalytischen Implikationen eingehen zu wollen, dient diese bizarre Form der Masturbation dazu, die sexuelle Befriedigung, die John von seinen Morden ableitet, zu unterstreichen. Es mag nicht sehr subtil sein, doch Bavas typischerweise sardonischer Ansatz hilft jede potenziell direkte Symbolik zu mindern.

Hatchet for the Honeymoon

Il rosso segno della follia ist einer von Mario Bavas ungewöhnlichsten Thrillern. Sein Status als echter Giallo ist bei Genre-Fans aus verständlichen Gründen umstritten. Zum einen ist das Element des Geheimnisses zu vernachlässigen, weil der Regisseur das Publikum von Anfang an in die Identität des Mörders einbezieht und zum anderen, da auch Johns Selbstfindungstrip ziemlich einfach zu durchschauen ist; was anscheinend jedoch Bavas Absicht war. Genre Pedanten werden ja für gewöhnlich von Bavas Gialli frustriert, weil sie nicht im Einklang mit der Norm sind. Bevor er seine Filme in einem Moor aus mechanischen Spannungseffekten versinken ließ, konzentrierte er sich lieber auf andere Bereiche, die ihm von größerem Interesse waren. Dies kann tatsächlich enttäuschend für diejenigen sein, die einen guten, soliden „Suspenser“ erwarten, doch Bavas Ansatz ist durchaus in sich lohnenswert. Das Problem bei so vielen Gialli ist, weiß man um die Identität des Mörders, so nimmt dies dem Film eine Menge Dampf, besonders wenn man ihn zum wiederholten Male ansieht. Bavas Ansatz gewährleistet durch die geringere Betonung des Überraschungseffekts jedoch, dass dies erst gar kein Problem wird. Das andere Element, das Red Wedding Night aus dem Bereich des Giallo zu entfernen scheint, ist die Einführung des Fantastischen bzw. Übernatürlichen. Nachdem Harrington seine Frau Mildred schließlich umgebracht hat, wird er für den Rest des Streifens von ihrem Geist heimgesucht. Anfänglich kann Mildred von jedem außer John gesehen werden; später, als er ins Gefängnis gekarrt wird, werden die Positionen umgekehrt und nur ihm ist ihre Anwesenheit bewusst. Bava hält diese Dimension der Handlung verführerisch mehrdeutig, so dass das Publikum nie sicher sein kann, ob der Geist real ist oder einfach nur eine Ausgeburt Harringtons sich allmählich verschlechternden mentalen Zustandes. So schwankt Hatchet for the Honeymoon zwischen giallo fantastico und giallo pseudofantastico: Peter Scheinpflug differenziert in diesem Zusammenhang den Giallo-Gothic-Horror-Hybriden mit übernatürlichen Phänomenen, hier giallo fantastico, noch etwas strenger, indem er Filme, „die das Gothic-Horror-Narrativ nachträglich als Plot in einem Giallo-Narrativ demaskieren“ wie zum Beispiel Riccardo Fredas Lo spettro (The Ghost, 1963) als giallo pseudofantastico deklariert (vgl. Scheinpflug, 2014, Seite 16-17; 152-154: Genre-Mixing und Genre-Hybridität).

Hatchet for the Honeymoon

In diesem Zusammenhang nimmt der Film Stanley Kubricks Herangehensweise bei der Verfilmung von Stephen Kings The Shining (1980) vorweg. So wie Bavas Filme wurde auch The Shining von vielen traditionalistischen Zuschauern kritisiert, die den unorthodoxen Ansatz als frustrierend empfinden. In jedem Fall wird das Material mit dem üblichen schwarzen Humor des Regisseurs behandelt und sollte deswegen als ein, zugegebenermaßen atypischer, Beitrag zum Giallo betrachtet werden. Die Besetzung wird von dem kanadischen Modell-wird-zum-Schauspieler Stephen Forsyth angeführt, der hier zweifellos seine beste Rolle spielt. Forsyth zog Bavas Aufmerksamkeit wahrscheinlich mit seiner Vorstellung in Riccardo Fredas Spaghetti-Western La morte non conta i dollari (Der Tod zählt keine Dollar, 1967) auf sich, fand seine größte Anerkennung aber sicherlich mit einer Nebenrolle in Valerio Zurlinis politisch aufgeladenem Seduto alla sua destra (Töten war ihr Job, 1968). Forsyth wurde oft für sein hölzernes und oberflächliches Schauspiel als John Harrington kritisiert aber auch dies scheint ein von Bava bewusst eingesetztes Stilmittel gewesen zu sein. Ob der Schauspieler nun bewusst, mit dem Ziel dieses Niveau der Oberflächlichkeit zu vermitteln, an die Rolle heranging, ist eine offene Frage, aber es passt perfekt zu seinem Charakter. Hatchet for the Honeymoon ist kein fehlerfreier Film, aber die gelungenen Aspekte überwiegen die weniger ordentlichen, wobei Forsyths Leistung in dieser Hinsicht von entscheidender Bedeutung ist. Er repräsentiert eben nur Oberflächenglanz, was genau das widerspiegelt was es sein soll. Dabei kommt John zwar so emotional rüber, wie eine seiner Schaufensterpuppen, doch dies ist eben der Punkt. Harrington ist solch ein emotional verkümmerter Charakter, sodass er nicht in der Lage ist, seine Gefühle auszudrücken.

Hatchet for the Honeymoon

Dies versucht er zu kompensieren, indem er sich auf seine äußere Erscheinung konzentriert. Forsyth erfüllt diese Funktion auf bewundernswerte Art und Weise, lässt genau die richtige Brise Wahnsinn hinter seinen durchdringenden blauen Augen erkennen. Die Nebenrollen sind ebenfalls blendend besetzt. Laura Betti ist hervorragend als die verständlicherweise rachsüchtige Mildred. Betti etablierte ihren Ruf als Teil des Zirkels um Pier Paolo Pasolini, indem sie einen Coppa-Volpi-Preis für ihre Leistung als das Dienstmädchen in seinem umstrittenen Arthouse-Erfolg Teorema – Geometrie der Liebe (1968) gewann. Bava war von der geselligen Schauspielerin sehr angetan und besetzte sie später in Reazione a catena (Im Blutrausch des Satans aka Bay of Blood, 1971) wieder als eine zänkisch boshafte Ehefrau. Einen tollen Part hat auch der spanische Charakterdarsteller Jesús Puente, der den verbissenen Inspektor Russell spielt. Puente ist einer der wenigen Akteure im Bava Kanon, der aus der obligatorischen Polizistenrolle etwas macht, was einem echten Menschen nahekommt; er ist charmant sowie sympathisch und sein hartnäckiges Nachgefrage erinnert stark an einen anderen, populäreren TV-Detektiv, der etwa zur gleichen Zeit bekannt wurde: Columbo. Sex-Appeal wird von den Starlets Dagmar Lassander und Femi Benussi geboten, die beide weitergehend hohes Ansehen unter Liebhabern des Euro-Kult-Kinos genießen. Lassander, die Harringtons Möchtegernliebhaberin spielt, macht aus einer relativ belanglosen Rolle was sie kann; diese ist in Bezug auf die Handlung zwar entscheidend, gibt ihr jedoch nicht sehr viel mehr zu tun, als glamourös auszusehen. Für sie persönlich lohnendere Rollen spielte sie in Piero Schivazappas außergewöhnlicher Pop-Art-Extravaganz Femina Ridens (The Frightened / Laughing Woman, 1969) und Luciano Ercolis Le foto proibite di una signora per bene (Frauen bis zum Wahnsinn gequält, 1970), bevor Sie für Nebenrollen in Lucio Fulcis Gatto nero (The Black Cat, 1981) und Quella villa accanto al cimitero (Das Haus an der Friedhofsmauer, 1981) gebucht wurde. Auch Femi Benussi hat hier nichts anderes zu tun, als einfach nur schön zu sein aber Bava gönnt ihrem ausdrucksstarken Gesicht ein paar schöne Glamour-Aufnahmen.

Hatchet for the Honeymoon

Seit Ende März ist es nun endlich soweit, der lang angekündigte Mario Bava Klassiker Hatchet for the Honeymoon mit Stephen Forsyth, Laura Betti und Dagmar Lassander erscheint als HD-Premiere (mit großartigem Bild und Ton) von Wicked-Vision-Media als Nummer 2 ihrer Collector’s Edition Reihe. Mit dieser Special-Edition erfährt der Klassiker seine deutsche HD-Premiere, abgetastet vom 35mm-Kamera-Negativ und mit exklusivem Bonusmaterial, wie z. B. einem Videofeature von Prof. Dr. Marcus Stiglegger, einem absolut tollen und unbedingt zu empfehlenden Audiokommentar vom deutschen Bava-Experten Pelle Felsch und einem exklusiv für diese Edition gefilmten Interview mit Hauptdarstellerin Dagmar Lassander, welches im Sommer 2015 in Rom entstand und recht interessant ist.

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Die Edition enthält neben der deutschen Synchronfassung jeweils die englische und italienische Tonspur, deutsche und englische Untertitel für den Hauptfilm sowie englische Untertitel für die deutschsprachigen Extras. Hatchet for the Honeymoon erscheint neben einer limitierten schwarzen Amaray noch in zwei streng limitierten Mediabooks. Cover A ist auf 888 Stück limitiert und Cover B auf nur 444 Stück. Cover B entspricht dem alten deutschen VHS-Motiv mit dem Alternativtitel Red Wedding Night. Das Mediabook beinhaltet neben der DVD-Version des Films ein 24-seitiges Booklet mit einem Essay über Mario Bava von Prof. Dr. Marcus Stiglegger (das zur Beurteilung leider nicht vorlag). Exklusiv gibt es wieder ein kleines Gimmick, diesmal in Form einer fiktiven Hochzeitseinladung. Passend zum Thema des Films hat Wicked Vision für euch eine hochwertige, 4-seitige Einladungskarte (21,0 cm x 14,8 cm) entworfen. Diese Beigabe ist auf 200 Stück limitiert, handnummeriert und personalisiert. Letzteres bedeutet, dass die Karte inhaltlich so gestaltet werden kann, dass per Hand euer Name eintragen wird (oder euer Wunschname). Wer hier nicht zuschlägt, dem ist nicht mehr zu helfen!

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Hatchet for the Honeymoon BluRay

  • Darsteller: Stephen Forsyth, Dagmar Lassander, Laura Betti, Jesus Puente, Femi Benussi
  • Regisseur(e): Mario Bava
  • Sprache: Italienisch (DTS HD 2.0 Mono), Deutsch (DTS HD 2.0 Mono), Englisch (DTS HD 2.0 Mono)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Wicked-Vision Media
  • Produktionsjahr: 1969
  • Spieldauer: 88 Minuten

 

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Hatchet for the Honeymoon

Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision-Media zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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