Heimkino Wunschliste #9: Das Hong-Kong Kino von John Woo

Unsere neue Artikelserie hier auf Nischenkino geht weiter. Wir stellen euch Filme vor, die es (zumindest hierzulande) nicht auf BluRay/DVD gibt – oder für Sammler und Cineasten in nur unzureichender Präsentation. Mit Folge 9 geht es gleich um ein Gesamtwerk, zu mühsam wäre eine Einzelbetrachtung.

Ein extrem harter Brocken, aber umso wichtiger ist es, dieses Thema nicht fallen zu lassen. Die Frühwerke und die großen Hong-Kong Kultfilme von John Woo haben mit zwei Problemen zu kämpfen was die Heimkino Auswertung betrifft: Ein Dschungel an Rechteinhabern und schlechter Archivkultur in Asien führt dazu, dass hochwertige Releases meist selten zu machen sind. Zum zweiten sind die meisten seiner Filme in Deutschland leider immer noch auf dem Index, und eben die Rechtelage und die mageren kommerziellen Aussichten lassen Anträge auf Neubewertung oder Listenstreichung vor den entsprechenden FSK Gremien oder Amtsgerichten zum Wunschtraum verkommen. Damals lagen die Rechte teilweise bei der alten e-m-s (heute 3L), zumindest die der A Better Tomorrow Trilogie. Aber da wären auch noch eine ganze Reihe anderer Filme die in Deutschland bisher in keiner aktuellen, guten Heimkino Ausgabe erhältlich sind, aus einem oder mehreren der oben genannten Gründe. Die Problemlage betrifft also das Gesamte Frühwerk von John Woo. Übrigens gibt es auch Filme von ihm die nicht indiziert sind, aber trotzdem kaum beachtet werden, nur um das mit  zu betonen. Letzten Herbst wurde dann endlich sein Meisterwerk The Killer vom Index gestrichen, das könnte vielleicht ein Anfang sein. Die Originalversion als Zweiteiler von Red Cliff fehlt hierzulande ja ebenso. Bald kommt vielleicht auch hierzulande sein neuer Film The Crossing ins Kino, und er baselt auch an einem Actionfilm-Remake namens Manhunt. Hier einige seiner Filme ab 1979 die entweder noch unter der Tyrannei unseres Zensurstaates stehen, oder anderweitig in unserem Markt fehlen:

Laughing Times (1981), die chinesische Charlie Chaplin Variante ist ein Kleinod seiner Filmographie und ist wirklich sehr selten genannt im Zusammenhang mit John Woo.

Heroes Shed no Tears (1986), aka Blast Heroes, indiziert. Es gibt ein Bootleg, oder man greift zum UK Import. Der blutige Vietnamkriegsfilm lässt erahnen, was später u.a. in Windtalkers wieder hervorkommt: Stilisierter Splatter.

A Better Tomorrow (1986), aka City Wolf, indiziert. Sämtliche alten DVD Fassungen die es in Deutschland je gab, waren gekürzt. Der Heroic Bloodshed Klassiker ist auch im Ausland nicht in völlig qualitativ einwandfreien Fassungen erhältlich.

A Better Tomorrow II (1987), aka City Wolf II, indiziert. Es hab schon mal ungekürzte Fassungen, qualitativ waren die aber nicht einwandfrei. Das gilt übrigens auch für Importe aus England und Co. Das etwas hingekünstelte Sequel ist viel Quatsch aber die Action ist legendär. Schade dass sich Woo und Tsui Hark deshalb auch verkracht hatten.

Just Heroes (1989), aka Hard-Boiled II, indiziert. Bisherige Veröffentlichungen waren technisch sehr misslungen. Mal davon abgesehen dass es irgendwie quatsch ist, den Film als Teil 2 eines Films zu vermarkten, der eigentlich drei Jahre jünger ist. Gut ist der Film ohnehin nicht sonderlich. Im Ausland ist hier leider auch nicht viel zu holen.

The Killer (1989) – vom Index, Veröffentlichung vielleicht dieses oder nächstes Jahr? Wir halten Euch auf dem Laufenden.

Bullet in the Head (1990), indiziert. Noch 2004 hatte sich Kinowelt mit einer ungekürzten DVD getraut. Damit könnte der Film rechltlich bei StudioCanal liegen. Jedenfalls wäre dieser doch recht gute Heroic Bloodshed Klassiker auch mal wieder einen Versuch wert.

Once a Thief (1991), aka Killer Target. Die alten DVDs der Komödie die es hierzulande gab, waren alle gekürzt (um die OFDB  zu zitieren „wie vom Schneider in Panama“), im Ausland kann man sich aber eigentlich recht gut bedienen. Der Film ist qualitativ nicht viel wert, aber Chow ist natürlich klasse.

Hard Boiled (1992), indiziert. Hier gab es gar von e-m-s zumindest schon mal ungekürzte Auflagen. Im Ausland ist der Film längst auf BluRay und teilweise sogar Netflix. Der Film ist ein Action-Meilenstein, und es ist trotz der hochstilisierten Gewaltdarstellung (wie in allen John Woo Filmen) schade, dass der Film auf dem Index ist. Irgendwann wird er kommen….

Fazit: Man hat es als Cineast in Deutschland nicht einfach. Wegen der rechtlichen Situation trauen sich die Labels dann auch kaum an das Material, oder es ist eben wirtschaftlich nicht lohnenswert. Eine Argumentation vor der FSK für Neuprüfungen wäre bei manchen der Filme auch wirklich schwierig, nicht dass ich sie für grundlos brutal halte, aber das Markenzeichen von John Woo ist eben genau das, was die FSK am wenigsten gerne hat: Leute töten wie ein Ballett aussehen zu lassen.

Videozusammenschnitt seiner Markenzeichen:

Poster von Hard Boiled:

hard boiled poster

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

1 Antwort

  1. 29. Mai 2017

    […] hatten es im Rahmen der Heimkino-Wunschliste ja auch schon mal lamentiert, dass zu viel von John Woos Werken hierzulande kaum oder nur schlecht […]