Historia de una traición / Nel buio del terrore / Diabolicamente sole con il delitto / The Great Swindle

Zwei professionelle Betrüger, die verführerische sowie starke Brünette Carla und der gutaussehende aber rücksichtslose Arturo, versuchen sich gegenseitig zu verführen und zu erpressen, ohne sich ihrer jeweiligen wahren Identität bewusst zu sein. Als sie erkennen, dass sie von derselben Art sind, verbünden sie sich, um einen älteren reichen Mann namens Luis und eine jüngere schöne Blondine namens Lola über den Tisch zu ziehen. Lola verliebt sich in Carla, die beschließt sich dem zu verschließen, um vermeiden zu können, auf irgendeine Art und Weise mit einer Frau intim zu werden, was Lola frustriert. Es kommt zu einem plötzlichen Todesfall, der das „Spiel“ ein wenig verändert, weswegen Carla beschließt dies zu ihrem Vorteil auszunutzen.

Carla (Marisa Mell), eine höher klassige Escort-Dame, ist am Boden zerstört, als sich ihr Lieblingskunde Luis (Fernando Rey) mit ihrer besten Freundin Lola (Maria Martin) trifft. Sie beginnt eine Affäre mit dem Hemingway-artigen Maler Arturo (Stephen Boyd), der sich als Betrüger herausstellt, der sie hereinlegen will. Anstatt zur Polizei zu gehen, schlägt sie ihm einen Plan vor, nämlich Lola für Luis‘ Ermordung verantwortlich zu machen, um mit all seinem Geld davonkommen zu können. Unglücklicherweise verlieben sich nun Arturo und Lola ineinander. Bei Historia de una traición handelt es sich um kein richtiges Rätsel, da einem beinahe die gesamte Laufzeit über bewusst ist, was vor sich geht, obwohl der fragmentierte Erzählansatz sein Bestes gibt, um die Fakten so weit wie möglich verschwimmen zu lassen.

Ähnlich wie El calor de la llama (The Heat of the Flame, 1976) repräsentiert Historia de una traición ein melodramatisches Mischmasch, bei dem weite Strecken der Laufzeit den sich entwickelnden Beziehungen zwischen den Charakteren gewidmet werden, bevor sich am Ende eine Wendung im Stile eines giallo einstellt. Der Sex wird hier weniger extrem dargestellt, als in The Heat of the Flame, während der einzige Mord außerhalb des Bildschirms stattfindet, obwohl sich die Inneneinrichtungen sowie die Mode als ziemlich tödlich erweisen (tapezierte Schranktüren, wie schön!). Doch der Film ist anständig inszeniert worden, mit guter Regieführung von José Antonio Nieves Conde, einem erfahrenem Filmemacher, der seit den Nachkriegsjahren mit einigem Erfolg gearbeitet hatte und im selben Jahr einen weiteren Film mit Stephen Boyd und Marisa Mell drehte, nämlich Marta.

Die Kinematografie ist als recht gut zu bezeichnen, während Carlo Savina einen exzellenten Soundtrack beisteuert und eine großartige Besetzung bestens aufspielt. In kleinen Nebenrollen kann man Massimo Serato (als hedonistischen Dandy), Howard Ross (als jungen Hengst) und Simon Andreu (als Pilot) wiedererkennen. Obwohl der Film nicht fehlerfrei ist, stellt es sich als faszinierend heraus, ihn in Bezug auf seine italienischen Entsprechungen und als Produkt seiner Herkunft, seiner Zeit und seiner politischen Situation unter die Lupe zu nehmen. Sollte man die gialli der 60er Jahre den Post-Argento-Exemplaren vorziehen, obwohl sie sich weniger glatt und geradlinig gestalten, so sind sie in vielerlei Hinsicht einigen Thrillern zu bevorzugen, die gleichzeitig in Italien gedreht wurden. Es lohnt sich, einen Blick zu riskieren.

Allerdings wäre es sehr zu begrüßen, wenn Historia de una traición mal eine angemessene Veröffentlichung spendiert bekommen würde, damit man auch einen vernünftigen Blick auf den Streifen riskieren kann. Die hier vorliegende Version von Quinto Piano kommt jedenfalls einem gerade noch mittelmäßigen VHS-Rip mit falscher Aspect Ratio und teilweise leierndem Ton ziemlich nahe. Außerdem ist nur eine italienische Spur verfügbar!

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  • Regisseur: ‎Jose’Antonio Nieves Conde
  • Medienformat: ‎PAL, Farbe
  • Darsteller: ‎Stephen Boyd, Sylva Koscina, Marisa Mell, Fernando Rey, Carlo Savina
  • Untertitel: ‎Italienisch
  • Sprache: ‎Italienisch (Dolby Digital 5.1)
  • Studio: ‎Quinto Piano

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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