Hitler – Die letzten zehn Tage / Hitler: The Last Ten Days

Hitler die letzten zehn tage

Der Film von Ennio de Concini aus dem Jahr 1973 stützt sich auf ein Buch von Gerhard Boldt, nicht unumstrittener Überlebender des Führerbunkers, das in Teilen auch Oliver Hirschbiegel für Der Untergang als Grundlage diente, neben den Erinnerungen von Hitlers Sekretärin Traudl Junge. Die British-Italienische Koproduktion inszeniert die letzten Tage im Bunker bis zum Selbstmord Adolf Hitlers und seiner Gefolgschaft. Alec Guinness spielt Hitler, der im Wahn und abgeschirmt von der Realität glaubt, den Krieg durch das Verschieben längst nicht mehr einsatzfähiger Truppen den Krieg noch gewinnen zu können. Je mehr ihm klar wurde, wie aussichtslos dies erscheint, desto verbitterter wird er, die Schuld in seinen Generälen und letztlich dem deutschen Volk selbst suchend.

Hitler die letzten zehn tage

Die Story braucht es daher hier nicht wieder zu geben, es ist eine Chronik der letzten Tage wie sie heute jeder hoffentlich kennt. Zur weiteren Besetzung gehören Simon Ward als Hauptmann Hoffmann, Adolfo Celi als General Krebs, Gabriele Ferzetti als Feldmarschall Keitel, Doris Kunstmann als Eva Braun, John Bennett als Joseph Goebbels, Barbara Jefford als Magda Goebbels, Ann Lynn als Traudl Junge, Mark Kingston als Martin Bormann und Philip Stone als General Jodl, der (was dieser Film nicht mehr thematisiert), 1945 die Bedingungslose Kapitulation unterzeichnete.

Hitler die letzten zehn tage

Obwohl der Film auf Boldts Buch basierte und somit eine umfangreiche Materiallage hatte, war dies nicht der erste Film zum Thema. Schon 1955 hatte G.W. Pabst dazu einen Film gemacht (Der Letzte Akt), und Der Untergang von 2004 blickt daher auch auf weitere Interpretationen zurück, nicht zuletzt der TV-Film Der Bunker mit Anthony Hopkins von 1981.

Hitler die letzten zehn tage

Der Film versucht, durch ein hohes Maß an Realismus darüber hinwegzutäuschen, dass er wenig Neues (zumindest aus heutiger Perspektive) zu erzählen hat. Es handelt sich um eine vermeintlich akribische Erzählung tatsächlicher Vorkommnisse die in erster Linie durch Inserts in Form von historischer Footage oder nachgestellter historischer Footage hinterfragt werden. Diese Art des kritischen Umgangs mit dem Material lassen beim Zuschauen im Zweifel darüber aufkommen, ob es dem Filmemacher in erster Linie und Sensation ging oder um geschichtliche Aufarbeitung. Anders als bei Der Untergang sind die Protagonisten des dem diesen geweihten Nazi-Regimes hier keine Monster oder solche die zurecht dem Untergang geweiht sind, sondern werden hier teilweise als die Personen dargestellt, die sie vermutlich selbst in ihrer eigenen Wahrnehmung gewesen wären, nämlich Opfer eines selbst unverschuldeten Untergangs der auf sie zu rollt, ohne dass sie es verdient hätten . Die schauspielerische Darbietung ist zwar überzeugend, kann aber diesen bitteren Nebengeschmack nicht gänzlich ausräumen.

Hitler die letzten zehn tage

Es bleibt ein prozeduraler Film, der nach damaligen Maßstäben sehr viel Aufwand investiert, historisch akkurat zu sein aber dennoch wenig als wirkliches Kino zu überzeugen weiß. Es scheint fast so als wäre, wie aus dem Exploitation Kino bekannt, die Fassade der Authentizität (angefangen mit der Aussage des Zeitzeugen, dass es hier um exakte reale Vorkommnisse geht) fast schon der im Exploitation-Sinne hier ausgebeutete Faktor, der die Menschen ins Kino bringen sollte, aber nicht der Film oder dessen Aussagekraft an sich. Der Mehrwert des Films aus heutiger Sicht tendiert daher quasi gegen Null, was gutes Kino angeht so machte Hirschbiegel mit Der Untergang vor was man aus diesem Material wirklich machen kann, ansonsten ist man mit einem guten Geschichtsbuch oder einer Guido Knopp-Dokumentation besser beraten.

Die BluRay bietet akzeptables Bild, das zwischen sehr aufgeräumt, scharf und einigermaßen farbenfroh einerseits, und eher grieselig, blass und unscharf schwankt. Keine erstklassige Restauration, aber akzeptabel eben. Der Ton (englisch getestet, die deutsche Synchronfassung liegt auch bei) klingt okay, rauscht ganz minimal, ist aber ansonsten dem Film angemessen. Es gibt deutsche oder englische Untertitel. Zu den Extras gibt es nur Trailer und Bilder.

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Hitler - Die letzten zehn Tage
Die Bluray wurde uns für diese Besprechung zur Verfügung gestellt. Screenshots Quelle.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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