Hollywood Justice – Selbstjustiz im Amerikanischen Film

Besonders schön ist, wenn sich aus dem Nischenkino Freundeskreis jemand so gern mit Kino beschäftigt, dass dabei gleich ein klassisches Buch heraus kommt. Unser Kollege Peter Vogl (wer sich noch an „the most awesome movies ever“ erinnert, z.B. auch auf FuriousCinema) hat nun mit Hollywood Justice ein Buch vorgelegt über Selbstjustiz im amerikanischen Film 1915 – 2015. Das Buch startet mit einem Vorwort von John Shelton Lawrence (The Myth of the American Superhero, The American Monomyth) und analysiert beispielhaft die Entwicklung des „Vigilante“ im amerikanischen Kino. Selbstjustiz Filme haben wir ja auch auf Nischenkino sehr oft im Programm, letztens erst Lila & Eve, oder die Klassiker Walking Tall usw.

Peter hat hier ein extrem spannendes Subgenre heraus gesucht und das minutiös analysiert, ich zitiere im Folgenden einfach mal aus der Einleitung. Es handelt sich dabei aber nicht um einen Katalog von Vigilante Filmen, sondern um eine Exploration dieses Mythos des Vigilanten, was ich umso interessanter finde, vor allem da das amerikanische Kino nur noch so voll ist von Mythen, und diese Form der Selbstjustiz wie viele andere dieser Mythen ein sehr spannendes und kulturell begründetes Konstrukt ist. Ich empfehle das Buch herzlich allen, und wünsche viel Spaß beim Lesen.

Selbstjustiz, umgangssprachlich als »das Gesetz in die eigene Hand nehmen« bezeichnet, zieht sich durch die gesamte amerikanische Filmgeschichte. Der Begriff vigilantism, dessen Definitionsversuche ich im nächsten Kapitel ausführe, bedeutet nach gängigen Definitionen so viel wie eine systemstützende oder systemerhaltende, konservative Form von Selbstjustiz. Den Begriff »Vigilantismus« findet man extrem selten in deutschsprachiger Literatur, und auch im Sprachgebrauch scheint er so gut wie nicht zu existieren. Auch wenn er im Deutschen (wenn überhaupt) vor allem in historischen Kontexten gebraucht wird, oder im Zusammenhang mit real existierenden Gruppierungen wie Milizen oder Bürgerwehren, werde ich ihn für dieses Buch verwenden, da der weitaus geläufigere deutsche Begriff »Selbstjustiz« eben kein Äquivalent darstellt.

Filme, die das Rachemotiv zum Inhalt haben, sind zahlreich und bekannt. Das Rachenarrativ wurde innerhalb der Filmwissenschaft auch entsprechend behandelt. Das, was ich in diesem Buch als Vigilantnarrativ bezeichnen werde, ist im Gegensatz dazu sowohl im öffentlichen Bewusstsein als auch im wissenschaftlichen Diskurs kaum vertreten. Das ist auch deshalb überraschend, weil man – je nachdem wie man Vigilantismus definiert – dahingehend argumentieren kann, dass Vigilanten öfter in Filmen auftreten als Rächer. Protagonisten können beide Rollen in einem Film erfüllen. Aber es passiert viel häufiger, dass jemand das Gesetz selbst in die Hand nimmt und illegal handelt, als dass er explizit als Rächer auftritt. So gut wie jeder Rächer ist ein Vigilant, da er das Gewaltmonopol der Staates missachtet, und nur in seltenen Fällen seine Rachehandlungen von höherer Stelle legitimiert sind (Ein Soldat ist beispielweise von seiner Regierung legitimiert, und ein Polizist vom Staat). Aber nicht jeder Vigilant ist ein Rächer, weil viele von ihnen uneigennützig handeln. Ich behaupte, dass es in US-amerikanischen Filmen mehr Vigilanten als Rächer gibt. Das was ich in diesem Buch als einen »klassischen Vigilanten« bezeichne, ist eine Figur, die nicht primär als Rächer in Erscheinung tritt, sondern um das Allgemeinwohl seiner Stadt, seines Landes oder seiner community besorgt ist. Ein klassischer Vigilant ist also ein »rechtschaffener« Vigilant, dessen Vigilantismus auf rationalen Überlegungen gründet. Ein Rächer dagegen will nur sein persönliches Unrechtsgefühl tilgen, und seine Selbstjustiz ist (fast) ausschließlich emotional bedingt und gesteuert. »Klassischer« Vigilantismus ist nach meiner Definition in erster Linie uneigennützig und wird im Dienste der Gesellschaft angewandt. Mein Ziel für dieses Buch war, fast alle filmischen Beispiele für »klassischen Vigilantismus« zusammenzuführen. Hätte ich alle Beispiele für Vigilanten in Filmen aufgeführt – also alle Figuren, die Selbstjustiz anwenden – wäre das Buch wohl sieben Mal so umfangreich geworden.
Siehe auch: Verlagsseite mit erweiterter Leseprobe.

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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