Hollywood Story (The Big Knife)

The Big Knife

The Big Knife (bei uns Hollywood Story) ist ein Kammerspiel von Robert Aldrich aus dem Jahr 1955 mit Jack Palance in der Hauptrolle, basierend auf einem Bühnenstück gleichen Titels von 1949.

Der Filmstar Charlie Castle (Jack Palance) möchte sich aus den unbequemen Fesseln seiner Geschäftsbeziehung mit dem skrupellosen Studioboss Stanley Hoff (Rod Steiger) befreien. Er sieht für sich eine Zukunft mit bedeutungsvolleren Filmen und mehr künstlerischer Freiheit. Hoff will Charlie mit einem neuen langfristigen Vertrag an sich binden, doch Charlie zögert. Seine Frau Marion (Ida Lupino) lebt bereits von ihm getrennt und verbringt Zeit mit einem anderen. Er sehnt sich nach Zeit mit ihr und seinen Kindern am Strand, statt Studiomarionette zu spielen und von Journalisten heimgesucht zu werden. Aus den Fängen von Hoff befreit ist eine Wiedervereinigung mit seiner Gemahlin realistisch. Doch Hoff hat ein Druckmittel gegen Castle in der Hand: ein Unfall mit Fahrerflucht vor vielen Jahren konnte für den aufstrebenden aber trinksüchtigen jungen Schauspieler unter den Teppich gekehrt werden. Plötzlich drohen Zeugen (u.a. Shelley Winters) von damals wieder auszusagen, Charlie geht so weit und überlegt ob sein Handlanger Smiley (Wendell Corey) diese nicht beseitigen könnte….er ist verzweifelt und zwischen Freiheit und Familie einerseits, und Karriere und Unversehrtheit hin und her gerissen……

The Big Knife

Rein zufällig ist das für mich der zweite schwarz-weiß Film mit einer Titelsquenz des legendären Saul Bass (Seconds, Psycho) innerhalb weniger Wochen, der andere war Walk on the Wild Side (dt. Titel Auf glühendem Pflaster) den ich hier bei Furious Cinema rezensiert habe. The Big Knife ist eine recht düstere, deprimierende und auch ein wenig überladene und dick aufgetragene Abrechnung mit dem moralisch versifften Hollywood und dessen Machstrukturen. Jack Palance (Mercenario, City Slickers, Ten Seconds to Hell) liefert vermutlich eine seiner besten Darbietung ab als hin und hergerissener Filmstar, der letztlich Sklave oder Marionette des Studiosystems ist, das ihn ausnutzt und instrumentalisiert, aber auch vor Strafverfolgung schützung und (finanziell) fördert. Beeinruckend gespielt hier von Rod Steiger (Todesmelodie, Sieben Diebe), einer art frühem Harvey Weinstein, ein machtbesessener Studioboss, exzentrisch, kontrollierend, aber auch mit einem Gespür dafür die Kunst und Kommerz funktiniert in Tinseltown.

The Big Knife

Robert Aldrich (Rattennest, Keine Gnade für Ulzana, Massai) war noch nie scheu wenn es um kontroverses Material oder unbequeme Wahrheiten ging. Vielleicht hat er hier auch ein klein wenig seine eigene Erfahrung verarbeitet, obgleich es für dieses Material eine Vorlage gab. Gekonnt iszeniert er Charlie Castle als eine Figur, die einen gefährlichen Drahtseilakt hinlegen muss. Die Gefahren die auf ihn lauern sind dabei auch selbstgemacht – sein Akoholkonsum, seine Untreue, seine Laster werden ihm also zum Verhängnis. Man sympathisiert aber auch mit ihm und seinen kläglichen Versuchen, sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Letztilch vermisst er Familie und Würde, und sehnt sich schon alleine deshalb nach einer Karriere die weniger auf Ausbeutung sondern auf Wertschätzung und kritischer Würdigung aufbaut. Also doch Aldrich? Man wird es nicht erfahren, aber auch Aldrich hatte in diversen Phasen seiner Karriere sicherlich starke Widerstände aus dem kommerziellen Studiobereich zu überwinden gehabt, und Palance, ja Palance, einer der ganz großen eigentlich, der in den 70ern und 80ern teilweise viel Rotz gemacht hat und bekifft in irgendwelchen Jess Franco Filmen den bizarren Lüstling raushingen ließ. Auch für Palance mag es ein persönlicher Film gewesen sein, allerdings eher rückblickend.

The Big Knife

In Summe ein recht guter und interessanter Film, allerdings wie schon erwähnt ein klein wenig zu überladen und überspielt, man merkt die Theaterherkunft des Materials. Vielleicht hätte eine Episodenstruktur dem Film gut getan in der Post-Production.

Die BluRay von Explosive Media bietet den Film in einer deutschen Synchro und im englischen Origina. Diese Spur klingt zwar erdig und bietet nette tiefen, ist aber qualitativ oft eher schlecht, ob nun Zischen oder das Geräusch dass man auch kennt vom Plattenspieler wenn die Nadel etwas angestubst wird. Insgesamt total okay aber ein klein wenig schade dass der Rechteinhaber den Ton nicht auch hat sauber restaurieren lassen. Die deutsche Spur habe ich wie immer nicht getestet. Es stehen Untertitel auf Deutsch oder Englisch zur Auswahl. Das Bild sieht ebenfalls recht solide aus, weist aber schon recht starkes Edge Enhancement auf. Ein körniges Bild wie man es mag, vielliecht nicht das messerschärfste Bild aber rundherum total OK. Nennenswerte Extras gibt es nicht. Da hat die leider vergriffene Veröffentlichung von Arrow mehr zu bieten.

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Die BluRay wurde uns zur Verfügung gestellt. Screenshots via

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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