HOUSE HARKER – Vampirjäger wider Willen

Die Brüder Charlie und Gerry Harker sind Nachkommen des legendären Vampirjägers Jonathan Harker. Doch ihr Glaube an die Familiengeschichte rund um die Jagd auf Vampire macht sie in der heutigen Zeit nicht zu Helden, sondern zum Gespött der Stadt. Aus finanzieller Not heraus und dank eines ungewollten und recht kuriosen Todesfalls schmieden die Brüder gemeinsam mit ihrem nicht minder schrägen Freund Ned einen genialen Plan: Die erfolgreiche Jagd auf einen Vampir soll mit Hilfe eines Schauspielers öffentlich im Haus Harker inszeniert werden. Dumm nur, dass eben dieser Schauspieler auf einen realen Vampir trifft, der dann letztendlich statt des Schauspielers bei den Harkers eintrifft… (OFDb Filmworks)

Was ist mit den Harkers nach den Ereignissen in Dracula passiert? Diese Frage hat bereits viele Geschichten inspiriert und bildet den Kern des Original-Titels I Had a Bloody Good Time at House Harker. Tatsächlich bekommt man im Prolog einen Moment aus dem Leben der Familie präsentiert, doch der Hauptteil des Films springt ein paar Generationen in die Zukunft. Der Streifen ist als Komödie mit dunklem Humor konzipiert und verteilt Seitenhiebe auf romantisierte sowie verkitschte Vampirkost a la Twilight ohne dabei schablonenhaft zu wirken. Außerdem gibt es Blut … viel, viel Blut. Eins jedoch gleich vorweg: I had a bloody shitty time at House Harker!

Dem Publikum wird per Zwischentitel mitgeteilt, dass Jonathan und Mina Harker im Anschluss an die Ereignisse in Dracula ihren Sohn Quincey (Dylan Fox Williams) nach Amerika bringen. Dort werden sie von einem Vampir aufgespürt, der sich Vater und Sohn nähert, während er den Kopf und die Wirbelsäule von Vampirjäger Van Helsing in den Händen hält. Das Geschöpf der Nacht enthüllt nun, dass er den Schädel von Dracula genommen sowie verspeist hat (ich werde darauf zurückkommen) und sich dadurch dessen Macht einverleiben konnte. Weiterhin will der Vampir eine Armee von Untoten erschaffen und die Harkers sollen dabei den Anfang bilden. Wir springen in die Zukunft: „Don’t mouth my lines…“ beklagt sich Ned (Derek Haugen), der die Rolle des Vampirs in einer nachgestellten Inszenierung spielt, die Gerry Harker (Jacob Givens) im sogenannten Harker-Haus aufführen lassen will. Gerry ist erst neulich aus Hollywood zurückgekehrt, nachdem er in „Twirl“ (dem Billy Elliott der Tambourstab-Wirbler-Filme) die Hauptrolle übernommen hatte. Die Harker-Geschwister hatten einen finanziellen Zuschuss bekommen, um das Haus renovieren zu können, doch Gerry hat das meiste davon für das Theaterstück aufgewandt – welches er (hoffentlich) zu einer Touristenattraktion machen will. Mit dabei ist auch Gerrys neurodivergenter Bruder Charlie (Noel Carroll). Allerdings ist eine Bauinspektorin alles andere als beeindruckt vom Zustand des Hauses, denn das stellt noch immer eine Todesfalle dar, weswegen die Geschwister schnell renovieren oder das Geld zurückzahlen müssen.

Im Haus Harker lebt auch Gerries und Charlies Schwester Paige (Whitney Moore), die mit Sheriff Wayne (Nathan Lorch) verlobt ist und gleichzeitig Neds unerwiderte Liebe darstellt. House Harker verbringt zwar einige Zeit damit, die eigenwilligen Charaktere aufzubauen, den Kern des Films bildet jedoch eine Verschmelzung aus verschiedenen Ereignissen. Zuerst kommt es zu der unbeabsichtigten Tötung und posthumen „Entblutung“ des nekrophilen Mörders (Peter Story), der die Nachbarschaft heimsucht. Im Anschluss daran (und einem weiteren Todesfall) wollen unsere Chaoten beweisen, dass Vampire real existieren. Dabei spritzt Blut auf Draculas Vampirschädel, den Quincey aufbewahrt hatte, wodurch eine mentale Botschaft an einen Vampir (Nate Lane) in Rumänien gesandt wird, welche die Kreatur nach Amerika lockt, um Draculas Macht beanspruchen zu können. Mehr soll vom Hauptplot nicht verraten werden, außer dass die angeblichen Vampirjäger zusammen mit Ex-Priester Walter (Arlan Godthaab) alle Hände voll zu tun bekommen. Auf den Totenschädel muss allerdings noch kurz eingegangen werden: Der Vampir gelangt in den Besitz des Schädels, der wird zu Staub und vom Vampir einfach eingeatmet (anstatt am Knochen zu knabbern).

Während der Ereignisse taucht die Schriftstellerin Stacey Mendler (Talya Carroll) im verschlafenen Städtchen auf. Sie hat die Buchreihe Succulent erfunden sowie geschrieben und möchte nun die Bevölkerung über Vampire aufklären, die in ihren Büchern funkelnd romantische Kreaturen der Nacht darstellen (siehe Twilight). Da Vampire in ihren Augen schöne und missverstandene Wesen sind (jeder, der etwas anderes sagt, ist rassistisch) möchte sie der Vampir-Panik in der Stadt entgegenwirken und natürlich gleichzeitig ihre Bücher an Mann sowie Frau bringen. Glücklicherweise sind die Vampire des Films alles andere als romantisch, weswegen das Blut in Strömen fließt. Der Humor funktioniert allerdings nicht, meistens, und ist allenfalls als leidlich amüsant zu bezeichnen. Obwohl die Schauspieler allesamt gute Leistungen zeigen und der Film blutig mit monströsen Vampiren recht gut inszeniert worden ist, kann der Funke (vor allem was den Humor betrifft), wenn überhaupt, nur kurz überspringen.

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  • Darsteller: Derek Haugen, Jakob Given, Noel Carroll
  • Regisseur(e): Clayton Cogswell
  • Format: Widescreen
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: OFDb Filmworks / Koch Media GmbH
  • Produktionsjahr: 2016
  • Spieldauer: 80 Minuten

Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von OFDb Filmworks zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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