Hügel der blutigen Augen / The Hills Have Eyes

Der schöne Familienurlaub der Carters endet, als sie mit ihrem Wohnwagen in der bergigen Wüstenregion liegen bleiben. Es beginnt ein Kampf ums nackte Überleben: In dem früheren Atomtestgebiet hat etwas überlebt und macht jetzt Jagd auf die Familie. Und dieses Etwas ist nicht allein… (Turbine Medien)

Für einen Großteil seiner Laufzeit entfernt sich Hügel der blutigen Augen von den klaustrophobischen Grenzen des traditionellen Horrorkinos und nutzt die freie Natur, um einen schrecklichen Angriff auf die Werte der Familie zu begünstigen. Während einer Reise nach Kalifornien bleibt die Familie Carter (insgesamt aus sieben Personen bestehend) mit ihrem Wohnwagen mitten in der Wüste liegen und sieht sich schon recht bald dem Zorn eines kannibalischen Clans ausgesetzt, der auf Mord und Totschlag aus ist. Obwohl ich diesen Film nie besonders zu schätzen gewusst hatte, trugen zwei erneute Sichtungen (nach ca. 30 Jahren via Blu-Ray Edition von Turbine Medien) dazu bei, zu verstehen, wie viel Wes Craven und sein Team mit The Hills Have Eyes auf die Beine gestellt haben. Mit einem Budget von nur 300.000 US-Dollar, das nur eine Einstellung für die überwiegende Mehrheit der Szenen ermöglichte, setzten Craven sowie seine Besetzung und Crew einfach alles in Bewegung, um einen Film zu produzieren, der noch 44 Jahre später von Relevanz ist.

Hier werden Männer, Frauen, ein Baby und zwei „Haustiere“ der Familie (die beiden zuletzt genannten stellten damals praktisch unantastbare filmische Tabus dar) durch ihre entrechteten Kontrapunkte in einem echten Klassenkampf auf die Probe gestellt. Blutgericht in Texas trifft auf Das letzte Haus links, mit mehreren Szenen, die sich ihre Sporen in den Bereichen Spannung und Gore verdienen. Während Craven von der MPAA zu einer Reihe von Kürzungen gezwungen wurde, handelt es sich hier um die Vollversion mit Messerstechereien, Schießereien, einer Kreuzigung und den schrecklichen Resultaten eines Angriffs eines deutschen Schäferhundes, der jeden begeistern wird, der sich um die überlebenden Mitglieder einer dezimierten Familie kümmert und den Verlust ihrer Lieben bedauert.

Zu den herausragenden Schauspielern gehören Virginia Vincent (die weise Matriarchin), Robert Houston (der die gleiche Augensprache wie Richard E. Grant besitzt) und Susan Lanier, die sich wirklich gut in ihre Rolle versetzt und sich als starke, einfallsreiche Heldin erweist. Auch Bewunderer von Dee Wallace (die in beinahe jedem Film der 80er von Das Tier über E.T. – Der Außerirdische bis hin zu Cujo und Critters – Sie sind da! immer die Mutter der jeweils involvierten Familie gespielt hat) werden von ihrem Engagement begeistert sein. Die Edition von Turbine Medien bietet die bisher am besten aussehende Version dieses Films, obwohl der aufgrund seiner niedrigen Produktionswerte und des für die Dreharbeiten verwendeten Filmmaterials nie eine Augenweide war. Es ist immer noch eine Fülle an Maserung vorhanden und Fleischtöne präsentieren sich oftmals etwas gedämpft, doch die Farben sind im Allgemeinen als kräftiger als bei früheren Inkarnationen zu bezeichnen, was eine enorme Verbesserung darstellt.

Die Edition von Turbine Medien enthält einen Audiokommentar mit Wes Craven und Produzent Peter Locke, die sich für den szenespezifischen Ansatz entscheiden. Obwohl ihr Gespräch anfangs darauf hindeutet, dass man jetzt 90 Minuten lang, nun ja… Freunden beim Chatten zu hören darf, stoßen die beiden eine informative und oft humorvolle Diskussion über die Ereignisse auf und außerhalb des Bildschirms an. Man erfährt von den Schwierigkeiten mit der Zensur („These days it could be a Disney movie.“); mit der Produktionslogistik; wie die Veröffentlichung von Smoky and the Bandit (Ein ausgekochtes Schlitzohr, 1977) einen bis dahin erfolgreichen Kino-Lauf überschattete und es gibt auch einige Hintergrundinformationen zum „Aushängeschild“ des Films Michael Berryman, der dank seiner Arzteltern 26 Geburtsfehler erleiden musste; Informationen zur Vorbereitung der Schlangen („This has been milked?“ „No, he’s all ready to go!“); eine seitenspaltende Harry-Potter-Referenz und die Offenbarung, dass Eddie Murphy ein großer Fan dieses Films ist.

Außerdem gibt es noch The Hills Have Eyes – Ein Blick zurück: Retrospektive Interview-Dokumentation mit den Stars und Machern des Films, ein 54-minütiges Featurette, das einen absoluten Klassiker seiner Art repräsentiert. Während einer Reihe von Videointerviews sprechen Craven, Locke, DOP Eric Saarinen, Berryman, Houston, Stone, Lanier und ‚Animal Girl‘ Blythe alle mit Stolz über ein Projekt, bei dem sie alles gegeben haben. Craven bringt den Ball ins Rollen, indem er sich daran erinnert, dass seine Eltern ihm verboten haben ins Kino zu gehen und wie er die verlorene Zeit wettmachte, indem er sich an Godard, Fellini und Bergman ergötzte (Jungfrukällan soll starken Einfluss auf The Last House on the Left gehabt haben). Man erfährt auch etwas über die schottische Familie Bean (Sawney: Flesh of Man / Lord of Darkness, 2012), die das Drehbuch inspiriert hat; warum Craven beschloss, einige der Charaktere nach Planeten zu benennen; wie Robert Houston durch Weinen an seine Rolle kam und warum sich das immer noch wunderschöne Damentrio mit großer Zuneigung an diesen Film erinnert. Zudem gibt Eric Saarinen noch ein tolles Zitat zum Low-Budget-Filmemachen ab: „Cheap, fast and good. You can have any two, but never all three.”

Die erneuten Sichtungen von Hügel der blutigen Augen stellten ein wahres Vergnügen dar, mit nur ein paar Vorbehalten. Man kann sich noch immer nicht in alle guten (?) Jungs einfühlen, während die Planetenfamilie einfach zu verrückt rüberkommt, um in der Lage zu sein die Bedrohung und den bloßen Terror anderer „Klassenkriegseinträge“ replizieren zu können. Für seine treue Fangemeinde ist The Hills Have Eyes nun durch diese Mediabook-Edition ein Genuss für Feinschmecker geworden.

Bonusmaterial:

  • 20-seitiges Booklet mit umfangreichem sowie informativem Text von Thorsten Hanisch The Hills Have Eyes – Das Monster in Dir
  • Audiokommentar von Autor/Regisseur Wes Craven und Produzent Peter Locke
  • Alternatives Ende (in Full-HD)*
  • Schnittmaterial vom Dreh
  • The Hills Have Eyes – Ein Blick zurück: Retrospektive Interview-Dokumentation mit den Stars und Machern des Films (54 Minuten)*
  • Trailer & TV-Spots
  • Trash Tube – Michael Berryman Interview*
  • The Hills Have Eyes 2 Trailer
  • *mit optionalen deutschen Untertiteln

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung: ‎Freigegeben ab 18 Jahren
  • Regisseur: ‎Craven, Wes
  • Medienformat: ‎4K, Breitbild
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 30 Minuten
  • Darsteller: ‎Wallace-Stone, Dee, Berryman, Michael, Lanier, Susan, Houston, Robert, Vincent, Virginia
  • Untertitel: Englisch, Deutsch
  • Sprache: ‎Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (DD 5.1 Surround), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
  • Studio: Turbine Classics

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Die Screenshots stammen nicht von dieser Edition !!!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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