Il mostro di Firenze / Night Ripper

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Florenz 1968. Ein unbekannter Schlitzer hat es auf eine Reihe von Liebespaaren abgesehen. Die Pärchen werden zuerst bestialisch getötet und danach im Genitalbereich verstümmelt. Ein Buchautor bemüht sich, in  das Wesen des Täters einzudringen, von dem er annimmt, dass er durch traumatische Kindheitserinnerungen geprägten Hass auf seine Eltern auslebt, während er sonst ein normales, gewöhnliches Leben führt. Die Polizei kann und will mit den Thesen des Autors nichts anfangen. Erste Ergebnisse der Ermittlungen deuten auf einen Sektenkult, schwarze Messen und sogar auf eine ganze Gruppe von Mördern hin. Ein in sich unschlüssiges Bild. Währenddessen meuchelt das Monster von Florenz unaufhaltsam weiter… (filmArt)

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Cesare Ferrarios Il mostro di Firenze aka Night Ripper von 1986 ist sicherlich kein italienisches Thriller-Highlight und auf jeden Fall nicht zu den besten Gialli zu zählen, aber der Film hat dennoch seine Momente und eine ganz eigene Qualität. Klar, Das Monster von Florenz ist manchmal ziemlich verwirrend, die Motivation des Mörders scheint schon ein wenig weit hergeholt und das Schauspiel ist definitiv nicht das beste, aber, soweit es mich betrifft, weiß dieser Streifen dennoch gut zu unterhalten. Dieser Spät-Giallo ist zuweilen ziemlich gruselig und obwohl er bestimmt nicht das Spannenste darstellt, was jemals auf die große Leinwand gebracht wurde, versprüht er zweifellos eine gewisse unheimliche Atmosphäre, die durch einen ziemlich coolen und passenden Score zusätzlich verstärkt wird.

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Mehrere grausame Morde an jungen Paaren wurden seit 1968 in der Umgebung von Florenz  begangen. Im Jahr 1985 ist diese Mordserie noch immer nicht zu einem Ende gekommen, während Schriftsteller Andreas Ackermann (Leonard Mann) ein Buch über die Verbrechen schreibt und deswegen versucht ein psychologisches Profil des mysteriösen Psychopathen zu erstellen… Hierfür kreiert er eine Figur, die so vorgeht, wie es der Killer getan haben könnte. Dies ermöglicht es der Geschichte einige der Morde zu zeigen, jedoch ohne Blut und unnötige Gewalt oder grafische Details. Außerdem kristallisiert sich durch Ackermanns phantasievolle Konstruktion des Charakters auch dessen Motivation für die schrecklichen Taten heraus. Nach des Schriftstellers Visionen muss der Täter ein mit seinem Familienleben eng verbundenes Kindheitstrauma erlitten haben, was zu dessen Perversion und Gewaltausbrüchen führte. Gegen Ende ersinnt Andreas sogar eine mögliche Gerichtsverhandlung, bevor uns Night Ripper in den letzten Einstellungen mitteilt, dass der Schlitzer nie gefasst werden konnte. Spätestens hier scheint der Film deutlich machen zu wollen, dass selbst wenn der Täter geschnappt worden wäre, es keine Gerechtigkeit hätte geben können ohne sein Verhalten genau zu untersuchen und bis ins Detail zu verstehen. Ein, meiner Meinung nach, schier unmögliches Unterfangen.

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Der Plot hält sich ganz bewußt mysteriös, was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass die Morde nie zufriedenstellend aufgeklärt werden konnten. Das Gesicht des Killers bekommt man beim Töten nicht zu sehen, auch nicht das des erfundenen Mörders. Manchmal verschwimmen die Gedanken Ackermanns mit scheinbaren Rückblenden, sodass man kaum einen Unterschied erkennen kann. Die Beleuchtung in den abgelegenen und/oder bewaldeten Gebieten, in denen die Verbrechen stattfinden, ist oftmals bemerkenswert, da nur ein Teil des Bildschirms hervorgehoben wird. Es scheint widersprüchlich eine Geschichte von solcher Brutalität in einer künstlerischen Art und Weise zu präsentieren, aber genau das ist es, was dieser Film (genauso wie viele Gialli) tut. Normalerweise sind Gialli fiktiv und desöfteren mit Horror- und/oder Erotikelementen in Verbindung mit dem Mysterium behaftet, was in diesem Fall größtenteils nicht zutrifft. Ich betrachte dies als eine aufrichtige künstlerische Bemühung um einen Kommentar zu den realen Ereignissen rund um das Monster von Florenz abzugeben.

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Leonard Mann ist wohl am besten für seine Rollen in Spaghetti-Western wie Seine Kugeln pfeiffen das Todeslied, Drei Amen für den Satan und Django – Die Nacht der langen Messer bekannt und obwohl er nie ein großer Schauspieler war, passt er hier sehr gut in die Rolle des Schriftstellers Andreas Ackermann. Auch Bettina Giovanini als seine schöne Freundin Giulia weiß zu gefallen. Die meisten anderen Auftritte in The Monster Of Florence sind eher vergessenwert, ausser natürlich der von Gabriele Tinti, aber ich habe im Genrekino auch schon wesentlich Schlimmeres gesehen. Die Geschichte ist zwar teilweise recht verwirrend, doch es gibt viele unheimliche und spannende Momente, die den Film nicht langweilig werden lassen. Wie oben bereits erwähnt, ist die Musik ziemlich passend und trägt enorm zur Atmosphäre bei. Alles in allem ist Il mostro di Firenze definitiv kein gewöhnlicher, konventioneller Giallo (u.a. auch, weil hier eine Beretta mehr zum Einsatz kommt als die obligatorische Rasierklinge) und in vielen Teilen, wie schon erwähnt, verwirrend aber ein unterhaltsamer Zeitvertreib ist der Film allemal. Liebhabern des italienischen Kinos und/oder Giallo Fans ist Night Ripper auf jeden Fall zu empfehlen.

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Night Ripper erscheint als #6 der filmArt Giallo Edition in einer DVD/BluRay-Combo, ist erstmals weltweit in High Definition erhältlich und auf 1000 Stück limitiert. Das Bild wird im 1,66:1 Format präsentiert und macht einen sehr guten Eindruck, während auch beim Ton kein Grund zur Beschwerde besteht. Hier kann man zwischen der italienischen und deutschen Spur wählen, die sich beide klasse hören lassen. Die deutsche Synchro ist zwar nicht soo der Hit aber ok. Möchte man sich den Film lieber im Originalton ansehen, so stehen deutsche und englische Untertitel zur Verfügung. Als Extras beinhaltet die Combo, neben dem Original-Trailer zum Film und weiteren Trailern der Giallo Edition, ein ausführliches Booklet (von Heiko Hartmann verfasst) über das echte „Monster von Florenz“, die damaligen Geschehnisse und den italienischen Justizirrtum, sowie eine alternative italienische Filmfassung in HD, die etwas kürzer und anders geschnitten ist. filmArt gelingt eine, wie bereits gewohnt, tolle Veröffentlichung eines, wohl eher zu Unrecht, wenig beachteten Films, der zwar weit von der Cream-of-the-Crop des Genres entfernt ist aber dennoch einen interessanten Beitrag zum (Spät-) Giallo darstellt.

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  • Darsteller: Leonard Mann, Bettina Giovannini, Gabriele Tinti
  • Regisseur(e): Cesare Ferrario
  • Format: Limited Edition, Widescreen
  • Sprache: Italienisch (DTS HD), Deutsch (DTS HD)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.66:1
  • FSK: Nicht geprüft
  • Studio: Media Target Distribution GmbH
  • Produktionsjahr: 1986
  • Spieldauer: 101 Minuten

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Die Screenshots sind von der DVD aufgenommen worden.

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Diese DVD/BluRay-Combo wurde uns freundlicherweise von filmArt zur Verfügung gestellt.

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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