Il profumo della signora in nero – Das Parfüm der Dame in Schwarz

Das Parfüm der Dame in Schwarz

Das Parfüm der Dame in Schwarz

Die junge Sylvia wird von rätselhaften Alpträumen heimgesucht, in denen unheilvolle Bilder des rätselhaften Todes ihrer Mutter auftauchen. Ihr Freund Roberto beginnt langsam sie für geistig verwirrt zu halten. Lediglich in ihrem Nachbarn, einem alten Herrn von nebenan, findet sie eine Art Vaterfigur. Sie beginnt sich immer häufiger in ihr Apartment zurück zu ziehen. Dort verspürt sie jedoch keine Sicherheit. Unheimliche Vorfälle häufen sich und ein erstes Todesopfer gibt es zu beklagen. Ist Sylvia in Gefahr? Eine unvorhersehbare Wendung wird alles verändern! Mit dieser Mischung aus Giallo und Horrorfilm schuf Regisseur Francesco Barilli eine echtes Meisterwerk, das als Geheimtipp unter den Sammlern gehandelt wird und bis hin zum Ende den Zuschauer über alles im Unklaren lässt. Das Parfüm der Dame in Schwarz wurde weltweit erstmalig in HD abgetastet und extra für diese Veröffentlichung mit einer deutschen Synchronisation versehen, die viele klassische Sprecher aus alten Tagen beinhaltet. (X-Rated)

Das Parfüm der Dame in Schwarz

Il Profumo Della Signora In Nero aka Das Parfüm der Dame in Schwarz (1974) ist ein Film, der unter den Italo-Kino-Liebhabern einen gewissen Kultstatus genießt. Lange Zeit wurde der Streifen als ein typischer Giallo klassifiziert, doch handelt es sich hier sehr viel eher um einen okkulten Psycho-Horror-Film. Die Tatsache, dass dieses wunderschön gefilmte Kult-Schmuckstück oftmals mit dem Giallo in Verbindung gebracht wird, ist wahrscheinlich dem atemberaubendem visuellen Stil geschuldet, der an viele Gialli der frühen 70er Jahre, wie die von Sergio Martino oder Dario Argento, erinnert. Sollte es einen Giallo geben, mit dem man Das Parfüm der Dame in Schwarz am besten vergleichen könnte, so ist das wohl Sergio Martinos Tutti I Colori Del Buio (All The Colors Of The Dark, 1972), doch auch dieser Film wird heutzutage nicht mehr in die Reihe der typischen Gialli eingeordnet. Die Ähnlichkeit liegt bei diesem Vergleich auch eher in der alptraumhaften Atmosphäre von sich entwickelndem Wahnsinn begründet, als in gialloaesken Elementen, wie beispielsweise die charakteristische Darstellung von Morden, oder das Geheimnis um die Identität des Mörders.

Das Parfüm der Dame in Schwarz

Einen psychopathischen Killer mit schwarzen Handschuhen wird man in The Perfume Of The Lady In Black nicht finden. Troy Howarth bezeichnet Il profumo della signora in nero als Borderline Giallo, was bedeutet, dass er den Film sowie einige andere nicht als „echte“ bzw. „klassische“ gialli einordnet („…in the eyes of the present writer—they do not qualify as true gialli.“). Weitere in diesem Zusammenhang von Howarth genannte Filme sind u.a.: The Frightened Woman (1969), The Cold Eyes of Fear (1971), Love and Death in the Garden of the Gods (1971), The Short Night of Glass Dolls (1971), La Gatta in Calore (1972), Death Smiles on a Murderer (1973), Mania (1973), Sex of the Witch (1973), Testa giù, gambe in aria (1973), The Truth According to Satan (1973), Love and Death on the Edge of a Razor (1973), Il Corpo (1974), The Killers Are Our Guests (1974), The Perfume of the Lady in Black (1974), So Young, So Lovely, So Vicious (1975), Perché si uccidono (1976), Double Murder (1977), Eyes Behind the Wall (1977).
(So Deadly … So Perverse Seite 38-39)

Das Parfüm der Dame in Schwarz

Wie der krimi, muss sich auch der giallo den Vorgaben der kartesischen Logik unterwerfen, egal wie barock die Aufklärung des Verbrechens auch sein mag. Die meisten dieser Filme vermeiden es ganz bewusst eine übernatürliche Erklärung für die Delikte zu Gunsten einer rationelleren zu präsentieren. Übernatürliche Elemente mögen als Begründung für die Morde angegeben werden (wie in Crispinos Autopsy), der Mörder ist jedoch immer menschlich. Nimmt man die exploitativen Aspekte der Kriminalliteratur etwas genauer unter die Lupe, nämlich die grafische Darstellung von Gewalt und Mord, werden diese giallo Filme oft direkt mit dem Horror-Genre verbunden, obwohl die Beteiligung irgendeiner übernatürlichen Kraft fehlt. Es existiert allerdings eine kleine Zahl von gialli-artigen Filmen, die von der visuellen Rhetorik des giallo übernehmen, diese Rhetorik aber im Zusammenhang eines eher traditionellen übernatürlichen Horrorfilms verorten. Kim Newman deklariert diese Filme auf eine sehr angemessene Art und Weise als giallo-fantastico (vgl. Newman, 1986a, Seite 23). Das wahrscheinlich beste Beispiel für diesen filone ist Dario Argentos Phenomena (1985), worin dem traditionell gekleideten giallo Killer von dem traditionellen Amateur-Detektiv nachgespürt wird. Der ist in diesem Film die junge Jennifer (Jennifer Connelly), die telepathisch mit Insekten kommunizieren kann und durch diese Fähigkeit in der Lage ist den Mörder ausfindig zu machen. Maitland McDonagh bezeichnet Phenomena als einen giallo mit paranormalen, wenn nicht sogar phantastischen Grundlagen (vgl. McDonagh, 1994, Seite 187). Mario Bavas Operazione paura (Die toten Augen des Dr. Dracula, 1966) konstituiert einen typischen Conan Doyle „murder-mystery“ Plot, in dem der Detektiv versucht zu widerlegen, dass eine Reihe von Selbstmorden durch die Begegnung mit einem Geist ausgelöst wurde. Doch der Geist eines jungen Mädchens sucht tatsächlich ein deutsches Dorf heim und zwingt jeden, der sie zu Gesicht bekommt, sich selbst umzubringen. Eine „Mörder-Katze“ treibt in Lucio Fulcis Il gatto nero (The Black Cat, 1981) ihr Unwesen, trotz aller giallo Anleihen. Wohingegen Sergio Martinos Tutti i colori del buio (Die Farben der Nacht, 1972) viele giallo Merkmale für sich in Anspruch nimmt (speziell die Kleidung des Mörders und die Thematiken von Ehebruch, Erpressung und Mord) und diese in eine Geschichte über einen Hexenkult einbettet. Hexen und giallo Mörder spielen auch in José Mariá Elorrietas Las amantes del diablo (Tanz des Satans, 1971) und Riccardo Fredas Follia omicida / L’Obssesione che uccide (Murder Obsession / The Wailing, 1981) eine gewichtige Rolle, während Aldo Lados La corta notte delle bambole di vetro (Malastrana, 1971) von einem satanischen Sex-Kult handelt.

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Peter Scheinpflug differenziert in diesem Zusammenhang den Giallo-Gothic-Horror-Hybriden mit übernatürlichen Phänomenen wie die oben genannten, hier giallo fantastico, noch etwas strenger, indem er Filme, „die das Gothic-Horror-Narrativ nachträglich als Plot in einem Giallo-Narrativ demaskieren“ wie Riccardo Fredas Lo spettro (The Ghost, 1963), Emilio Miraglias La notte che Evelyn uscì dalla tomba (Die Grotte der lebenden Leichen, 1971), La morte negli occhi del gatto (Sieben Tote in den Augen der Katze, 1973), La dama rossa uccide sette volte (The Red Queen Kills 7 Times, 1972) oder Il profumo della signora in nero (The Perfume of the Lady in Black, 1974) als giallo pseudofantastico deklariert (vgl. Scheinpflug, 2014, Seite 16-17; 152-154: Genre-Mixing und Genre-Hybridität).

Das Parfüm der Dame in Schwarz

Einen Psycho-Mörder im Stile des klassischen Giallo gibt es in Das Parfüm der Dame in Schwarz also nicht zu sehen, dafür bekommt man in dieser bizarren, manchmal auch verwirrenden Perle aber filmische Schönheit, wohldosierten Grusel, eine beklemmende Atmosphäre und vollkommenen Wahnsinn präsentiert. Sollte der Film eine Schwäche haben, so ist das höchstens, weil er zuweilen doch etwas sehr verwirren kann und nicht immer absoluten Sinn ergibt. Allerdings lässt die Obskurität und Surrealität des Streifens das leicht vergessen. Mimsy Farmer brilliert wieder einmal in ihrer Rolle als Sylvia. Farmer ist wohl am ehesten aus Filmen wie Macchie Solaris Autospsy (1975), Dario Argentos Vier Fliegen auf grauem Samt (1971) und diesem hier bekannt. Neben ihrem enorm attraktiven Äußeren kann sie noch ein großartiges Talent, nämlich Frauen an der Schwelle zur geistigen Instabilität hervorragend darzustellen, aufbieten und wieder gibt sie eine bemerkenswerte Vorstellung.

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Die anderen Schauspieler agieren ebenfalls allesamt sehr gut, besonders erinnerungswürdig sind als älterer, freundlicher Nachbar Mario Scaccia und Orazio Orlando als ein wirklich schmieriger Drecksack. Das Wort Wunderschön wird oft benutzt, um diesen Film zu beschreiben und das aus verständlichen Gründen (wenigstens aufgrund des visuellen Stils). Dies muss einer der optisch ansprechendsten italienischen Horror Filme von Anfang / Mitte der 70er Jahre sein und das will etwas heißen, denn die Kombination des Genres, des Herkunftslandes und des Entstehungszeitraums trägt unzählige Filme, die visuell frappant sind. Die Fotografie ist so beeindruckend wie die Schauplätze, während die vielen okkulten Elemente sehr zweckmäßig eingesetzt werden. Die Partitur von Nicola Piovani ist wirklich großartig und trägt maßgeblich zu der melancholischen bis gruseligen Atmosphäre des Films bei. Das Parfüm der Dame in Schwarz ist ein frostig beklemmender Film mit einer brillanten Hauptdarstellerin. Wunderschön fotografiert und zugleich exzellent schauerlich inszeniert, ist dieses elegante und obskure Kult-Schmuckstück des filone giallo-pseudofantastico für jeden Fan des italienischen Horror-Films mehr als zu empfehlen.

Das Parfüm der Dame in Schwarz

Das Parfüm der Dame in Schwarz erscheint als Nummer 16 der X-Rated-Eurocult-Collection im Mediabook (DVD+Bluray) mit zwei verschiedenen Covern (Cover A limitiert und durchnummeriert auf 888 Stück, Cover B limitiert und durchnummeriert auf 444 Stück). X-Rated beschert dem Film eine weltweite HD-Premiere, die zusätzlich auch erstmalig in deutscher Sprache (!) erhältlich ist. Bild und Ton bewegen sich auf hohem Niveau, da kann man mehr als zufrieden sein. Das Highlight der Extras ist wieder einmal der Audiokommentar von Dr. Marcus Stiglegger, der die Bedeutung dieses Filmes, seine Vergleiche zu Polanski und Suspiria und die Analyse darüber, warum dieser Film eine Mischung aus Giallo und Horrorfilm ist, darstellt. Auch das Booklet mit 16 Seiten und den Beiträgen „Wer sind die netten Leute von nebenan“ von Christian Kessler, sowie „Das Parfüm der Dame in Schwarz – ein dreifaches Jubiläum“ von Andreas Bethmann ist enorm lesenswert. Die weiteren Boni bestehen aus dem deutschen und englischen Trailer, dem englischen Vor- und Abspann, einem informativen und unterhaltsamen Interview mit Regisseur Francesco Barilli über die Entstehung dieses Filmes, die Auswahl der Schauspieler, den Produktionsumständen und dem ursprünglichen Drehbuch, sowie den visuellen Audiotracks „Mimsy“ und „Il profumo“. Die italienische Originalfassung kann man mit der deutschen und englischen Übersetzung untertiteln und wäre das nicht schon genug, so kann man sich auch eine Videoeinleitung von Bodo Traber (Autor Dialogbuch) und Gerd Naumann (Aufnahmeleitung), über die Bedeutung der deutschen Fassung und seiner besonderen Synchronsprecher für diesen Film, anschauen.

Das Parfüm der Dame in Schwarz

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Das Parfüm der Dame in Schwarz

  • Darsteller: Mimsy Farmer, Maurizio Bonuglia, Aldo Valletti, Mario Scaccia, Jho Jhenkins
  • Regisseur(e): Francesco Barilli
  • Format: Limited Edition
  • Sprache: Italienisch (DD), Deutsch (DD), Englisch (DD)
  • Untertitel: Deutsch
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • FSK: Nicht geprüft
  • Studio: X-Rated
  • Produktionsjahr: 1974
  • Spieldauer: 104 Minuten

Das Parfüm der Dame in Schwarz

„2016 startet das Label X-Rated seinen 20. Jahrgang. Einen besseren Opener als Parfüm hätte es schwerlich geben können“. Andreas Bethmann

Das Parfüm der Dame in Schwarz

„Es gibt immer wieder Filme, wo ich mich als analytischer Kommentator extrem freue. Und gerade dieser Film, der zum ersten Mal in deutscher Sprache vorliegt und hoffentlich auch ein verdientes größeres Publikum findet, galt bisher seit 1974 eher als Geheimtipp“
Dr. Marcus Stiglegger

Dieses Mediabook wurde uns freundlicherweise von X-Rated zur Verfügung gestellt. Die Screenshots sind nicht von dieser VÖ aufgenommen worden.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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1 Antwort

  1. Thorsten Strahmann sagt:

    Sehr, sehr schöne Rezession eines sehr, sehr schönen Filmes!