Il trucido e lo sbirro / Das Schlitzohr und der Bulle

Polizio

In Rom wird die Arbeit der Polizei von der Presse heftig kritisiert. Die Millionärstochter Camilla wurde von dem Gangsterboss Brescianelli entführt und die Polizei kann bei der Suche keine Erfolge vermelden. Commissario Sarti will das kleine Mädchen retten und hat wenig Zeit. Camilla hat eine schwere Nierenkrankheit und benötigt dringend eine Dialyse. Brescianelli soll nach einer Gesichtsoperation nicht mehr wiederzuerkennen sein. Schlechte Aussichten für die Polizei, doch Sarti hat eine ungewöhnliche Idee: In einem römischen Gefängnis sitzen die Häftlinge zusammen beim Kino. Das Personal und die Insassen sind abgelenkt. Commissario Sarti nutzt diesen Moment um den stadtbekannten Dieb Monnezza zu entführen. Sarti will mit der Hilfe Monnezzas die Entführung der kleinen Camilla aufklären und Brescianelli fassen. Das Vorhaben glückt aber Monnezza hat zuerst überhaupt kein Interesse bei dem Plan von Sarti mitzumachen. Doch Sarti lockt mit Hafterleichterungen und einer Verkürzung der Haftzeit. Bei einem Zugüberfall  der Ferrovie dello Stato wurden die Täter Vallelunga, Calabrese und Mario von der Polizei frühzeitig entdeckt, jedoch gelingt den drei Tätern die Flucht. Monnezza nimmt nun mit ihnen Kontakt auf und verbreitet das Gerücht, Brescianelli hätte ihren Coup an die Polizei verraten. Die Truppe will sich an Brescianelli rächen und arbeitet jetzt mit Sarti und Monnezza zusammen. Durch Recherche in der Unterwelt finden sie das Versteck von Brescianelli und dem Entführungsopfer heraus und überraschen die Gangster gemeinsam, wobei mehrere von Brescianellis Leuten in einem Schusswechsel sterben. Doch Brescianelli und das Mädchen Camilla sind nicht aufzufinden. Brescianelli will Monnezza einen Denkzettel verpassen und Monnezzas Bruder töten. In der örtlichen Milchfabrik taucht er mit seinen Leuten auf. Durch Zufall wird statt Monnezzas Bruder ein Arbeitskollege getötet. Durch einen weiteren Zufall entdeckt Calabrese, dass Sarti ein Polizist ist. Monnezza kann jedoch die Situation entschärfen. Sarti bringt in Erfahrung, dass man über den „Franzosen“ näheres über Brescianelli erfahren könnte. Dieser ist jedoch mittlerweile in Haft. Monnezza und Sarti verschaffen sich durch geschickte Finten Zugang zu dem Franzosen. Dieser berichtet ihnen, dass Brescianellis Freundin Mara in der Stadt ist. Monnezza und Sarti gelingt es, Mara in ihrer Wohnung festzusetzen. Nun müssen sie nur noch auf das Auftauchen von Breschianelli warten. Am Ende gelingt es Sarti und seinen Männern das neue Versteck von Brescianelli zu finden. Hier kommt es zu schweren Kämpfen. Sarti gelingt es Camilla zu befreien. Mario, Calabrese, Brescianelli und seine Männer sterben bei den Gefechten.

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Schon die Eröffnungssquenz beweist, dass Umberto Lenzi über einen „verspielten“ Sinn für Humor verfügt. Wahrscheinlich wird man sich zunächst einmal versichern, ob man den richtigen Film eingelegt hat, denn der beginnt mit einer typischen Spaghetti-Western Szene: Eine Horde wilder Cowboys reitet in ein kleines Dorf ein. Ist das hier ein Western und kein Poliziotteschi???  Bei Umberto Lenzi kann man nie so genau wissen und Tomas Milian mischt ja auch noch mit… Jeglicher Zweifel verschwindet aber sofort nach den Credits und natürlich handelt es sich bei Il trucido e lo sbirro um einen Polizei- und Gangsterfilm, also doch einen waschechten Poliziotteschi. Das irreführende Intro ist einmal mehr ein Indiz dafür, dass Lenzi ein äußerst begabter Filmemacher ist, der es versteht die volle Aufmerksamkeit des Publikums sofort an sich zu reißen. Das Schlitzohr und der Bulle ist ein weiteres wildes, kleines, fieses und gut geschriebenes 70’s Euro-Cult Kino Glanzlicht mit herrlich bösen Dialogen und Aktionsequenzen, die unter Italiens besten einzuordnen sind. Man könnte eventuell sogar behaupten dieser Film befindet sich auf Augenhöhe mit Lenzis berühmtesten Kriminalthrillern Milano odia: la polizia non può sparare aka Der Berserker und Napoli violenta.

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Tomas Milian verkörpert den witzigen und ausgebufften Kriminellen Sergio Marazzi, der unter seinen Freunden sowie seinen Feinden nur als „Monnezza“ (wir treffen ihn u.a. in La Banda del Gobbo aka Die Kröte wieder) bekannt ist, unglaublich charismatisch. Damit Monnezza dem unorthodoxen Kommisar Sarti (Claudio Cassinelli) mit seinen kriminellen Fähigkeiten und seiner Erfahrung bei polizeilichen Ermittlungen helfen kann, wird er aus dem Gefängnis „entführt“, als sich die Insassen gerade Gli fumavano le colt… lo chiamavano Camposanto! aka Ein Halleluja für Camposanto von Giuliano Carnimeo anschauen. Das ungleiche Paar muss dringend ein entführtes, junges Mädchen aus den Klauen von Gangsterboss Brescianelli (Henry Silva) befreien, weil das Mädchen an einer schweren Nierenerkrankung leidet und ohne regelmäßige medizinische Betreuung eine „Todgeweihte“ ist. Monnezza gelingt es drei weitere gesuchte Verbrecher zu rekrutieren und die Suche nach Brescianelli kann beginnen. Dabei haben sie allerdings ein „kleines“ Problem, denn der Oberschurke hat sein Gesicht mit Hilfe plastischer Chirurgie verändern lassen, sodass niemand weiss wie er nun aussieht.

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Il trucido e lo sbirro enthält etwas weniger virulente Schiessereien und wilde Verfolgungsjagden als man erwarten würde (dennoch sind diese natürlich vorhanden und gut in Szene gesetzt worden) aber dies wird durch freche, intelligente Dialoge und eine kontinuierlich anarchistische Atmosphäre mehr als kompensiert.  Im Gegensatz zu anderen Lenzi Poliziotteschi-Flicks spielt dieser Film nicht in einer italienischen Metropole, da sich ein Großteil der Handlung in ländlichen Dörfern und verlassenen Industriegebäuden abspielt. Tomas Milian und Henry Silva sind beide brillant in ihren Rollen, ähnlich wie in Der Berserker, ihrer früheren Zusammenarbeit mit Umberto Lenzi. Wer schon etwas mit dem italienischen Kultkino vertraut ist wird auf jeden Fall auch noch einige bekannte Gesichter aus vielen weiteren Genrefilmen wie z.B. Luciano Rossi, Nicoletta Machiavelli, Claudio Undari, Dana Ghia und Biagio Pelligra wiedererkennen, auch wenn sie teilweise nur sehr kleine Rollen innehaben. Der Klimax ist excellent inszeniert und recht fies, die Musik wirklich passend und gelungen und sowohl die Kameraarbeit als auch das Editing werden mit viel Professionalität gehandhabt. Dies ist hier ist kein weiterer schmutziger und vergessenswerterLenziQuickie, sondern ein solides und unvergessliches Lenzi Highlight auf dem Gebiet des Poliziotteschi!

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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