Im Dutzend zur Hölle / Il consigliori / The Counsellor

Die „Familie“ verlässt man nicht. Das ungeschriebene Mafia-Gesetz bekommt auch Don Antonio zu spüren. Der Syndikatsboss von San Francisco hat den Ausstieg seines Ziehsohns Thomas abgenickt. Frisch aus der Haft entlassen, träumt Thomas von einem normalen Leben in Freiheit…mit Familie. Die Mitglieder des Syndikats sehen darin jedoch die einmalige Gelegenheit, Don Antonio und Thomas für den Bruch ihrer Ideale für immer zu beseitigen. Die ersten Anschläge lassen nicht lange auf sich warten. Don Antonio und Thomas bleibt keine Wahl: Gewalt gegen Gewalt. Sie müssen erneut gemeinsam zu den Waffen greifen um dem blutigen Treiben ihrer „Familienmitglieder“ Einhalt zu gebieten. (filmArt)

Kurzinhalt inkl. Spoiler !!!

San Francisco. Mafia-Boss Don Antonio Macaluso (Martin Balsam) setzt ein Kopfgeld auf Torrese (ein Gangmitglied, das zu viel redet) aus. Als Torrese verhaftet wird, bekommt Macalusos rechte Hand Vincent Garofalo (Francisco Rabal) den Auftrag ihn zu entsorgen. Torrese wird im Gefängnis vom korrupten Polizisten Sergeant Dieterle (Ray K. Goman) umgebracht, doch Macaluso ist damit nicht zufrieden. Unterdessen wird Don Antonios Patensohn, der junge Anwalt Thomas Accardo (Tomas Milian), nach zweijähriger Haft aus dem Gefängnis entlassen. Thomas, der in Laura Murchison (Dagmar Lassander) verliebt ist, will aus der „Familie“ aussteigen und ein ehrliches Leben führen – was gegen die Regeln der Unterwelt verstößt. Eifersüchtig auf Don Antonios Zuneigung zu Thomas beginnt Garofalo einen Krieg gegen seinen eigenen Boss. Don Antonio gelingt es dem Tod zu entkommen, während seine Gorillas umgebracht werden. Nachdem Garofalo versucht hat, nun auch ihn und Laura über die Wupper zu schicken, kehrt Thomas von Albuquerque nach San Francisco zurück, um Macaluso behilflich zu sein Garofalo auszuschalten. Mit der Hilfe von Don Antonios älterem Kompagnon Don Michele Villabate (Carlo Tamberlani) überleben Macaluso und Accardo einen Hinterhalt und reisen dann nach Sizilien, um den örtlichen Chef Don Calogero Vezza (Eduardo Fajardo) um Hilfe zu bitten. Allerdings werden sie von Garofalo verfolgt, wobei dessen Männer von ihren Kontrahenten ausgeschaltet werden können. Thomas erschießt Garofalo, wird bei dem Schusswechsel jedoch tödlich verwundet.

Im Dutzend zur Hölle ist ein harter Mafiafilm mit Euro-Crime Veteran Martin Balsam, der diesmal Don Antonio Macaluso (in der deutschen Sprachfassung komischerweise Don Maggadino), einen einflussreichen Mafiaboss in San Francisco, spielt. Sein Consigliori (Rechtsanwalt/Berater) wird vom ebenso legendären Tomas Milian dargestellt, der erst vor kurzem eine Gefängnisstrafe abgesessen hat und – obwohl er sich sehr freut seinen Don wiederzusehen – beschließt fortan ein ehrliches Leben zu führen. Unnötig zu erwähnen, dass Macaluso dies nicht billigen kann, ihm aber widerwillig erlaubt seinen eigenen Weg zu gehen. Normalerweise lässt der Don Abtrünnige liquidieren. Eine Weile später zettelt der Mafioso Garafolo (Francisco Rabal) einen blutigen Bandenkrieg an, da er mit seinem Status quo unzufrieden ist und seine eigene Mafia-Familie etablieren möchte. Der Consigiliori kann es nicht ertragen mit anzusehen wie sein Don droht unterzugehen und bewaffnet sich bis an die Zähne, um die Ehre seiner Familia zu verteidigen. Im Dutzend zur Hölle braucht ein wenig Zeit, um in Fahrt zu kommen, doch dann bekommt man alle Elemente, die einen Poliziesco ausmachen, sowie viele „Mafia-Rituale“ präsentiert; darunter geheime Zusammenkünfte in „neutralen“ Restaurants, einige Schießereien, zwei aufregende Verfolgungsjagden und selbstverständlich ein obligatorisches Rache-Blutbad.

Im Vergleich zum vorherigen Film des Regisseurs I familiari delle vittime non saranno avvertiti (Der Mafia-Boss, 1972) orientiert sich Alberto De Martinos Im Dutzend zur Hölle viel deutlicher an Francis Ford Coppolas Der Pate (1972). Dank US-Kulisse, klasse Besetzung und recht gut choreographierten Actionsequenzen kommt Im Dutzend zur Hölle oftmals wie ein solider amerikanischer B-Film rüber. Tomas Milian (in einem seiner letzten Auftritte mit rasiertem Gesicht, bevor Bart und Perücken zu einem festen Bestandteil seiner Rollen werden sollten) spielt seinen Part (der ursprünglich für Antonio Sabato vorgesehen war) so gut wie von ihm gewohnt, weswegen Milian und De Martino beim zweiten Teil der Provvidenza Comedy-Westernserie (Ci risiamo, vero Provvidenza? / Here We Go Again, Eh Providence?, 1973) mit Milian als Charlie-Chaplin-Doppelgänger wieder zusammenarbeiten würden. Neben den schauspielerischen Leistungen ist vor allem Aristide Massaccesis Kameraarbeit hervorzuheben.

Die Beziehung zwischen dem gewohnt souverän agierenden Balsam und Tomas Milian in einer ruhigeren Rolle wurde hervorragend realisiert. In kleineren Rollen sind die Euro-Cult Altgedienten Dagmar Lassander (wird allerdings als Milians Freundin ziemlich verschwendet), Edoardo Fajardo (als ein sizilianischer Mafioso) und Nello Pazzafini (als kleiner Handlanger) zu sehen. Die Stadt San Francisco kommt ebenso gut zur Geltung wie das ländliche Sizilien, das den Schauplatz für ein wirklich mitreißendes Finale bietet. Vor allem der Showdown während einer religiösen Prozession in Palermo sticht dabei hervor. Auch die Schlussszene im Auto ist als beeindruckend zu bezeichnen, da Accardo so tut, als würde es ihm gut gehen, während er an einer Schusswunde im Bauch zu Grunde geht und Macaluso es nicht einmal bemerkt, da er zu sehr damit beschäftigt ist sein Comeback als San Franciscos Hauptboss zu planen. Riz Ortolani steuert einen feinen Soundtrack bei, während sich Alberto De Martino wieder einmal als ein fähiger Regisseur von exploitativem Material erweist. Im Dutzend zur Hölle ist ein absolutes Muss für Mafia-Film und Euro-Crime Liebhaber.

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Seitenverhältnis: ‎16:9 – 2.35:1
Alterseinstufung: ‎Freigegeben ab 18 Jahren
Regisseur:‎ de Martino, Alberto
Medienformat: ‎Breitbild
Laufzeit: ‎1 Stunde und 42 Minuten
Darsteller: Balsam, Martin, Milian, Tomas, Rabal, Francisco, Lassander, Dagmar, Pazzafini, Nello
Untertitel: ‎Deutsch
Sprache: ‎Italienisch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Studio: filmArt

filmArt bringt Im Dutzend zur Hölle – nach der DVD-Edition von 2015 (siehe unten) – nun auch auf Blu-ray heraus. Bild- und Tonqualität gestalten sich im Vergleich zur DVD deutlich verbessert. Das Bild wird uns im Originalformat 2.35:1/16:9 präsentiert und ist so gut wie frei von Bildschäden. Auch Schärfe und Kontrast können gefallen. Bei den Audiospuren kann man neben der deutschen und der englischen nun auch die italienische anwählen. Alle drei Spuren klingen zufriedenstellend gut. Deutsche Untertitel können wahlweise zugeschaltet werden. Die Extras beinhalten diesmal einen englischen Trailer zum Film sowie eine Bildergalerie.

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Mit der Nummer sieben ihrer Polizieschi Edition Im Dutzend zur Hölle ist es filmArt wieder einmal gelungen ein beinahe vergessenes, kleines Juwel des Genres zu veröffentlichen. Der Film ist zwar kein Meilenstein des Poliziesco, zählt aber sicherlich zu den besseren Vertretern des Genres. Die technischen Daten wissen auch zu überzeugen, befinden sich allerdings nicht auf aller höchstem Niveau. Ich denke jedoch es wurde das Beste aus dem vorhandenen Ausgangsmaterial herausgeholt, so wie man es vom Label gewohnt ist. Dem Bild merkt man sein Alter schon an, doch mehr als brauchbar ist es alle Mal zu bezeichnen. Die beiden Tonspuren (deutsch, englisch) klingen gut, auch wenn es im Hintergrund zuweilen ganz leicht rauscht. Wirklich gestört hat mich das allerdings nicht. Absolute Kaufempfehlung!

Extras und Besonderheiten:

– Booklet über Alberto De Martino von Ulrich Köhler und Gerald Kuklinski
– Polizieschi Edition Trailershow
– Bildergalerie mit dem kompletten deutschen Kinoaushang
– Deutsche DVD-Premiere!
– Komplett ungeschnittene Fassung!
– DVD Weltpremiere!
– Die volle Breite! Seit der Uraufführung erstmals wieder im originalen Cinemascope-Format!
– Limitiert auf 1.000Stk!

Die Screenshots stammen von der DVD !!!

Die Scheiben wurden uns freundlicherweise von filmArt zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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