Im Sumpf des Grauens / The Alligator People

Als Paul Webster auf der Hochzeitsreise einfach verschwindet, begibt sich seine Frau Joyce auf die Suche. Ihre Nachforschungen führen sie tief in die Sümpfe Louisianas, wo sie auf einem abgelegenen Anwesen versucht, das Geheimnis um ihren Mann zu lösen. Sie trifft dort auf Dr. Sinclair, der mit seltsamen Experimenten beschäftigt ist und der auch Paul nach einer schweren Kriegsverletzung behandelt hat. Doch es wird deutlich, dass Dr. Sinclairs Forschungen nicht die wissenschaftliche Entdeckung hervorbrachten, die er sich erhoffte. Seine Idee, die selbstheilenden Kräfte einiger Reptilien zum Wohl der Menschheit zu nutzen, führt geradewegs in die Katastrophe, bei der sich Pauls Verwandlung in eine unmenschliche Kreatur nicht mehr aufhalten lässt. (Anolis Entertainment)

Die Fliege war 1958 ein großer Hit für 20th Century Fox gewesen und so nur natürlich, dass das Studio mehr CinemaScope Science-Fiction, in diesem Fall den Low-Budget und Schwarz-Weiß-Film The Alligator People, folgen ließ. Beverly Garland war zu diesem Zeitpunkt schon ein bekanntes Gesicht in Monster-Filmen der Kategorie B, wobei sie in beinahe Allem von Ewald André Duponts The Neanderthal Man (1953) bis zu Roger Cormans It conquered the World (1956) auftrat und hier perfekt als die Heldin besetzt ist. Bei dem anderen großen Genre-Star des Films handelt es sich um Lon Chaney Jr. (Die Schreckenskammer des Dr. Thosti, 1956 / Die Folterkammer des Hexenjägers, 1963 / Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein, 1971) der zu dieser Zeit seiner Karriere bereits körperlich stark angeschlagen war und größtenteils als der mürrisch knurrige Nebendarsteller gesehen wurde, während sein Hauptrollen-Status längst hinter ihm lag.

Krankenschwester Jane Marvin (Garland) eröffnet unter Hypnose, dass ihr richtiger Name Joyce Webster ist und erzählt eine unglaubliche Geschichte, die der Film in Rückblenden entfaltet. Während der Flitterwochen mit ihrem Ehemann, dem Kriegsveteran Paul Webster (Richard Crane), empfängt der ein Telegramm, das ihn dazu bringt, aus dem Zug zu steigen und zu verschwinden. Sie versucht seiner Spur zu folgen und landet letztendlich auf einer Plantagenvilla in den Bayou-Sümpfen von Louisianna, wo sie von der Besitzerin Lavinia Hawthorne (Frieda Inescort aus The Return of the Vampire, 1943) nicht gerade willkommen geheißen wird. Joyce beharrt jedoch darauf bleiben zu dürfen und entdeckt bald ihren Mann, dessen Gesicht lederartig und skaliert aussieht, wie er in einen Trenchcoat gekleidet im Herrenhaus umherstreift. Es stellt sich heraus, dass Paul eines der Opfer eines fürchterlichen Flugzeugabsturzes gewesen ist, wobei ein Großteil seines Körpers verbrannte und kaum ein Knochen heil blieb. Bei dem Versuch ihm eine vollständige Genesung angedeihen zu lassen, experimentiert der Wissenschaftler Dr. Sinclair mit einer speziellen Regenerationsformel, die von Alligatoren extrahiert wurde, doch leider verwandeln ihn die Ergebnisse langsam in ein Reptil.

Im Sumpf des Grauens legt ein sehr gemächliches Tempo vor, während die grundlegende Geschichte eines gescheiterten Experiments und dem Mann, der versucht, das scheußliche Ergebnis vor seiner geliebten Frau zu verbergen, bereits in dem oben erwähnten Die Fliege ein Jahr vorher verwendet wurde. Obwohl das Make-up der echsenhäutigen „Versuchskaninchen“ (die frühe Arbeit des brillanten Dick Smith) ziemlich wirksam ist, wirkt der vollwertige „Alligator-Mann“ recht lächerlich, vor allem, als er mit einem echten Alligator kämpft. Trotzdem weiß der Film mit seiner gotischen Darstellung von Louisianas düsteren Sumpfgebieten, die hauptsächlich von Alligatoren und Schlangen bewohnt werden, eine tolle Atmosphäre zu bieten. Mit seiner wenig überzeugenden Hakenhand (das Ergebnis eines Alligatorenangriffs) spielt Lon Chaney Jr. den Krawallburschen und Alligator-Hasser Manon, der in einer Hütte lebt und aus dem Abknallen von Reptilien ein Hobby gemacht hat. Er ist ständig betrunken und versucht sogar Joyce zu vergewaltigen – als ihm das jedoch nicht gelingt, verpasst er ihr einen linken Haken! Chaneys Gebrüll: „Ich werde dich töten Alligator-Man, so wie ich alle vierbeinigen Alligatoren töte“ hat sich in fragwürdigem Ruhm bei den Fans niedergeschlagen und kennzeichnet auch den Trailer. Der große Charakterdarsteller George Macready (The Return of Count Yorga / Die sieben Pranken des Satans, 1971) ist als der wohlmeinende Wissenschaftler, der für das ganze Durcheinander verantwortlich ist, genauso mit von der Partie wie der ehemalige Tarzan der 30er Jahre Bruce Bennett, der zwar Top-Credits erhielt, allerdings nur kurz als Arzt zu sehen ist, der Joyces Hypnose analysiert.

Anolis Entertainment bringt Im Sumpf des Grauens im Rahmen ihrer Die Rache der Galerie des Grauens Reihe als Nummer 05 in einer BluRay / DVD-Edition heraus und leistet damit, wie immer, tolle Arbeit. Das Bild präsentiert sich im 2.35:1 / 16:9 Format und sieht absolut klasse aus. Es sind zwar noch einige kleine Schmutzpartikel vorhanden, doch das Schwarz-Weiß-Bild präsentiert sich sehr gut restauriert, enorm scharf und wunderbar detail- und kontrastreich. Beim Ton kann man zwischen den Sprachen Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono) und Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono) wählen, wobei deutsche Untertitel zugeschaltbar sind. Außerdem gibt es neben dem amerikanischen Kinotrailer und einer Bildergalerie noch das 16-seitige Booklet, geschrieben von Ingo Strecker, zu bestaunen. Die Audiokommentare mit Bodo Traber, Ingo Strecker und Alexander Iffländer sowie mit Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Ivo Scheloske müssen mal wieder als Höhepunkte der Veröffentlichung gewertet werden, versorgen sie den geneigten Zuschauer doch mit einer Fülle an interessanten Informationen über den Film und die Erstellung der deutschen Synchronisation. Fans der Galerie des Grauens Reihen werden mit Sicherheit Spaß an The Alligator People haben.

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  • Darsteller: Beverly Garland, Bruce Bennett, Lon Chaney, George MacReady
  • Regisseur(e): Roy Del Ruth
  • Format: Limited Edition, Widescreen
  • Sprache: Deutsch (DTS 2.0 Mono), Englisch (DTS 2.0 Mono)
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: Anolis Entertainment
  • Produktionsjahr: 1959
  • Spieldauer: 75 Minuten

Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Anolis Entertainment zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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