In Vitro – Angriff der Mutanten / Hideous!

Dr. Lorca pflegt ein exzentrisches Hobby: Mit Vorliebe sammelt er Abartigkeiten und menschliche Freaks. Diese erwirbt er in der Regel von Belinda Yosts kleiner Firma „Gesellschaft für anatomische Spezialexemplare“. Doch als ein besonders widerliches Einzelstück aus einer Kläranlage auftaucht, verhökert sie diesen Kadaver an Dr. Lorcas Konkurrenten Napoleon Lazar, um einen besseren Schnitt zu machen. Als Dr. Lorca davon erfährt, hetzt er kurzerhand seine Assistentin auf Lazar, die diesem das außergewöhnliche Exemplar gewaltsam entwendet. Doch der rechtmäßige Besitzer will die Kreatur zurück. Der Zusammenprall der beiden Sammler nimmt eine überraschende Wendung, als das Monster plötzlich zum Leben erwacht und eine blutrünstige Armee widerlicher Freaks reanimiert, die alle nur eines wollen – Rache! (Wicked-Vision)

Hideous! fällt in diese seltsame Kategorie von Filmen, die es schaffen unterhaltsam zu sein, trotz einer überwältigenden Anzahl von dummen Entscheidungen, die ansonsten einem verabscheuenswerten Film gleichkommen würden. Man könnte argumentieren Charles Band sei ein Meister solcher „Heldentaten“. Anscheinend lief der Streifen nicht so gut, wie es Full Moon gerne gehabt hätte, da es nie zu einer Fortsetzung kam, dabei war es offensichtlich, dass sie eine ganze Reihe dieser Art von Filmen hätten machen können, wenn der Markt dies unterstützt hätte. Eigentlich schade, denn man hätte gerne gesehen, welche anderen Arten von abgefuckten, halbwüchsigen menschlichen Föten das Team bei Full Moon hätte zaubern können.

Die Handlung von Hideous! ist komplett auf Lacher ausgelegt. Von Anfang an wird der heitere Ton mit den drei hart arbeitenden Typen hergestellt, die in einer Kläranlage ihrer Profession nachgehen und immer mal wieder Dinge aus dem Schlamm herausfischen. Bei all dem Gerede über Abwasser könnte man fast denken, man würde sich für eine Sekunde einen Troma-Film ansehen! Die Kerle ziehen einen grotesken Fleischklumpen aus dem Wasser, wobei einer der Männer ihn als etwas Besonderes erkennt. Er packt „die Kreatur“ schnell weg und gibt sie später an Belinda Yost (Tracie May) weiter, eine spezielle Händlerin für alle deformierten Dinge. Dadurch wird ein Streit zwischen zwei der größten Sammler seltener Mutationen entfacht, durch den schließlich alle Beteiligten in einem Schloss festgehalten und von den kleinen Abscheulichkeiten „gejagt“ werden. Yeah, damit bekommt man so ziemlich genau die gewohnte Full Moon-Handlung geboten, doch der Film ist streng auf Unterhaltung ausgelegt und versteht es gut zu unterhalten, solange man seine Erwartungen nicht zu hoch schraubt.

Was an dem Film ein wenig enttäuscht, ist, dass die Kreaturen nicht sehr oft oder gut zu sehen sind. Schon klar, diese Full Moon Flicks vom Ende der 90er Jahre mussten mit ziemlich kleinen Budgets auskommen, aber ein paar Knochen mehr hätte man seinem Publikum schon hinwerfen können. Wenn die abscheulichen Mutationen jedoch auftauchen, gebärden sie sich genauso gruselig, wie komisch. Es gibt vier von ihnen und sie repräsentieren, wie zu erwarten, einen bunten Haufen. Es gibt ein doppelgesichtiges Riesenkopfbaby, das das Gehirn der Truppe darstellt und seinen Schergen ständig Befehle zuflüstert. Als nächstes haben wir das Stachelschwein Baby, das seine Federkiele verwendet, um die ausgewachsenen Menschen zu töten und Baby-Talk-Nachrichten an sie zu schreiben. Dann ist da noch dieser große Blob, der sich jeder Beschreibung entzieht. Wenn dieser Blob eine herumliegende Pistole aufnimmt und das gesamte Magazin auf die Menschen abfeuert, erhält man Comedy-Gold. Nicht zuletzt gibt es noch Baby „Hulk“, ein muskulöser Rohling, der die meiste Bildschirmzeit der Puppen abbekommt. Er ist jedoch psychisch instabil und neigt daher zu plötzlichen Wein- bzw. Schreikrämpfen. Wenn sich überhaupt irgendetwas davon spaßig anhört, hat man den Test bestanden und sollte sich auf die Suche nach dem verdorbenen Müll machen, der als Hideous! zu bezeichnen ist.

Charles Bands Regie zeigt sich hier ziemlich inspiriert, wahrscheinlich aufgrund der Tatsache, dass er sich einige Jahre von der Kamera entfernt gehalten hatte. Es gibt viele interessante Aufnahmen, die mit den Standard-Vollbild-Nahaufnahmen gemischt werden, mit so geschätzten Techniken wie dem „In-the-Floor“-Stil, den Orson Welles in Citizen Kane entwickelt hat, und den „horizontal tracking with standard room objects in the foreground“ Aufnahmen, die Kubrick in The Killing (Die Rechnung ging nicht auf, 1956) und verschiedenen anderen Filmen mit großer Wirkung verwendet hat. Sicher, Band befindet sich nicht auf deren Niveau, aber es ist falsch und unfair zu sagen, er wäre ein vollkommen talentfreier Filmemacher. Er kennt sich mit der Kamera sehr gut aus und holt das aus seinen Szenen heraus, was er wirklich möchte. Es wäre interessant zu sehen, was er mit einem echten Hollywood-Budget anfangen könnte!

In Vitro – Angriff der Mutanten ist der 7.124 Full Moon Film, in dem eine Burg vorkommt, doch überraschenderweise wird man der Kulisse noch nicht überdrüssig. Irgendwann wird sich das sicherlich ausgespielt haben, doch bis zu diesem Zeitpunkt repräsentiert sie eine Art Grundnahrungsmittel für die Filme, sodass diese ohne es, etwas von ihrem Charme verlieren würden. Da die Kreaturen größtenteils in den letzten Akt verbannt wurden, muss ein großer Teil des Spaßes von den beteiligten Schauspielern kommen. Diese arbeiten nämlich als Ensemble sehr gut zusammen, wobei Mel Johnson Jr. (am ehesten als Benny der Taxifahrer aus Total Recall bekannt) und Michael Citriniti sich als Rivalen unglaublich gut gegeneinander ausspielen. Man hat in einem Film noch nie zwei Charaktere gesehen, die sich über ihre genetisch mutierten Föten gestritten haben und sollte man jemals ähnliche Szenen zu Gesicht bekommen, wird es schwierig sein, die hier gezeigten schlagen zu können. Spätestens, wenn sich die beiden mit Schwertern bekämpfen ist alles aus, während der Höhepunkt der Lächerlichkeit dabei deutlich überschritten wird. Es erweist sich als etwas enttäuschend, dass Rhonda Griffin als der nervige, dumme, blonde Comic-Relief besetzt wurde, im krassen Gegensatz zu ihrer versierten Bibliothekarin aus The Creeps. An ihrer Darstellung der Figur ist allerdings nichts auszusetzen, denn die funktioniert für die Geschichte sehr gut.

Wenn nicht für etwas anderes, wird In Vitro – Angriff der Mutanten auf jeden Fall aufgrund der Oben-ohne-Szene mit Jacqueline Lovell in Erinnerung bleiben, die eine Gorillamaske und eine Leder-Hotpants trägt, während sie Mel Johnson Jr. das doppelgesichtige Exemplar stiehlt. Der gute Geschmack wird hier in Frage gestellt, doch jeder Mann, der dabei zuschaut, kann nicht leugnen, dass es sich bei der Kombination aus nackten Brüsten und Gorillamaske um eine der lustigsten und am besten ansehbaren Szenen handelt, auf die man jemals stoßen wird. Letztendlich bedeutet Hideous! zu gleichen Teilen schrecklichen Müll, schreckliche Komödie und schrecklichen Spaß. Es gibt nicht viel in Bezug auf Horror, Schrecken oder Gore zu berichten, was in Ordnung ist, da der Film dies mit seltsamen, abscheulichen Situationen und seinen herrlich abscheulichen Kreaturen mehr als wettmacht. Man erwarte nicht zu viel und man wird sehr wahrscheinlich eine schrecklich gute Zeit haben.

Wicked-Vision Media veröffentlicht In Vitro – Angriff der Mutanten als Nummer 08 ihrer Full Moon Classic Selection in einer Scanavo Box auf BluRay. Bild (1.77:1 /1080p) und Ton (deutsch + englisch DTS-HD Master Audio 2.0) bewegen sich auf hohem Niveau, da gibt‘s nichts zu meckern. Deutsche oder englische Untertitel können zugeschaltet werden.
Extras: Wendecover mit Original-Artwork; Original Videozone; Originaltrailer; deutscher Trailer und Audiokommentar mit den Darstellern Mel Johnson Jr. und Michael Citriniti. Insgesamt handelt es sich bei In Vitro – Angriff der Mutanten um eine äußerst gelungene Edition, die in keinem Regal von B-Film-Liebhabern und Full Moon-Freunden fehlen sollte.

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  • Darsteller: Michael Citriniti, Jacqueline Lovell, Rhonda Griffi, Rhonda Griffin
  • Regisseur(e): Charles Band
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Wicked-Vision
  • Produktionsjahr: 1997
  • Spieldauer: 84 Minuten

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Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision zur Verfügung gestellt.

Das Bildmaterial stammt nicht von dieser Edition.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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