Inn of the Damned / Death Hunter / House of the Western Dead

Australien, 1896. Der amerikanische Kopfgeldjäger Cal Kincaid (Alex Cord) ist fest entschlossen den gesuchten Mörder Biscayne (Robert Quilter) festzunehmen. Nach langer Verfolgung gelingt es ihm schließlich Biscayne einzuholen und zu erschießen. Kincaids Partner Trooper Moore (Tony Bonner) reist allein weiter auf der Suche nach dem vermissten englischen Reisenden Martin Cummings (John Morris). Moore kommt an einem Gasthaus bei einer abgelegenen Backcountry-Station vorbei, das von den österreichischen Einwanderern Lazar (Joseph Fürst) und Caroline Staulle (Judith Anderson) betrieben wird. Die Staulles töten allerdings jeden, der dort eincheckt, weswegen Moore ihr neuestes Opfer wird. Kincaid kommt dann später auf der Suche nach Moore ebenfalls beim Gasthaus der Österreicher vorbei und entdeckt das grausige Geheimnis der Staulles.

Der australische Regisseur Terry Bourke hat nur eine Handvoll Filme gedreht, von denen keiner besonders bekannt ist. Dazu gehören der Spionagethriller Noon Sunday (Im Fadenkreuz der Söldner, 1970), der Sexfilm Plugg (1975), Little Boy Lost (Vier Tage Angst, 1978) und Brothers (1981). Als Bourkes bekannteste Flicks sind seine Horrorstreifen zu nennen, darunter Night of Fear (1973) – ein bemerkenswerter Film, der Blutgericht in Texas (1974) vorwegnimmt und ursprünglich für das australische Fernsehen gedreht worden ist, jedoch verboten wurde – Inn of the Damned (1975) und der Slasher-Film Lady, Stay Dead (Die Nacht der Apocalypse, 1981). Inn of the Damned stellt wahrscheinlich Terry Bourkes am besten vermarkteten Film dar, weswegen er auch einige sporadische Kinovorführungen in den USA erhielt, was anscheinend keiner seiner anderen Filme geschafft hat. Inn of the Damned repräsentiert allerdings eine kleine Kuriosität, denn seine Poster sowie manche DVD-Cover weisen den Film eindeutig als einen Horrorfilm aus. Allerdings fragt man sich nach einer Weile, ob dem überhaupt so ist oder nicht. Zumindest deutet in den ersten 45 Minuten von überlangen 118 Minuten Laufzeit so gut wie nichts darauf hin, dass Inn of the Damned auch noch etwas anderes als ein Western sein könnte.

Während dieser ersten 45 Minuten folgen wir John Morris und seinem Gefolge von Frauen, die in Judith Andersons Gasthaus Rast machen und im Bett getötet werden. Danach kann man – in einem Nebenhandlungsstrang, der zu rein gar nichts führt – zwei Schurken dabei beobachten, wie sie ein Haus ausrauben und dann gibt’s noch etliche Verfolgungsszenen zu Pferde zu ertragen, bevor Alex Cords amerikanischer Kopfgeldjäger den Gesetzlosen Robert Quilter endlich stellen und erledigen kann. Bis hierhin ist nichts zu entdecken, was darauf hindeuten könnte, dass es sich hier auch um einen Horrorfilm handeln soll, worauf ja zumindest der Titel vermuten lässt. Die erste Stunde von Inn of the Damned könnte vollständig als reiner Western durchgehen. Wobei nicht zu leugnen ist, dass Terry Bourke ein künstlerisches Auge besitzt und es bestens versteht Charakternuancen sowie historische Details einzufangen, doch er braucht ganz einfach viel zu viel Zeit, um zum Horroranteil des Flicks zu gelangen.

Selbst, wenn man dann endlich zu den so zu klassifizierenden Teilen des Films kommt, hat Inn of the Damned nicht viel mit Genre-identifizierendem Horror gemein – obwohl es eine sehr grausame Szene zu bestaunen gibt, in der Joseph Fürst den Kutscher Alfred (Phillip Avalon) in einer Scheune ziemlich übel zusammenschlägt. Schließlich liest sich Inn of the Damned wie eine geschlechtsumgekehrte Version von Deranged (Besessen, 1974) mit Judith Anderson in Roberts Blossoms Rolle, indem sie eine Reihe von Szenen spendiert bekommt, in denen sie sich in einem Raum voller Leichen aufhält und sogar Klavier für die Toten spielt. Auf eine ganz andere Art und Weise könnte man Inn of the Damned auch als einen der Filme betrachten, die nach What Ever Happened to Baby Jane? (Was geschah wirklich mit Baby Jane?, 1962) herausgekommen sind, auch mit alternden Schauspielerinnen der 30er und 40er Jahre, die verrückt werden. Es scheint nicht allzu weit hergeholt zu sein, sich das Gasthaus in der amerikanischen Provinz und Judith Anderson als einen weiteren Bette Davis Klon vorzustellen. Die letztendliche Erklärung für all diese Ereignisse – etwas, das damit zu tun hat, dass Judith Andersons Kinder wohl einst ertrunken sind, sie aber glaubt ihre Kinder würden in deren Porträts weiterleben – gibt leider keinen ganz klaren Aufschluss darüber, was eigentlich genau und vor allem warum passiert ist.

Man kommt auch nicht umhin sich zu fragen, wie ein Film mit einem doch recht billigen Titel wie Inn of the Damned eine echte Dame wie Judith Anderson als Hauptdarstellerin gewinnen konnte. Obwohl in Australien geboren, wurde Judith Anderson eine der grand ladies der britischen Bühne und 1959 zum Ritter geschlagen. Sie trat sporadisch in Filmen auf, mit Rollen in Klassikern wie Alfred Hitchcocks Rebecca (1940), Otto Premingers Laura (1944), René Clairs And Then There Were None (Das letzte Wochenende, 1945), Cecil B. DeMilles The Ten Commandments (Die zehn Gebote, 1956) und Richard Brooks‘ Cat on a Hot Tin Roof (Die Katze auf dem heißen Blechdach, 1958), obwohl sie Genrefans wahrscheinlich eher für ihre Rolle als Vulkanpriesterin in Leonard Nimoys Star Trek III: The Search for Spock (Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock, 1984) bekannt sein dürfte. Anderson macht ihre Sache zwar recht gut, doch ihre Leistung entfacht kein Feuer in der Scheune, wie es Bette Davis, Joan Crawford und andere in den Batty Old Dames-Filmen getan haben. Für eine internationale amerikanische Anziehungskraft wurde Alex Cord (Un minuto per pregare, un istante per morire / Mehr tot als lebendig, 1968) importiert, der zu dieser Zeit weit unten auf einer C-Liste von Schauspielern stand, größtenteils, weil er viel fürs Fernsehen gearbeitet hat.

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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