Insel der neuen Monster / L’isola degli uomini pesce / The Island of the Fishmen

Eine Gruppe Seeleute verschlägt es nach dem Untergang ihres Schiffes auf eine unbekannte Insel. Dort treffen sie auf Edmon Rackham (Richard Johnson). einem Weißen, der offensichtlich die Insel beherrscht. Die schöne Amanda an seiner Seite (Barbara Bach) ist die Tochter des Biologen Marvin (Jospeh Cotton), den er vor den Fremden verbirgt. Der junge Schiffsarzt Claude (Claudio Cassinelli) spürt, dass ein tiefes Geheimnis diese verlorene Menschengruppe umgibt. Nachdem zwei seiner Leute spurlos verschwunden sind, entdeckt er mit Hilfe Amandas eine Spur des Geheimnisses. Rackham hat mit Hilfe des Professors Amphibien Kreaturen geschaffen, die in große Tiefen tauchen können. Denn in der Nähe der Insel, tief auf dem Meeresgrund, stehen die Überreste des Atlantis. Die von ihm geschaffenen Monster sollen den sagenhaften Schatz bergen. (Cineploit Records)

Sergio Martinos Horror-/Abenteuer-Hybrid existiert in mehreren Versionen unter verschiedenen Titeln, darunter Screamers, L’isola degli uomini pesci (Insel der Fischmänner), Something Waits in the Dark und Insel der neuen Monster. Mehr dazu später, doch im Kern repräsentiert der Streifen ein charmantes Abenteuer im Jules-Verne-Stil mit Romantik, Science-Fiction-Elementen und Gummimonstern. Ende des 19. Jahrhunderts werden Überlebende eines zerstörten Gefängnisschiffs – inklusive des heldenhaften Leutnants Claude de Ros (Claudio Cassinelli) – auf einer unbekannten Insel an Land gespült. Inmitten von Treibsandgruben und feindlichen Eingeborenen stolpern sie über den verrückten Wissenschaftler Professor Marvin (Joseph Cotten) und dessen mutierte Fischmenschen, die von der verlorenen Rasse der Atlanter abstammen. Marvin hat ein Mittel entwickelt, um diese Kreaturen kontrollieren zu können, die der pistolenschwingende Schurke Edmund Rackham (Richard Johnson) dazu missbrauchen will, die versunkenen Schätze von Atlantis bergen zu lassen.

Nachdem einige der Häftlinge bereits diversen Fallen (die überall auf der Insel verteilt sind) oder den Fischmännern zum Opfer gefallen sind, werden die restlichen Schiffbrüchigen von Rackham eingefangen und später zu speziellen Zwecken missbraucht, wobei es Marvins schöner Tochter Amanda (Barbara Bach) gelingt Claude zu retten. Eine Voodoo-Priesterin (Beryl Cunningham) prophezeit den Untergang der Insel sowie allem, was sich darauf befindet und tatsächlich bricht später ein Vulkan aus und die Insel beginnt zu sinken, während die Eingeborenen Claude jagen. Vorher entdeckt das Publikum allerdings noch, dass Amanda eine besondere Verbindung zu den Fischmännern zu pflegen scheint. Als fesselnder Draufgänger profitiert Insel der neuen Monster von Martinos solidem Tempo und den engagierten Darbietungen der Besetzung. Egal wie absurd sich die Dinge auch entwickeln mögen, es wird dabei nie unangemessen übertrieben geschauspielert. Cassinelli (der bei einem tragischen Hubschrauberunfall während der Dreharbeiten zu Martinos Terminator-Rip-Off Paco – Kampfmaschine des Todes 1986 ums Leben kam) präsentiert sich in seinen frühen Szenen angenehm intensiv und versteht es dabei bestens die Zuschauer in die Notlage seiner Figur zu involvieren, während das ehemalige Bond-Girl (und zukünftige Frau Ringo Starr) Barbara Bach eine bezaubernde Heldin verkörpert. Ihre sensible Darbietung während des poetischen Höhepunkts ist als eine bemerkenswerte Leistung zu bezeichnen, wenn man bedenkt, dass sie inmitten von Gummimonstern Emotionen porträtieren muss.

Die Geschichte und ihre fischartigen Schreckfiguren erinnern stark an Jacques Tourneurs War-Gods of the Deep (Stadt im Meer, 1965), in dem Vincent Price eine Rolle spielt, die der von Richard Johnson nicht gerade unähnlich ist oder sogar Hajime Satos delirierenden Kaitei daisensô (UX-Bluthund – Tauchfahrt des Schreckens, 1966) nahekommt. Roger Cormans New World Pictures kaufte Insel der neuen Monster auf und arbeitete den Streifen in einen fingierten Slasher-Film um, da Jules Vernes Abenteuer bereits völlig aus der Mode gekommen waren. Joe Dante und Noah Drake wurden angeheuert, um einen neuen Prolog zu drehen, in dem die Exploitation-Lieblinge Mel Ferrer und Cameron Mitchell von neuen Fischmännern (die vom Effekt-Experten Chris Walas kreiert wurden) blutig zerfleischt werden. Diese Version mit dem Titel Something Waits in the Dark fand wenig Anklang bei der Grindhouse-Gemeinde. Corman engagierte daraufhin Jim Wynorski, um die Werbekampagne zu überarbeiten. Wynorski betitelte den Film mit Screamers neu und stellte einen fingierten Trailer zusammen, der neu gedrehtes Filmmaterial (mit Effekten von Rob Bottin) in einem futuristischen Weltraumlabor spielen lässt, in dem eine sexy Wissenschaftlerin ihrer Kleidung entledigt und die empörende Behauptung in den Raum geworfen wird, dass der Film einen Mann zeigt, der sich von Innen nach Außen dreht!

Screamers wurde kurioserweise zu einem Erfolg, obwohl die Kinobesucher über das Fehlen eines Mannes, der sich von Innen nach Außen dreht, verärgert waren, während Wynorski in eine seiner Space-Lab-Sequenzen eine von Cassinellis Szenen reinschneiden musste. Ach ja, das waren die glorreichen Tage von Low-Budget-Exploitation. Die ganze Geschichte hinter Screamers kann in Maitland McDonaghs faszinierendem Buch Filmmaking on the Fringe nachgelesen werden. Martino gönnte sich selbst anschließend auch ein paar Cut-and-Paste-Eskapaden. Er hat Filmmaterial von Insel der neuen Monster und seinem Post-Apokalypse-Actioner 2019 – Dopo la caduta di New York (Fireflash – Der Tag nach dem Ende, 1982) in die zutiefst seltsame sowie kinderorientierte Fortsetzung La regina degli uomini pesce (Insel der neuen Monster 2, 1995) hineingeschnitten. Doch das steht auf einem ganz anderen Blatt.

Ausstattung:

  • Internationale Bildergalerie
  • Italienischer und US Trailer
  • Hardcover Mediabook mit partieller Veredelung
  • 28 Seiten Booklet mit einem Essay von Udo Rotenberg in deutsch und englisch veredelt mit internationalem Werbematerial
  • Doppelseitiges Poster mit deutschem und italienischem Motiv
  • Featurette Acque Profonde – 58 min. Audio: Italienisch Subtitles: Deutsch, englisch
  • Featurette All about the Island – 19 min. Audio: Englisch Subtitles: Deutsch
  • Featurette Scream America Scream – 18 min. Audio: Englisch
  • Bildergalerie
  • Vollständiger Score, separat abspielbar

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung: ‎Nicht geprüft
  • Regisseur: ‎Martino, Sergio
  • Medienformat: Breitbild
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 35 Minuten
  • Darsteller: ‎Bach, Barbara, Johnson, Richard, Cassinelli, Claudio, Cunningham, Berryl, Cotton, Joseph
  • Untertitel: ‎Deutsch, Englisch
  • Sprache: ‎Italienisch (DTS-HD 2.0), Englisch (DTS-HD 2.0), Deutsch (DTS-HD 2.0)
  • Studio: Cineploit Records

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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