Ip-Man 3

Der legendäre Wing Chun Großmeister Yip Man wurde vor einigen Jahren als Inspiration für Kinomaterial wieder entdeckt. 2008 konnte Donnie Yen in der Rolle des Ip-Man erstmals einen großen Filmerfolg feiern, 2010 kam Ip Man 2, und in wenigen Tagen folgt nun mit Ip-Man 3 der lange ersehnte Abschluss der erfolgreichen Filmtrilogie. Doch das Erbe Yip-Mans hat längst größere Wellen geschlagen, von Ip Man Zero von 2010, einer Art Prequel, und The Final Fight einmal abgesehen, ist besonders der Wong Kar Wai Film The Grandmaster zu nennen, der 2013 in besonders aufwendiger Weise aus der zweiten Lebenshälfte des Martial Arts Lehrers erzählt, und erstklassig besetzt war (ich selbst fand ihn nicht so großartig). Die Tatsache, dass Bruce Lee zu seinen Schülern zählt kann alleine nicht Grund für den Erfolg des Charakters als Spielfilmfigur sein, vielmehr ist zu überlegen ob nicht im Zuge der filmischen Aufarbeitung die Vergangenheit Hong Kongs auch eine Rolle dabei spielt. Als Person sowohl der Vernunft als auch des Konsequenten Widerstands ist Yip-Man sowohl für die Hongkonger als auch das Regime in Peking als Identifikationsfigur interessant. Ich durfte einer Pressevorführung von Ip-Man 3 beiwohnen und will mal versuchen zu bewerten, ob der Abschluss der Trilogie den Eintrittspreis wert ist. Kinostart in Deutschland ist – leider nur in Synchronfassung- der 7. April.

Der Film erzählt von Meister Ip (Donnie Yen), der nun in den 50ern mit seiner Frau Cheung Wing-Sing (Lynn Xiong) und dem jungen Sohn in Hong Kong lebt, das zu der Zeit unter britischer Herrschaft steht (was bekanntlich bis 1997 andauerte). Sein Sohn geht mit dem des aufstrebenden Kampfkünstlers Sum Nung (Jin Zhang) an eine Schule, die wegen des wertvollen Grundstücks ins Visier des Gangsters Frank (Mike Tyson) gerät, dessen Schergen, allen voran Ma King-Sang (Patrick Tam), beginnen, die Schule zu terrorisieren. Ip und seine Jungs stehen als Unterstützer bei uns werden nun selbst Zielscheibe der Unterwelt. Die Polizei, größtenteils in der Tasche der ausländischen Kriminellen, sieht relativ tatenlos zu. Während Ip versucht den Konflikt zu zähmen, wird bei seiner Frau Krebs diagnostiziert, und Sum von Franks Schergen angeworben. Als die Schulkinder von den Gangster entführt werden, kommt dieser Ip kurzzeitig zur Hilfe. Yip konfrontiert daraufhin Frasier und räumt das Problem mit einem Kampf aus der Welt. Doch Sum ist ein ehrgeiziger Geselle und besiegt alle Wing Chun Schulen der Stadt, fordert Meister Yip zum Duell, das er nicht wahrnehmen kann, weil seine Frau nicht mehr lange zu Leben hat…

IP Man 3

Wie schon die Vorgänger, so setzt auch Ip-Man 3 auf eine Mischung aus Martial-Arts und familienzentriertem Historiendrama. Die Trilogie begann ja durchaus schwergewichtig, hatte sich gar mit der japanischen Besatzung beschäftigt. Die historische Gewichtung ist nun geringer, etwaige Implikationen z.B. der britischen Besatzung oder der Korruption werden angedeutet bzw. sind Hintergrund, aber am Ende ist es ein Martial Arts Film mit einer sehr einfachen Story. Ich würde das nun ein wenig als negativ verbuchen, allerdings schafft der Film dadurch auch eine gewisse Leichtigkeit, die vor dem Hintergrund diverser anderer Dramatiken im Film dann aber gar nicht so fatal ist. Im Vordergrund stehen dann letztendlich drei Hauptelemente: Zum ersten das Eheproblem Meister Ips das mit der Erkrankung seiner Frau einen dramatischen Höhepunkt erreicht. Zum zweiten der Kampf gegen die korrupten ausländischen Ganoven, und zum dritten die Rivalität des aufstrebenden Wing Chun Meisters.

Der Film balanciert diese drei Fäden relativ gekonnt, aber man kann sich nicht so recht sicher sein, welche Story Regisseur Wilson Yip am Ende wirklich erzählen wollte. Eine gut gegen böse Geschichte, die des Wing Chun, oder ein Familiendrama. Am Ende gibt es ein bisschen von allem, immerhin sehr passend ineinander verwoben und der Film wirkt auch nicht überladen dadurch. Die Dialoge sind zwar meist nicht das allerbeste, und manche Charaktere gehen ein wenig unter, aber insgesamt fühlt sich der Film doch sehr rund an, und schafft es mitreissend zu sein. Langeweile kommt keine auf. Dass man beim dritten Teil der Serie nicht dem Größenwahn verfiel, sondern eine durchaus subtile, emotionale Geschichte auf die Leinwand brachte, kann man den Produzenten hoch anrechnen. Die Verlockung, einen Megablockbuster draus zu machen könnte durchaus groß gewesen sein.

IP Man 3

Donnie Yen mimt Meister Ip wieder hervorragend, seine schüchterne Art und dennoch Entschlossenheit kommt gut rüber. Was er eigentlich beruflich machte zu dem Zeitpunkt ist irgendwie völlig unklar, denn es wird keine Sekunde gezeigt ob und dass er als Lehrmeister aktiv gewesen wäre. Umso besser dann allerdings, dass der Film voll ist mit grandiosen Kampfszenen. Yen, zusammen mit Altmeister der Choreographie Yuen Woo Ping kommen mit etwas Drahtarbeit und ich würde mal sagen minimalstem CGI Einsatz aus, und haben spannende und packende Kämpfe inszeniert. Eben dieses auf-dem-Teppich bleiben macht den Film wirklich aus. Es wird wenig durch die Luft gewirbelt, alles sieht real und packend aus, die Zahl der Schnitte bleibt niedrig und Übertreibungen hat man beiseite gelassen.

Somit gehört Ip-Man 3 was aktuelle Martial Arts Filme betrifft  zu dem Besten was man auf der Leinwand sehen kann. Die Fights sind großartig, sogar der gegen Mike Tyson, auch wenn dieser wenig glaubwürdig ist.

Letztendlich wiegt der Film die grausamen Qualen wieder auf, die ich kürzlich mit, Sword of Destiny, dem unterirdischen Sequel zu Crouching Tiger, Hidden Dragon, zu erleben hatte. Ip-Man 3 zeigt, dass man subtil und realistisch einen erstklassigen Kung Fu Film machen kann, ohne aus Geldgier Bruce Lee aus zu schlachten, oder mordsmäßig übertriebene CGI Action einzusetzen. Donnie Yen zeigt dass er Meister seines Fachs ist und Wilson Yip ist es hoch anzurechnen, mit welch Liebe zum Detail er diese großartige Trilogie zum Ende führt.

IP Man 3

Man sollte sich auf den Kinostart freuen, denn der Film ist sehr unterhaltsam, erwachsen und packend. Fans asiatischen Kinos kommen voll auf die Kosten, Kung Fu fans werden die Fights genießen und der Film taugt auch für Neueinsteiger sehr gut. Ich muss sogar sagen, der Film hat mich sehr positiv überrascht. Die Vorgänger hatten teils andere Schwerpunkte, aber das Bild dass sich nun bietet, ist eine wirklich sehr ausgewogene, spannende und vielfältige Trilogie.

ip-man 3 blurayFürs Heimkino gibt es übrigens diverse Optionen, mit oder ohne Donnie Yen, wie man will. Wer sich entsprechend vorbereiten will, kann schonmal die BluRay Sammlung mit allen Filmen (inklusive The Grandmaster) komplett machen – und um uns zu unterstützten dazu folgende Amazon Links verwenden:

The Grandmaster | Ip Man Special Edition | Ip Man 2 Special Edition | Ip Man 3 (Vorbestellung) | Ip Man 3 (Limited Edition Steelbook) | Ip Man Zero Special Edition | Ip Man – Final Fight | Anthology Box 1 & 2 & Final Fight | Trilogie Box 1 & 2 & Zero

Seltsam hier vor allem die beiden Boxen, die jeweils einen anderen Film mit als dritten Teil verpacken, der nicht dazu gehört. Eine „echte“ Trilogie Box ist wohl auch noch zu erwarten. Jetzt aber erst mal ab ins Kino!

IP Man 3

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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1 Antwort

  1. 21. März 2016

    […] Wilson Yip und Donnie Yen lassen zum dritten Mal Bruce Lees Lehrer „Ip Man“ von der Leine. Sebastian von Nischenkino hat ihn schon mal […]