Jack Clifton Agent 077 Collection

Ken Clark

Zunächst heißt der Agent im Original Dick Malloy, und die Reihenfolge stimmt auch nicht (vielleicht erschien in Deutschland der zweite vor dem ersten oder alle schreiben von der deutschen Wikipedia ab), jedenfalls startet die Trilogie mit Mission Bloody Mary, dann kommt From the Orient with Fury, und dann Operation Lady Chaplin. Mit Dank an die Spionagezentrale von Pidax habe ich mir die Trilogie mal vorgenommen (den ersten hatte ich schon mal gesehen, die anderen waren für mich neu).

Mission Bloody Mary [1965] (Operation Bloody Mary) erzählt von Spezialagent Dick Malloy (Ken Clark), der eine gestohlene radioaktive Kofferbombe sicherstellen soll, die „Bloody Mary“ genannt wird. Ein Verbrechersyndikat namens Black Lily hatte sie von einer Miltitärbasis gestohlen. Quer durch Europa führt ihn die Spur, bei der er der gewieften Organisation immer einen Schritt voraus ist. Der Film kommt zwar mit einem etwas verwirrenden Drehbuch (und ich hatte schnell Probleme, dem Film zu folgen), punktet aber mit vielen großartigen Locations, ausgiebigen Fights, schönen Frauen und witzigen Gadgets. Zwischen all den Verfolgungsjagten warten diverse Zwischengegner auf den Superagenten, aber auch falsche Verbündete, Femmes Fatales und jede Menge Kanonenfutter. Es ist ein James Bond Abklatsch der alles mögliche richtig macht und tief in die Rezeptekiste greift um abzuliefern was man sich von einem Agentenfilm in den 60ern erwartete. Rückblickend fehlt 077 aber das, was 007 erfolgreich machte: Charme und Tiefgang, auf Basis eines Drehbuchs das sitz. Da schwächelt Malloy, und man muss den Film unter 60er Kleinod abheften. Der prima Titelsong gewinnt dem Film aber nochmal einen extra Punkt. Die DVD bietet die deutsche und die englische Synchronfassung, keine Untertitel. Dabei sind zwei Bildergalerien und der Kinotrailer. Zur Qualität schreibe ich weiter unten.

In From the Orient with Fury [1965] (Vollmacht für Jack Clifton) wird Mallory, immerhin der beste CIA Agent, an Bord geholt um die Entführung eines Atomphysikers in Istanbul zu untersuchen und den Mann zurück zu holen, bevor seine Geheimnisse an den Feind fallen. Zu seinen Verbündeten gehören die Tochter des Wissenschaftlers und sein alter Kollege Mike (Lorenzo Robledo) und zu den Widersachern oder kurzweiligen Weggefährten erneut eine zweifelhafte Mixtur aus schönen Frauen, kleinen und großen Schurken und Mafiosi, Killern und exotischen Tänzerinnen. Witzigerweise sieht man auch mal Fernando Sancho als Restaurantgast, und man hat Clark ein charmantes Malloygirl (Margaret Lee) zur Seite gestellt. Der Film hat ein etwas kleineres Budget und erschien bestimmt nur kurz nach dem Erfolg des ersten. Er bietet weniger krasse Locations, wirkt insgesamt eine Nummer kleiner, aber bietet dennoch wieder fetzige Fights, schöne Frauen, interessante Gadgets und… diesmal einen etwas weniger aufregenden Lounge-artigen Titelsong. Die Story ist anders, aber es geht erneut um eine Geheimorganisation oder feindliche Agenten die an Atomwaffen wollen. Das Drehbuch ist ähnlich wirr. Die DVD bietet wieder die deutsche und englische Sprachoption, aber keine Untertitel. Außerdem den Trailer und eine Bildergalerie. Zur Qualität siehe weiter unten.

Der dritte, Special Mission Lady Chaplin [1966] (Im Netz der goldenen Spinne) wiederum führt unseren Helden Dick Malloy auf die Fährte der geheimnisvollen und schönen Lady Chaplin (Daniela Bianchi), einer Modedesignerin mit zweifelhaften Nebentätigkeiten. Als ein amerikanisches Unterseeboot mit 16 Raketen an Bord verloren wird, fällt der Verdacht auf den Privatforscher Zoltan (Jacques Bergerac), aber je tiefer Malloy bohrt, desto tiefer geht die Verschwörung. Er muss die Raketen wiederfinden, und feststellen wer um ihn herum Leute ausknipst. Besonders verdächtig scheint Chaplins Handlangerine Constance Day (Evelyn Stewart).

Der dritte Film der Reihe fährt nochmal alles auf, vor allem handwerklich wie ich finde. Gleich zu Beginn gibt es eine Szene in einem Collisseum, quasi ein aus Italowestern erprobtes Stilmittel? Doch da hören die Italowestern Verbindungen noch nicht auf. Die Musik kommt diesmal von Bruno Nicolai, und für die Stunts ist Enzo G. Castellari verantwortlich, der hier auch die Second Unit dirigieren durfte. Auf den Regiestuhl hingegen rückt die Giallo-Legende Alberto de Martino, vermutlich in erster Linie, ob Grieco noch irgendwie involviert war ist mir nicht klar, obgleich die IMDb ihn noch mit auflistet.

Ein klein wenig erscheint mir der Film etwas brutaler als die Vorgänger, aber vielleicht ist er einfach ein klein wenig erwachsener. Es gibt etwas mehr Gadgets, dafür mehr Verkleidungen. Der Film sieht teurer aus als die letzten beiden zusammen, das liegt auch an besserer Kamera und Schnitt, einem soliden Score (der Titelsong ist auch ganz OK), guten Locations und einem weniger Trashigen Gehabe. Aber der Film ist nicht weniger verwirrend. So richtig schlau wird man erneut nicht. Vielleicht ist und bleibt das in gewisser Weise auch das Markenzeichen der Reihe: eine Berieselung mit dem besten und schlechtesten was das Genre zu bieten hat, für einen kurzweiligen Nachmittag im Sixties-Kino.

Die DVDs

Die Qualität von Bild (immerhin alles im Breitbild) und Ton (immerhin ist die englische Tonspur mit an Bord) ist nicht der Rede wert, es reicht irgendwie um den Film halbwegs zu genießen, aber sowas kennt man eigentlich nur noch aus den Anfängen des DVD Zeitalters und sollte eigentlich nicht mehr gegen Geld die Augen von Filmfreunden foltern. Höchste Eisenbahn, dass jemand diese Filme neu abtastet, denn das sieht genauso mies aus wie die US DVDs von Dorado Films die vor Ewigkeiten mal erschienen. Blasse Farben, schlechte Kontraste, Dreck und Schäden, rauschender Ton, und dann das ganze noch in dem DVD Pixelbrei. Naja, es reicht für einen Retro-Filmvormittag (so hab ich das gemacht), aber die Filme hätten trotz des Trashfaktors besseres verdient.

Spezialagenten, Traumfrauen, Sightseeing und Action made in Europe

Übrigens gibt es einige andere Eurospy Filme die direkter oder indirekter auf den 007 Zug aufsattelten. Ein paar habe ich auf Amazon ausgegraben, wenn man auf Qualität nicht zu viel Wert legt kriegt man das meiste zumindest auf DVD, darunter einer mit Richard Wyler (Amazon), einer mit Lang Jeffries (Amazon), der eher unbekannte Anthony Eisley (Amazon), auch Paul Hubschmid durfte mal ran (Amazon), und sogar Lex Barker (Amazon), der großartige Peter Martell (Amazon), George Ardisson (Amazon), Frederick Stafford (Amazon) und neu auf DVD sogar einer mit Robert Mark (Amazon). Viel Spaß!

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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