Jane Got a Gun

Jane Got a Gun ist ein Western von 2015 mit Natalie Portman (Closer), Joel Edgerton (Warrior) und Ewan McGregor (A Life Less Ordinary) in den Hauptrollen. Der Film hat eine holprige Produktionsgeschichte hinter sich, kam stark verspätet oder gar nicht in die Kinos, und wurde bei uns nach einem einwöchigen Kinolauf über den Jahreswechsel nun endlich am 13.5. ins Heimkino geschickt. Wir hatten uns ja schon lange darauf gefreut, mal sehen ob die Erwartungen erfüllt wurden.

Der Film erzählt von Jane (Portman), deren Verlobter in den Bürgerkrieg zieht und sie mit einem jungen Kind zurück lässt. Sie schließt sich einem Siedler-Treck unter dem Schutz des zwielichtigen Geschäftsmanns John Bishop (McGregor) an. Er und seine Gang haben allerdings mit den diversen alleine reisenden Frauen und Mädchen anderes vor. Einer seiner Leute, Bill Hammond (Noah Emmerich) bekommt Skrupel und befreit Jane aus einem Bordell. Die beiden brennen durch, heiraten und lassen sich auf einer kleinen Farm nieder. Ihr ehemaliger Verlobter Dan Frost (Edgerton), zurück aus dem Krieg, merkt dass die Frau nicht mehr sein ist, und wendet sich ab. Als jedoch Bishop und seine Schergen, darunter Vic (Boyd Holbrook), hinter dem Paar her ist und Bill nach einer unerwünschten Begegnung in der Stadt von Kugeln zersiebt auf ihrer Ranch ankommt, wendet sie sich an Dan um gegen die Bande zu rüsten….

Jane Got a Gun

Ich möchte gar nicht viel auf die Entstehungsgeschichte des Films eingehen (ein Blick auf die Produzentenliste spricht auch Bände), das kann man an anderer Stelle ganz gut nachlesen. Zwei Sachen finde ich sind allerdings in dem Kontext von Bedeutung. Zum einen schaden, Qualität hin oder her, derartige Berichte einem solchen Film möglicherweise enorm, da jede Kritik (inklusive meiner) zwangsläufig darauf eingehen muss, unter welchen irregulären Umständen es zu dem Film kam und warum er – möglicherweise – nicht so gut ist wie er hätte sein können. Zum anderen erfuhr der Film auch nach seiner Fertigstellung leider keine gute Behandlung durch die Verleiher. In Deutschland beispielsweise wurde der Film in dem Wirbelwind an neuen Filmen zwischen Weihnachten und Neujahr, inklusive Star Wars, zerrieben und lief ohnehin nur in einer Hand voll Kinos für ein paar Tage. Das ist Jane Got a Gun gegenüber unfair und sehr schade. Soviel also dazu. Dass der Film letztendlich weniger schlimm ist als all dieser Trouble vermuten lässt, ist positiv, um das mal vorweg zu nehmen.

Jane Got a Gun

Ich freue mich ja generell immer über neue Western, so lange es sich dabei nicht um irgend welchen Unfug von der Sorte Wild Wild West oder Cowboys vs Aliens handelt, wobei letzterer durchaus nette Ansätze zeigte. Somit hatte ich mich sehr auf Jane Got a Gun gefreut, und ich muss sagen ich bin nicht enttäuscht worden. Slow West hingegen hatte mir ja gar nicht gefallen, nur um es zu kontrastieren. Natalie Portman in einen Western zu stecken ist ja schon mal als Prämisse generell eine sehr gute Idee. Die einfach gestrickte Story mit den doch ein wenig schrecklichen Wendung gegen Ende macht für solides Westernmaterial und braucht sich vor ähnlicher Ware überhaupt rein gar nicht zu verstecken. Zwar hätte man Jane Got a Gun durchaus auch sauber chronologisch erzählen können, um einen viel gewichtigeren Klimax zu erzielen, aber auch so funktioniert es als Autorenkino recht gut.

Jane Got a Gun

Visuell ist der Film grandios, und gepaart mit dem subtilen Score eine ziemliche Freude. Nun muss man ein paar Abstriche machen, die aber wohl der BluRay geschuldet sind (siehe weiter unten), aber ich denke der Film sieht optisch wirklich schön aus, und vermittelt eine gleichzeitig düster bedrohliche also auch natürliche und atmosphärisch umwerfende Stimmung. Es sind aber am Ende die engen, fast schon klaustrophobischen Bilder, die Jane Got a Gun dominieren. Blicke durch Bretterwände hindurch, oder in die Nacht hinein. Es ist ein eher realistischer Film, der viel Angst vermittelt und den Tod unmittelbar macht, keiner der Protagonisten ist Kugelfest wie so oft in diesen Filmen der Fall. Die Verwundbarkeit und Fehlbarkeit ist zentrales Element, auch wenn Jane als starke Frau dargestellt wird, zumindest als willensstark.

Jane Got a Gun

Überhaupt scheint der Film eher von Portman zu leben, ihr Charakter wird jedoch dann von Joel Edgerton an die Wand gespielt, dessen Präsenz um so viel mehr in den Film passt als die etwas duckmäuserische Portman. Ewan McGregor hingegen fand ich total unterbenutzt, und er liefert eine Billy Bob Thornton ähnliche Performance ab, er genießt sichtlich das Bösewicht sein und spielt einen etwas undurchschaubaren fiesen Charakter. Ein großes Duell am Ende wird dem Zuschauer aber nicht gegönnt. Auch das passt gut in den antithetischen Ton des Films, der zwar alle Genrekonventionen aufgreift, sie aber gleichermaßen wenig würdigt.

Zur BluRay kann man nicht so viel sagen. Leider gibt es genau Null Extras auf der Scheibe. Qualitativ kann diese aber durchaus überzeugen. Das Bild ist sehr gut und der Ton weiß auch zu überzeugen, sowohl bei den Tiefen als auch was Raumklang angeht. Einziger Wermutstropfen hier ist die schlechte Dialogverständlichkeit die der schlechten Abmischung geschuldet ist die diese einfach zu distant erscheinen lässt. Ich hatte was das Bild betrifft oben schon mal angedeutet dass es hier auch einen Abstrich gibt. Und zwar schwächelt der Transfer hier vor allem bei schnellen Bewegungen und bei den dunklen Szenen teilweise recht stark. Wie sehr das stört ist aber sehr vom eigenen Equipment abhängig. Insgesamt kann man aber getrost sagen: Die Scheibe ist qualitativ ziemlich einwandfrei. Beide Sprachoptionen sind mit von der Partie, inklusive Deutscher Untertitel.

Insgesamt ist Jane Got a Gun ein düsterer Western der bei weitem besser ist als es sein Ruf vermuten lässt. Einige Schwächen schaden der Wucht des Films und der wird somit für immer in der Mittelklasse weilen, aber wenn man die Entstehungsgeschichte ausblendet, kann man sich auf ein hervorragendes Drama freuen.

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Die BluRay wurde uns von universum film zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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