Josefine Mutzenbacher

Eine Millionärin kehrt um die Jahrhundertwende aus den USA nach Wien zurück, wo sie einem Ministerialrat die Lebensgeschichte der Prostituierten Josefine erzählt. In Rückblenden sieht man Kindheit und Jugend des Mädchens, das früh sexuelle Erfahrungen gemacht hat. Nach dem Tod der Mutter muss sie sich Männern anbieten und steigt bald zur begehrtesten Prater-Hure auf. Dabei wird sie mit der Doppelmoral ihrer Freier konfrontiert, die nach außen hin die Prostitution verurteilen. (Lisa Film / Subkultur Entertainment)

Josefine Mutzenbacher ist einer von mehreren Filmen über die im Titel aufgeführte Figur, einer der frühesten und der heute vielleicht zweitberühmteste. Es handelt sich hierbei um eine Koproduktion zwischen Österreich und Deutschland von 1970, so dass der Film dieses Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feiert. Regisseur Kurt Nachmann hat damals an vielen trashigen Sexkomödien (Frau Wirtin bläst auch gern Trompete, Frau Wirtin treibt es jetzt noch toller) gearbeitet, wobei Josefine Mutzenbacher eines seiner bekannteren Werke darstellt. Was vielleicht ein bisschen überrascht, ist die Tatsache, dass der Streifen auf Felix Saltens literarischen Werken basiert, da er anscheinend auch der Schöpfer von Bambi ist und man sich keine größere Bandbreite im Repertoire vorstellen kann, als zwischen dem unschuldigen kleinen Reh und der genitalhungrigen mitteleuropäischen Schlampe!? Auf jeden Fall hmmm … beeindruckend!?

Die Titelfigur wird hier von Christine Schuberth verkörpert, die heute vor allem für ihre Arbeit in der langjährigen deutschen Serie Hinter Gittern – Der Frauenknast bekannt ist, hat aber auch in mehreren anderen bekannten Serien aus Österreich und Deutschland mitgespielt (Die liebe Familie, Ein Schloß am Wörthersee). Josefine Mutzenbacher ist gespickt mit sexuellen und gelegentlich sogar sinnlichen Szenen. Nicht alles in diesem Streifen ist anrüchig inszeniert, es gibt tatsächlich auch einige Sequenzen, die geschmackvoll gestaltet wurden. Es gibt sogar eine kleine Handlung zu verfolgen, die am Ende noch eine Wendung zu bieten hat, die allerdings nicht wirklich überrascht. Selbstverständlich spielt Comedy eine große Rolle, wie in so vielen deutschen Sexkomödien aus den 70er Jahren.

Insgesamt gibt es viel schlechtere Genre-Einträge, doch auch wenn der Film hier und da seine erfreulichen Momente hat, kann er bestenfalls als Sexkomödie überzeugen und nicht aus einer allgemeinen Perspektive. Hier kann man nur einen Daumen nach unten geben, wobei dieser Streifen hier wohl als ziemlich gleichwertig mit den anderen bekannteren Mutzenbacher-Filmen gesehen werden könnte. Dieser hier hat vielleicht das etwas bessere Drehbuch und eine etwas bessere Geschichte, während die anderen „heißere“ Protagonisten zu bieten haben. Glücklicherweise kann man ja frei zwischen den Streifen wählen. Alle zu überspringen wäre jedoch definitiv auch eine Option. Ach ja, das Lied, das man in der ersten und letzten Sekunde hören kann, bereitet großen Spaß und fasst mit seinen Texten den Grundton des Films gut zusammen.

Josefine Mutzenbacher ist bei Lisa Film im Rahmen ihrer Deutsche Filmklassiker Kollektion als Nummer 5 erschienen. Das Bild wird im 1.66:1 anamorphen Format (BluRay 1080p) präsentiert und weiß durchaus zu überzeugen. Es liegt deutscher und englischer Ton in DTS-HD Master Audio Mono vor, wobei man wahlweise deutsche Untertitel zuschalten kann. Die Extras bestehen aus einem deutschen und englischen Kinotrailer; einer Bildergalerie; einer Super 8 Fassung und einem Wendecover ohne FSK-Logo. Die Veröffentlichung kann, trotz der Defizite des Films, als äußerst gelungen bezeichnet werden und wir freuen uns schon auf die nächsten VÖs aus dem Hause Lisa Film / Subkultur Entertainment.

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Darsteller: Elisabeth Volkmann, Kai Fischer, Christine Schuberth, Renate Kasche, Bert Fortell
Regisseur(e): Kurt Nachmann
Format: Breitbild
Untertitel: Deutsch
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.66:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Subkultur Entertainment
Produktionsjahr: 1971
Spieldauer: 90 Minuten

Diese BluRay wurde uns freundlicherweise von Lisa Film / Subkultur Entertainment zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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1 Antwort

  1. 23. März 2020

    […] Bluntwolf kann auf Nischenkino der 1970er Verfilmung von „Jospehine Mutzenbacher“ nichts abgewinnen. Da kenne ich nur die Hans-Billian-Version von 1976 und glaube, dabei belasse ich […]

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