Junge Mädchen zur Liebe gezwungen / La settima donna / The Last House on the Beach

Nach einem Banküberfall, bei dem zwei Menschen ihr Leben verlieren, versucht das Gangster-Trio der Polizei zu entkommen. Als ihr Fluchtwagen direkt vor einer abgelegenen Villa den Geist aufgibt, entschließen sich die drei, sich in dem Haus zu verstecken, bis die Luft rein ist. Nichtsahnend von den Geschehnissen außerhalb, probt eine Gruppe Schülerinnen in der Villa für ein Theaterstück, als plötzlich die drei Gangster vor ihnen stehen und alle als Geiseln nehmen. Für die Frauen beginnt in dieser Sekunde ein unbeschreiblicher Albtraum aus Gewalt, Vergewaltigung und unfassbarer Demütigung. Mit immer stärker ausufernder Grausamkeit schikaniert das Trio die weiblichen Bewohner und als sie zu weit gehen, entschließen sich die Opfer dazu, ihre Peiniger für die Qualen büßen zu lassen! (filmArt)

Kurzinhalt inkl. Spoiler !!!

Drei junge Kriminelle, die gerade eine Bank ausgeraubt haben, flüchten in ein Haus an einem Hang am Meer. Dort finden sie neben fünf Teenagerinnen, die ein Bühnenstück für ihr Jahresabschlussfest einüben, auch noch deren Gouvernante Schwester Cristina und ein Dienstmädchen vor. Die Verbrecher töten zuerst das Dienstmädchen, vergewaltigen dann die Nonne und eines der Mädchen, schicken einen Postboten (dem die Gouvernante eine Nachricht für die Polizei zugesteckt hat) in die ewigen Jagdgründe und ermorden schließlich auch noch ein weiteres Mädchen auf brutalste Art und Weise. Von diesem Punkt an beginnt Schwester Cristina damit sich für die üblen Taten der Eindringlinge zu rächen. Einer der Täter wird von ihr vergiftet, während sie einen anderen erschießt. Der dritte, Aldo, der Anführer der Bande und der grausamste von allen, wird letztendlich von den übrig gebliebenen Mädchen vor den Augen von Schwester Cristina gnadenlos um die Ecke gebracht.

Franco Prosperis La settima donna (der zweite Film, den er nach Il commissario Verrazzano (Policeman Luc Merenda, 1978) für Produzent Pino Buricchi gedreht hat) stellt definitiv einen bastardisierten Beitrag zum Euro-Crime Genre dar, der hauptsächlich durch die interessante Eröffnungssequenz gerechtfertigt wird. Die zeigt nämlich einen Raubüberfall, der in Blutvergießen endet. Diese Sequenz führt die Charaktere ein, indem sie nur ihre Füße sowie Hände und nie ihre Gesichter zeigt – ein Trick, der sich gegen Ende des Films als entscheidend für die Handlung herausstellen soll, wenn die gleiche Szene erneut abgespielt wird. Diesmal sind jedoch die Gesichter der Verbrecher zu sehen, womit die Rolle jedes Einzelnen während des Raubüberfalls mit etwas überraschendem Ergebnis aufgezeigt wird. Hierbei handelt es sich um ein recht gelungenes Paradestück, das Prosperis Fähigkeiten als Filmemacher sehr gut widerspiegelt.

Der restliche Film ist der Sexploitation bzw. dem rape & revenge Film zu zuordnen und während der Streifen weder das beste noch das schlechteste Beispiel aus diesem Bereich darstellt, repräsentiert Junge Mädchen zur Liebe gezwungen auf jeden Fall ein sehr schäbiges sowie verkommenes. Als die drei Bankräuber im „The Last House on the Beach“ (um einen alternativen US-Titel zu nennen, der die Hauptinspiration des Films verrät) Zuflucht suchen, das von mehreren Schulmädchen sowie ihrer Lehrerin Schwester Cristina (Florinda Bolkan, nach Flavia, la monaca musulmana / Nonnen bis auf’s Blut gequält von 1974 wieder in Nonnentracht) bewohnt wird, beginnt die Zeit der Vergewaltigung, die Prosperi in glorreichem Sexploitation-Modus darstellt. Trotz Schwester Cristinas Versuchen die Mädchen zu beschützen (wobei sie selbst fleischlicher Gewalt ausgesetzt wird: „Bevor ich Nonne wurde, war ich eine Frau“, gesteht sie am Abendbrottisch, als einer der Vergewaltiger vor allen verkündet, dass sie auch schon vor der Vergewaltigung keine Jungfrau mehr gewesen ist), machen die drei Männer alles mit ihren minderjährigen Opfern, was sie wollen.

Neben der üblichen Produktplatzierung (J&B Flaschen gibt es im Überfluss zu sehen) wird auch noch Raum für ein paar ungewöhnliche Details gelassen. Zum Beispiel läuft eine Sequenz aus Giuliano Petrellis L’occhio dietro la parete (Eyes Behind the Wall, 1977) im Fernsehen, während einer der Vergewaltiger aus William Faulkners Roman Sancuary (Die Freistatt, 1931) zitiert (der vom moralischen Verfall, der Gewalt und Sexualität sowie dem Verbrechen und der Heuchelei im Süden der Vereinigten Staaten von Amerika handelt!). Die Charaktere sind grob skizziert und schematisch angelegt worden (mit Ausnahme von Ray Lovelocks Aldo, dessen gutes sowie unschuldiges Aussehen von Prosperi listig zum Einsatz gebracht wird, um die Zuschauer über die wahre Natur der Figur täuschen zu können), während der Erzählfortschritt als minimal zu bezeichnen ist. Was übrig bleibt, ist eine Abfolge von düsteren, frauenfeindlichen und ausbeuterischen Szenen: Nacktheit von jugendlichen Mädchen, Vergewaltigungen in Zeitlupe, fiese Wunden und mannigfaltige Morde.

Das pièce de résistance stellt eine Entjungferung mit einem Stock dar, die so eindringlich choreografiert worden ist (Aufnahmen aus der Perspektive des Opfers, hohe Aufnahmewinkel und Zeitlupe, Trommeln im Soundtrack), sodass die berüchtigte Springmesser-Vergewaltigungs-Sequenz aus L’ultimo treno della notte (Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien, 1975) im Vergleich dazu recht blass erscheint. So zweifelhaft sich der Streifen auch präsentieren mag, so stellt La settima donna dank seines zuverlässigen Regisseurs dennoch ein ziemlich gelungenes Stück von Film dar. Junge Mädchen zur Liebe gezwungen schnitt an den italienischen Kinokassen sehr schlecht ab, erlangte im Ausland aufgrund seiner übertriebenen Exzesse jedoch wenigstens einen marginalen Bekanntheitsgrad. Der Höhepunkt, bei dem Lovelock von den übriggebliebenen Mädchen erschlagen und zu Tode getreten wird, inspirierte möglicherweise das Ende von Quentin Tarantinos Death Proof (2007). Das Sub-Genre würde mit Raimondo Del Balzos Midnight Blue (1979) definitiv in Richtung Sexploitation und Sleaze abdriften, ganz zu schweigen von Ruggero Deodatos düsterem La casa sperduta nel parco (Der Schlitzer, 1980).

filmArt bringt Junge Mädchen zur Liebe gezwungen in einer Blu-Ray Edition (auf 1000 Exemplare limitiert) heraus und leistet damit, wie bereits gewohnt, klasse Arbeit. Das Bild präsentiert sich im 2,35:1/1080p Full HD und sieht absolut toll aus. Es zeigt sich enorm scharf und wunderbar detail- und kontrastreich. Da hat sich die Restauration wirklich gelohnt. Beim Ton kann man zwischen den Sprachen Deutsch und Italienisch (1.0 Mono DTS-HDMA) wählen, wobei deutsche sowie englische Untertitel zuschaltbar sind. Außerdem gibt es neben dem deutschen und italienischen Trailer, einer Grindhouse-Fassung (HD), einem Wendecover, einer ‚Flashframe‘-Montage, offiziellem Artwork von Enzo Sciotti und einer Bildergalerie auch noch ein 16-seitiges Booklet von Dr. Heiko Hartmann mit dem äußerst interessanten sowie informativen Text „Und bist du nicht willig, so brauche ich Gewalt!“ – Die Ambivalenzen und Verlockungen des Rape and Revenge-Films. Das Highlight der Boni stellt allerdings der Audiokommentar von Prof. Dr. Marcus Stiglegger dar, der wieder einmal viel Interessantes, Informatives sowie Unterhaltsames über das Thema des Films und dessen Produktion sowie Schauspieler zu berichten hat. Fans von Sexploitation– bzw. Rape & Revenge-Filmen werden ohne jegliche Frage ihren Spaß mit Junge Mädchen zur Liebe gezwungen haben.

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung: Nicht geprüft
  • Regisseur: ‎Prosperi, Franco
  • Medienformat: Breitbild
  • Laufzeit: 1 Stunde und 30 Minuten
  • Darsteller: ‎Bolkan, Florinda, Lovelock, Ray, Andreini, Flavio, Cedrati, Stefano, Buchanan, Sherry
  • Untertitel: ‏Deutsch, Englisch
  • Studio: filmArt

Die Screenshots stammen nicht von dieser Edition !!!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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