Kansas Raiders / Reiter ohne Gnade

Nach der Ermordung seiner Eltern durch Nordstaatler will sich der junge Jesse James gemeinsam mit seinem Bruder Frank und drei Freunden den Konföderierten anschließen, um Rache zu üben. Sie stoßen zu dem legendären Colonel Quantrill, obwohl sie gewarnt werden, dass der nur zu seinem eigenen Vorteil rauben und morden lässt. Obwohl Jesse schnell der sinnlosen Gewalt überdrüssig wird, steht er loyal zu Quantrill, bis die Nordstaatler einen entscheidenden Angriff auf das Versteck Quantrills unternehmen.

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Regisseur Ray Enright lässt den Audie Murphy B-Western „Reiter ohne Gnade“ besser aussehen als dieser es verdient hat. Warum dem so ist, ist schnell und einfach erklärt: Die wilde Saga über Jesse James‘ berüchtigte Taten während er im amerikanischen Bürgerkrieg an der Seite von Colonel Quantrills „Raiders“ ritt, veranschaulicht (leider) sehr gut wie die amerikanische Geschichte im Hollywood-Stil umgeschrieben wurde, um das Drama erhöhen zu können. Der Film berichtet über die gesamte Zeit, die Jesse und seine Bande bei Quantrill verbrachten, bis dieser durch Soldaten der Union zu Tode kam. Allerdings hatte Jesse zum Zeitpunkt der „Kansas Raid“ seine Heimat noch gar nicht verlassen und lediglich sein älterer Bruder Frank soll an diesem Massaker teilgenommen haben. Jesse reitet hier also viel früher in den Krieg als es in Wirklichkeit geschehen ist. Davon mal abgesehen schart Audie Murphy eine ordentliche Schauspiellerriege um sich: Brian Donlevy als der berüchtigte Colonel Quantrill, Scott Brady als ‚Bloody‘ Bill Anderson, James Best als Cole Younger, Tony Curtis als Kit Dalton, Richard Long als Frank James und Marguerite Chapman als Quantrills Frau.

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Kansas Raiders beginnt mit einer beispielhaften Montage, die den amerikanischen Bürgerkrieg zusammenfasst. Der Erzähler klingt dabei entsprechend düster: „Mehr als vier lange, bittere Jahre wurde diese Nation vom Bürgerkrieg zerrissen, der blutigste und zerstörerischste Krieg unserer Geschichte, denn es war ein Krieg Nachbar gegen Nachbar, Familie gegen Familie, Bruder gegen Bruder, Flagge gegen Flagge. Allerdings beschränkte sich das Töten nicht nur auf die Armeen von Nord- und Südstaaten. Dieser Krieg züchtete sogenannte Guerilla Truppen heran, die aus Gesetzlosen und Deserteuren bestanden und unter den Flaggen von beiden Seiten mordeten, brandschatzten und plünderten. Die wildeste und gnadenloseste dieser abtrünnigen Truppen, dessen organisierte Gewalt das Land terrorisierte; marschierte, plünderte und mordete unter der ominösen „Schwarzen Flagge“ von William Clark Quantrill.“ Kaum sind Jesse (Audie Murphy), sein Bruder Frank (Richard Long) und ihre engen Freunde Kit Dalton (Tony Curtis), Cole Younger (James Best) und James Younger (Dewey Martin) ins kriegszerissene Kansas eingeritten, beginnt auch schon eine Gruppe von paranoidenRed-Legs“ einen Mob zu organisieren, um sie zu lynchen. Durch die Intervention eines gerechten Union Army Captains (Richard Arlen) überleben unsere Helden den Lynchversuch. Obwohl die Jungs verkünden sie hätten von Colonell Quantrill noch nie gehört, sind sie in Wirklichkeit auf der Suche nach ihm. Als sie Kate Clarke (Marguerite Chapman) mit ihrem außer Kontrolle geratenen Pferdegespann helfen, gelangen sie zufällig auf die Spur des berüchtigten Colonels. Jesse ist begeistert von Quantrill und glaubt dieser sei ein echter, ehrenhafter Kämpfer während Kate innerhalb der gerade einmal 80 Minuten Laufzeit wiederholt versucht diesen falschen Eindruck zu korrigieren.

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Obwohl er Quantrill noch gar nicht kennengelernt hat, wird dieser von Jesse energisch verteidigt: „I don’t like to stand by and see nobody blacken a man’s name.“ Als die Freunde den Guerilla Führer schließlich treffen, hält er gerade Gericht über einige Unionssoltaten und verurteilt sie wegen Spionage zum Tode. Jesse und seine Truppe werden zunächst einmal ausgiebig gemustert, um dann von Quantrill als würdig erwiesen zu werden. Um Jesse zu prüfen schickt Quantrill seinen engsten Mitstreiter Rudolph Tate (David Wolfe) los, der den jungen Heißsporn zu einem Messerkampf provozieren soll. Jesse triumphiert über den körperlich überlegenen Mann und tötet ihn. Später will er Kate nicht glauben, dass Tate ihn, auf Quantrills Befehl hin, testen sollte. Ironischerweise stellt sich dann noch heraus, dass Tate ein Spion der Nordstaatler war.

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Robert L. Richards zeichnet ein verabscheuenswertes Porträt von Quantrill als Mörder. Doch trotz des Bösen, das Quantrill und die James/Younger Gang repräsentieren, wird jeder von ihnen in einem „guten“ Licht dargestellt. Margaret Chapman dient als das Gewissen des Films. Jesse verliebt sich in sie und gelangt so unter ihren Einfluss. Trotzdem hat sie einige Schwierigkeiten Jesse davon zu überzeugen Quantrill zu verlassen, denn der versucht wiederum Jesse an sich zu binden und betrinkt sich mit ihm während sie Strategien für die nächsten Einsätze diskutieren. Als dann die erste „Raid“ stattfindet gefällt Jesse überhaupt nicht wie die Dinge laufen und verweigert die Teilnahme am nächsten Raubzug: „I came here to fight. Came here straight from my home, what’s left of it three weeks ago. That was the day Frank and me came home and found the house burning and my ma with her arm shot off, my pa hanging in a tree in the front yard. It was Redlegs, Yankee guerrillas. One of ‚em drunk was still there. I come here because I wanted to kill every man I could ever find that would do a thing like that. Then we went out on that raid the other day. I found we were doin‘ the same thing. We was murderin‘ people that didn’t have no chance. People just like my ma and pa. Maybe that’s strategy, colonel, and maybe I don’t understand it, but you don’t need me for what you’re going to do.“

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Kate versucht daraufhin Jesses Meinung zu festigen: „Bloodshed and murder don’t mean anything to Quantrill. It’s all part of a dream, a dream of playing war. But the people he kills are real people.“ Quantrill bleibt trotz Jesses Reformierungsversuchen manipulativ und verlogen. Irgendwann gelingt es den Unionstruppen die Guerillas derartig zu dezimieren, sodass Quantrill seine Meute von Mördern und Plünderern auflöst. Nur noch Jesse und seine Gefährten bleiben bei Quantrill, der während einer Schießerei sein Augenlicht verliert. Die Nordstaatler haben sie in einer ausgebrannten Hütte umstellt und Quantrill kann sein übriggebliebenes Gefolge davon überzeugen zu fliehen und ihn zurückzulassen, damit er in Glanz und Gloria untergehen kann. Er stirb im Kugelhagel der Unionssoldaten. Kansas Raiders schönt nicht das Bild des Colonel Quantrill aber Jesse und seine schießwütige Bande werden in einem heldenhaften Licht dargestellt, dem sie natürlich nicht gerecht werden. Die „Helden“ dieses Films waren in Wirklichkeit mordende, bankraubende Gesetzlose, die heutzutage wohl als Soziophaten bezeichnet werden würden.
Immerhin sind die Kampfszenen effizient in Szene gesetzt worden.

 

ROG0Reiter ohne Gnade ist im Rahmen der Koch Media Western Legenden Serie als Nummer 20 auf BluRay erschienen. Bild (4:3 – 1.33:1) und Ton (deutsch und englisch DTS-HD 2.0) befinden sich in sehr gutem Zustand. Die Extras bestehen aus einem Original-Trailer, einem Featurette über Audie Murphy und einer sehr umfangreichen Bildergalerie.

Der Film selbst ist jetzt nicht schlecht (abgesehen von den o.g. Defiziten) aber es hat schon seinen Grund warum ich die italienische Variante des Westerns der amerikanischen (besonders der 50er Jahre) bevorzuge.

 

 

 

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Diese BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Media zur Verfügung gestellt. Covergestaltung sowie Verpackungsmaterial standen uns zur Beurteilung nicht zur Verfügung.

 

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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