Keine Gnade für Ulzana

Ulzana’s Raid (Keine Gnade für Ulzana, 1972) ist ein Western von Robert Aldrich (The Dirty Dozen) der von Explosive Media nun als Special Edition erhältlich ist, die auf DVD auch die von Burt Lancaster erstellte Fassung enthält (die in den europäischen Kinos lief), und im Vertrieb von Koch Media erscheint.

Der Film handelt von dem blutjungen aber motivierten Kavallerie-Leutnant DeBuin (Bruce Davison), der zusammen mit einem Trupp Soldaten den aus dem Reservat ausgebrochenen Apachenhäuptling Ulzana (Joaquín Martínez) bezwingen soll, der mit einer Hand voll Kämpfern das Umland unsicher macht, Landwirte ermordet und Pferde stiehlt. An seine Seite bekommt er den erfahrenen Scout McIntosh (Burt Lancaster), den Indianerscout Ke-Ni-Tay (Jorge Luke) und seinen pflichtbewussten Sergeant (Richard Jaeckel). Während sie in mühsamen Tagesritten Ulzana nachstellen, erleben Sie mit eigenen Augen die Grausamkeit, mit der dieser vorgeht. Tote, Verletzte und Vergewaltigte Zivilisten und Tiere finden sie auf. Für Lt. DeBuin ist es eine Feuertaufe. Der gläubige junge Mann vermag die Apachen nicht zu verstehen, die Brutalität traumatisiert ihn. Während sie dank McIntoshs und Ke-ni-Tays Hilfe der marodierenden Apachenbande näher kommen, ringt der Soldat mit seinem größer werdenden Hass……

Ich war letztlich etwas überrascht, dass ich den Film noch nicht kannte. Umso besser also, dass ich total begeistert von dem Film bin. Es handelt sich dabei um einen unglaublich erwachsen anmutenden, sich in Realismus versuchenden Anti-Western. Die Indianerkriege hinterfragend und gleichsam aus der stilistischen Trickkiste des Genres schöpfend malt Aldrich hier eine Geschichte von starker moralischer Strahlkraft an die Leinwand. Im Vordergrund steht dabei die großartige Leistung des jungen Bruce Davison (X-Men) als schnell lernenden, strapazierfähigen jungen Offizier, der sich angesichts der harten Realität schnell innerlich zu festigen hat. Lancasters McIntosh ist dabei allerdings mehr als nur Beiwerk. Er fungiert hier als eine Art Ziehvater oder Mentor, der den Jungen zwar auch mal auf die Schippe nimmt, aber ihm als ehrlicher Berater zur Seite steht und damit verhindert dass der junge unerfahrene Soldat früh Opfer seines Hasses und Schocks wird, wie so manche Leute unter seinem Kommando, die er bald im Handeln nicht mehr von den grausamen Apachen unterscheiden kann.

Der Film ist brutal, teils sogar sehr explizit brutal und unerwartet blutig. Schöne Landschaften wechseln sich ab mit schockierenden Nahaufnahmen von Gewalttaten. Großartige Darsteller, in einer Nebenrolle z.B. Richard Jaeckel (The Dirty Dozen), ein ausgezeichnetes Drehbuch mit sehr guten Dialogen, und ein allerdings nur eher mittelmäßiger Soundtrack runden das Erlebnis ab. Was funktioniert ist die nicht übertriebene Personalisierung dieses Geschichtskapitels, bei der die Apachen weder einseitig oder gar nicht dargestellt werden, noch der Konflikt als schwarz-weiß interpretiert wird. Auch ließ Aldrich davon ab, im Stil von Soldier Blue richtig herb aufzutragen oder einen auf Old Hollywood zu machen im Stil von The Searchers (auch wenn beide Filme sicherlich wichtige Einflüsse waren). Die teils verstörend graphischen Gewaltszenen lassen den innerlichen Kampf von DeBuin real werden, und setzen einen Kontrapunkt zur Westernromantik und dem abgeklärten Realismus von McIntosh. Als Zuschauer ist diese Mischung letztlich ein positives Erlebnis, denn man bekommt einen spannenden Western, der gleichzeitig harte politisch-historische Kost ist, ein ernstzunehmendes Drama, aber immer noch Unterhaltungswert hat ohne zu sehr zu deprimieren. Kein Wunder dass der Film über die Jahre so viele neue Fans gefunden hat, er ist wirklich hervorragend und keine Minute gealtert.

Ulzana’s Raid kam in Europa in einer leicht abgewandelten Version in die Kinos, die unter der Ägide von Lancaster entstand und daher als Lancaster-Cut bekannt ist. Diese Fassung unterscheidet sich minimal vom Aldrich-Cut, und lässt einige Aufnahmen vermissen die aufgrund der Strenge britischer Zensoren was Tieraufnahmen angeht fehlen. Leider gibt es von der Version kein HD Material, sie liegt hier also nur auf DVD bei (Deutsch und Englisch, Bildqualität auf recht niedrigem Niveau). Später hatte der WDR einmal versucht, beide Fassungen zusammen zu basteln. Diese Mischfassung von WDR gibt es bislang nicht und ist hier auch nicht enthalten (sie war ja auch ein Alleingang des Senders). Es ist zu betonen, dass es jeweils Material gibt das in der jeweils anderen Fassung fehlt. Sowohl die Lancaster Fassung als auch der US-Cut von Aldrich haben ihre Eigenheiten. Ein Seite-an-Seite Vergleich von Schnittberichte gibt es bislang nicht, aber Markus Tschiedert geht im Booklet auf den ein oder anderen merklichen Unterschied ein. Er betont auch wichtigerweise dass die bislang in Europa erschienenen DVDs auch schon den Aldrich-Cut enthielten, nicht den Lancaster-Cut. Unter diesem Link fand ich übrigens einen recht Interessanten Artikel über Aldrich und Lancaster.

Die BluRay bietet ordentliches Bild. Zwar gibts teilweise mehr DNR als mir lieb ist, was in sichtbaren Rauschmustern resultiert, dafür sehen Close-ups ordentlich aus, sind die Farben sehr lebhaft und der Kontrast auch in Ordnung. Insbesondere in Landschaften oder bei Elementen im Hintergrund kommt der Bildtransfer an seine Grenzen und die Schärfe lässt nach, da hilft auch kein Edge-Enhancement. Insgesamt ein sehr gutes Bild mit einigen Schwächen an denen sich Besitzer sehr großer Bildschirme auf hohem Niveau stören könnten. Der Ton klingt sehr gut und überzeugt durch einen klaren Klang, gute Tiefen und verständliche Dialoge.

An Sonderausstattung bekommt man hier das recht gute Booklet mit dem Text von Markus Tschiedert, das ganze kommt im Pappschuber. Dem Aldrich-Cut liegt auch die TV-Neusynchronisation bei die man optional auswählen kann (empfehlen tue ich, und getestet habe ich wie immer nur die Originalfassung des Films). Es gibt deutsche und englische Untertitel. Außerdem gibt es eine Bildergalerie und den Trailer. Insgesamt ein rundes Paket das sowohl Lancaster- als auch Westernfans voll zufrieden stellen könnte. Lediglich ein Audiokommentar hätte noch gefehlt.

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Die BluRay/DVD wurde uns freundlicherweise von Koch Media zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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1 Antwort

  1. 3. Juni 2018

    […] IHN GEHEN, die Lee Marvin Filme MONTE WALSH und PRIME CUT, die Burt Lancaster Western VALDEZ und KEINE GNADE FÜR ULZANA um nur einige zu nennen. Zu absoluten Enttäuschungen zählen sicherlich die Serien BECKER, die mir […]