King Kong gegen Godzilla / Gojira tai Mekagojira

Was ist mit Godzilla los? Das menschenfreundliche Ungeheuer scheint plötzlich zu seinen bösen Wurzeln zurück zu kehren. Doch weit gefehlt. Hinter den Angriffen steht eine außerirdische Macht, die mit einem Godzilla-Doppelgänger in Roboterform Angst und Schrecken verbreitet. Doch die Affenmenschen aus dem All haben die Rechnung ohne Godzilla gemacht, der sogar noch Verstärkung durch den mystischen König Ceasar von der Insel Okinawa erhält. Gleichzeitig kämpfen die Menschen mit Hilfe von Interpol-Agenten gegen die Invasoren. (Anolis Entertainment)

King Kong gegen Godzilla (Gojira tai Mekagojira), der die einzigen 70er Jahre Toho-Monster einführt, die beinahe die Popularität der früheren Kreationen Mothra und King Ghidorah erreichten, wird den letzten Einträgen der Reihe gegenüber in der Regel als ein Schritt nach Vorne und der beste der 70er Jahre Kaijus angesehen, obwohl der unmittelbare Nachfolger Die Brut des Teufels (Mekagojira no gyakushu, 1975) doch als noch besser zu bewerten sein sollte. Der Film profitiert zwar von höheren Produktionswerten als seine Vörgänger, ist nicht so sehr für Kinder konzipiert und liefert sicherlich eine Menge Aktion, doch fühlt er sich zu stark auf Sicherheit gemacht an. Die Idee mit Mechagodzilla ist großartig, allerdings geht sie größtenteils in einem Film verloren, der mehr oder weniger nur die Plots früherer Filme neu mischt und bei dem die allgemein ernste Herangehensweise nicht richtig funktioniert, weil das Skript vor Albernheit nur so strotzt. Dieser Kaiju Beitrag ist insgesamt bestimmt besser als King Kong – Dämonen aus dem Weltall, Frankensteins Höllenbrut und Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster, allerdings fehlt leider Einiges von derer Schrulligkeit. Trotzdem macht der Streifen natürlich immer noch viel Spaß, nicht zuletzt weil Regisseur Jun Fukuda in seinem letzten Godzilla Film mehr persönlichen Stil als gewohnt zeigt.

Riesige Monster konvergieren auf Okinawa! Showdown in Zanpamisaki war das ursprüngliche Konzept für das, was der Film zum 20. Jahrestag des Godzilla-Franchises darstellen sollte. Shinichi Sekisawa und Masami Fukushima schrieben die Geschichte, die von Hiroyasu Yamaura und Jun Fukuda zu einem Drehbuch entwickelt wurde. Die Handlung war im Grunde bereits das, was letztendlich übrig blieb, wobei jedoch Mothra das Okinawa-Gottmonster, das in einer Höhle lebt/gefangen ist, sein sollte (was aber früheren Mothra-Abenteuern widersprach) und Garugu sollte eigentlich die Rolle der Roboter-Kreatur übernehmen, die von Außerirdischen kontrolliert wird, um die Erde zu erobern. In den beiden nachfolgenden Entwürfen wurde Mothra zu König Barugan, der dann zu König Ceaser wurde, während in dem, was ein Moment großer Innovation zu nennen ist, Garugu zu Mechagodzilla wurde, einem Roboter, der zunächst als der König der Monster getarnt wird. King Kong gegen Godzilla war außerdem der erste Godzilla-Film, der in seiner ursprünglichen japanischen Version die Namen der Jungs in den Monster-Anzügen im Vorspann erwähnte. Der Film hielt sich an den Kinokassen besser als die vorherigen zwei Kaijus, allerdings nicht sehr viel, die Erfolgskurve der Reihe war immer noch deutlich am Absinken.

Die meisten Godzilla-Filme bemühen sich gewohnter Weise um einen gewissen Aufbau, bis es zu der Monster-Action kommt. In den frühen Streifen dauert es normalerweise mindestens eine halbe Stunde, bevor die Monster erscheinen, zumindest im Detail, während alle Monsterkämpfe eher im letzten Drittel stattfinden. Mitte der 60er Jahre änderte sich dies langsam, da Toho, aufgrund der zunehmenden Popularität ihrer Filme bei Kindern, begann, ihre Monster-Stars früher auftreten zu lassen und mit mehr Frequenz zu zeigen. Godzilla vs. Mechagodzilla stellt dabei eine Kuriosität für sich dar, denn in dem ersten Drittel des Films gibt es mehr Monster-Action zu bestaunen, als im letzten Drittel. Tatsächlich kommt schon in der ersten Szene ein Monster vor, nämlich Angilas, der sich über eine seltsame Explosion auf Mt. Fuji wundert. Die frühe Phase dieses Kaijus legt ein unheimliches Tempo vor; im Gegensatz zu King Kong – Dämonen aus dem Weltall wird dieses Mal eine richtige Exposition präsentiert, doch die wird in Höchstgeschwindigkeit durchgezogen. Zunächst erscheint ein komischerweise böse gewordener Godzilla, der Angilas in einer blutigen Auseinandersetzung besiegt, um danach mit der Zerstörung einer Ölraffinerie zu beginnen. Hier wird bereits die einzige richtige Zerstörungsszene des Films „verbraten“, doch glücklicherweise handelt es sich dabei ausnahmsweise mal nicht um wiederverwendetes Material. Dann erscheint plötzlich der echte Godzilla, der durch ein riesiges Gebäude bricht und den Panzer des anderen Godzilla ansengt, um ihn als Cyborg zu entlarven. Diese Konfrontation ist allerdings sehr schnell vorbei, der echte Godzilla hat scheinbar keine Chance gegen das, was jetzt seinen Roboter-Doppelgänger verkörpert. Die Monster sind anschließend dann bis zu den letzten zwanzig Minuten inaktiv, wobei, ähnlich wie in den Mothra-Filmen, die Auferweckung des Okinawa-Gottes König Caeser ausführlich geschildert und mit einem langatmigen Lied vollendet wird. Einmal wiederbelebt, zeigt sich die albern aussehende Kreatur ziemlich unfähig im Kampf gegen Mechagodzilla (seine Spezialtechnik ist gegen ihn zu laufen bzw. zu rammen) und benötigt dringend die Hilfe Godzillas. Die Monsterkämpfe, die eine nette Sergio Leone Huldigung einschließen, sind weniger komisch als in den beiden vorherigen Filmen, stellen jedoch nichts Außergewöhnliches und Erinnerungswertes dar, außer vielleicht die große Menge an Monsterblut oder Angilas‘ Kieferbruch. Zwischen all der Monster-Action am Anfang und am Ende, bekommt man das übliche Menschen gegen Außerirdische Zeugs geboten, das Kaiju-Fans schon bestens bekannt ist. Dabei werden teilweise Befehl aus dem Dunkel (Godzilla: Invasion of the Astro-Monster, 1965) und Frankensteins Höllenbrut neu aufgegossen. Die Außerirdischen sind mal wieder verkleidete Tiere (hier Affen, da die Planet der Affen-Reihe in Japan sehr populär war), welche die Sachkenntnis eines Erdenwissenschaftlers benötigen, während sie sich in einer unterirdischen Höhle verstecken, die der von Dr. No verdächtig ähnelt. Die zahlreichen Kämpfe und Shoot-Outs sind sehr brutal inszeniert, wobei man zusehen kann wie ein Alien langsam garrottiert wird oder zweimal Aliens ins Gesicht geschossen wird und dabei Blut spritzt.

Bei den Monsterkostümen wird der Godzilla-Anzug aus King Kong – Dämonen aus dem Weltall wiederverwandt, doch hier mit neuem Kopf, der schärfere Zähne und einen grimmigeren Blick aufweist, was immer noch bekloppt aussieht. Ein noch beknackterer Anzug, der eigentlich nur für Werbemaßnahmen gedacht war, kommt zum Einsatz, während Mechagodzilla als Godzilla verkleidet ist und auch von diesem komischen Wasseranzug wird wieder kurz Gebrauch gemacht, was dazu führt, dass sich das Erscheinungsbild Godzillas im Verlauf des Films manchmal ändert. König Caesars Darstellung (teils Löwe, teils Hund) basiert auf tatsächlichen Okinawa Wächter-Statuen und ist mit einem zerlumpten Anzug, der aussieht, als hätte er einmal „Hölle und zurück“ hinter sich, ziemlich lächerlich geraten. Mechagodzilla ist allerdings genial entworfen worden, mit erstaunlichen kämpferischen Fähigkeiten und einer beeindruckenden Reihe an Waffen. Der Riesenroboter ist zum Beispiel in der Lage seinen Kopf um 360° zu drehen, damit seine Augenstrahlen überall hin feuern können und außerdem mit Fingerraketen ausgerüstet, die großen Schaden anrichten. Ein Kraftfeld, das Mechagodzilla Schutz bieten soll, kann ebenfalls von dem Cyborg kreiert werden. Warum sich die Aliens die Mühe machen ihre Mördermaschine wie Godzilla aussehen zu lassen, ist nicht sonderlich nachvollziehbar, sowie die Handlung sowieso voll von Fehlern ist, wie zum Beispiel die Prophezeiung [Einspielung von King Ghidorah – Das Dreiköpfige Monster]: „Wenn ein schwarzer Berg über den Wolken erscheint, wird ein Monster ankommen, um die Welt zu zerstören. Aber wenn der rote Mond untergeht und die Sonne im Westen aufsteigt, erscheinen zwei Monster, die das Volk retten werden.“ Es scheint so, dass die Aliens, die vom dritten Planet des Schwarzen Lochs (oder so) stammen, auf bestimmte merkwürdige Vorgänge warten, bevor sie ihren Angriff beginnen. Offensichtlich halten sie es dabei nicht für nötig die beiden zweiten Teile der beiden Prophezeiungen zu lesen, oder?! Das Eklatanteste von allem, warum zur Hölle erscheint der Azumi-Priesterin in ihrer Vision King Ghidorah!??!

Jun Fukuda, unterstützt von seinem Kameramann Yuzuru Aizawa, tat sein Bestes, um diesem Film einen persönlichen Stempel aufzudrücken, indem er einen Großteil der menschlichen Handlungen und Aktionen der Aliens mit einer handgehaltenen Kamera auf recht wackelige Art und Weise drehte, was dem Streifen einen modernen Look verleiht und zum Glück, nicht wie in vielen zeitgenössischen Filmen, übertrieben wurde. Masaru Sato konnte für die Musik des Films wiedergewonnen werden und er liefert dabei gute Arbeit ab. Während Godzilla noch immer kein denkwürdiges Thema bekommt, geht die Titelmusik ins Ohr und beschwört leichtes Abenteuer herauf. Der Score für die Prophezeiung ist effektiv bedrohlich, wobei die Musik für die Kampfsequenzen wirklich spaßigen, leichtherzigen Monster-Combat beschreibt, ohne ins Alberne abzugleiten. Gegen Ende wird noch Kumongas Musik aus Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn wiederverwurstet. King Kong gegen Godzilla bietet interessante Elemente, wie die Folklore Okinawas, doch der allgemeine Zustand des 70er Jahre Toho Monster Filmemachens bedeutete, dass sich der resultierende Film (der in den 60er Jahren eventuell ein Hit gewesen wäre) nicht von dem Gewöhnlichen abheben würde. Das ist für eingefleischte Godzilla-Fans, die auf einer bestimmten Ebene alle Kaiju-Filme mögen oder sogar lieben, allerdings jedoch mehr als genug.

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  • Sprache: Japanisch (Dolby Digital 2.0 Mono), Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono)
  • Untertitel: Deutsch
  • Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1 Widescreen
  • Anzahl Disks: 2
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: Anolis Entertainment

Anolis Entertainment veröffentlicht King Kong gegen Godzilla in einer wie üblich auf 1500 Stück limitierten 2-Disc-Steelbook-Edition auf DVD. Das Bild (2,35:1 / 16:9) bietet auf beiden Scheiben wie bereits gewohnt anständiges Niveau und geht für das Alter des Films mehr als vollkommen in Ordnung. Beim Ton werden uns zwei Spuren (deutsch und japanisch Mono 2.0) geboten, die beide keinen Grund zur Beschwerde geben. Deutsche Untertitel sind auf Wunsch auch zuschaltbar. Die recht umfangreichen Extras bestehen aus einer deutschen, japanischen und internationalen Bildergalerie und einem 20-seitigem Booklet mit interessantem Text von Ingo Strecker, sowie dem deutschen, einem japanischen und italienischen Trailer. Auch die Audiokommentare von Jörg Buttgereit, Ingo Stecker und Alex Iffländer und ein weiterer mit Florian Bahr (Disc 1) sowie der von Thorsten Rosemann (Disc 2) sind wie immer sehr unterhaltsam und informativ. DVD eins beinhaltet die japanische Fassung und das Featurette „Mechagodzilla in Chicago“, während die zweite Scheibe neben der deutschen Kinoversion noch die deutsche Super-8 Fassung, ein Filmprogramm und einen Werberatschlag präsentiert. Insgesamt handelt es sich hier wieder um eine äußerst gelungene Veröffentlichung mit enorm viel Hintergrundinformationen über einen Film, der zwar genauso wie seine Vorgänger weit von den richtig guten Kaijus entfernt ist aber trotzdem noch ein ziemlich unterhaltsames Exemplar des Genres, mit wieder ganz eigenem („Trash“-) Flair, darstellt.

Diese DVD sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Anolis Entertainment zur Verfügung gestellt.

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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