Krieg im Frieden – Ein Spiel wird blutiger Ernst / Shoot

VHS – Edition

Amerika heute, sie spielen Krieg: Zwei Gruppen von Veteranen, die es zumindest am Wochenende nicht lassen können. Als der Zufall beide aufeinandertreffen lässt, spiegeln sich die unbewältigten Probleme des Vietnam-Debakels und des „American Dream“ von der unbegrenzten Freiheit wieder. Harte Action vor ernstem Hintergrund. (All-Video)

Krieg im Frieden – Ein Spiel wird blutiger Ernst (1976) repräsentiert einen gelegentlich faszinierenden Film, der sein Potenzial zu häufig nicht ausschöpft, hauptsächlich aufgrund des schleppenden Tempos und Harvey Harts (The Pyx, 1973) glanzloser Regie. Shoots große Stärke ist Cliff Robertsons gebieterische, leise erschreckende Vorstellung als Rex, einem Kaufhausbesitzer und Waffenliebhaber, der eine lokale Milizgruppe anführt und mit seinen Kriegskameraden am Wochenende Jagdausflüge unternimmt, darunter Lou (Ernest Borgnine) und Zeke (Henry Silva) sowie noch einige andere. Nach einem schlechten Tag, an dem niemand etwas an Jagdbeute erlegen konnte, begegnen sie einer anderen Gruppe von Jägern auf der anderen Seite eines Baches.

Die Männer starren sich stumm an, bis ein Schuss von der anderen Seite fällt. Zeke eröffnet das Feuer und tötet ein Mitglied der anderen Gruppe. Beide Parteien entfliehen dem Tatort und Rex liest am nächsten Tag in der Zeitung, dass die andere Gruppe den Behörden mitgeteilt hat, es habe sich bei dem tödlichen Schuss um eine “Streukugel“ gehandelt. Daraus schließt Rex: a) die Anderen wollten den Behörden nicht mitteilen, dass sie zuerst geschossen haben, und b) sie wollen die Rechnung begleichen. Diese Feststellung ist alles, was Rex benötigt, um wieder tief in seine alten Kampfphantasien eintauchen zu können, während die anderen Männer (mit Ausnahme des einfühlsamen Lou) nur allzu eifrig Waffen und Munition horten, um in die Schlacht zu ziehen.

Die Botschaft ist klar: diese Männer tragen noch immer den Kampf in ihren Herzen und sind nur glücklich, wenn sie töten können, vollkommen unabhängig vom Erfolg ihrer alltäglichen Berufe (Rexs Kaufhaus, Lous Druckerei, Zekes Friseursalon – wer hatte eigentlich gedacht Henry Silva als Friseur zu besetzen wäre eine gute Idee gewesen?). Robertson tut sein Bestes, um seine Rolle so gut wie möglich zu verkaufen, wobei es überall faszinierende Einblicke in seinen Charakter zu beobachten gibt – seine dysfunktionale Beziehung zu seiner Frau; zwei andere Frauen, die sich scheinbar an ihn heranmachen; das ganze Macho-Gerede; die Bereitschaft, seine unerfahrene Milizgruppe zu schikanieren und in die Irre zu führen (hauptsächlich junge einheimische Männer, die ihr Teenagerdasein gerade hinter sich gelassen haben und nur nach etwas Gesellschaft suchen), was sicherlich in einem Blutbad enden wird. Doch das Tempo des Streifens ist so langsam und die Energie so niedrig veranlagt worden, so dass Krieg im Frieden – Ein Spiel wird blutiger Ernst einfach nie an Dynamik gewinnen kann, zumindest nicht bis zum atemberaubenden Höhepunkt und bis dahin ist es allerdings bereits ein wenig zu spät.

Dennoch ist der Film nicht nur aufgrund von Robertsons Charakter mit vielen interessanten Ideen gespickt. Zeke ekelt sich zum Beispiel davor Rex‘ „schwarzen“ Sicherheitschef in die Gruppe aufzunehmen. Am meisten beeindruckt allerdings eine äußerst unbehagliche sowie unangenehme Szene, in der sich Rex unter dem Deckmantel eines alten Freundes, der seinen Respekt zollen möchte, Zugang zum Haus der Frau des Toten (Kate Reid) verschafft, obwohl er tatsächlich herausfinden will, wie viel sie weiß. Sie fragt ihn, ob er auch solch ein Waffennarr sei, wobei das Publikum davon ausgeht, sie würde nun jede Sekunde auf ihn losgehen, doch stattdessen ergeht sie sich in einer wahren Tirade darüber, wie notwendig doch Waffen wären, um mit all den Hippies, Junkies und sonstigen Taugenichtsen, „die in dein Haus einbrechen und dich vergewaltigen wollen“, abrechnen zu können. Danach versucht sie Rex anzumachen, indem sie verkündet, sie würde keine Unterwäsche tragen.

Es gibt viele Momente wie diesen, die Shoot unvergesslich machen, so als wäre der Flick viel besser als er es eigentlich ist, doch insgesamt lässt sich dies seltsamerweise nicht bestätigen. Mit all den Dingen, die es an seiner gelegentlichen Kühnheit zu bewundern gibt, schludert Hart zu oft mit ungeschicktem Schnitt (Silva verschwindet einfach während des Höhepunkts, wahrscheinlich weil er an einem anderen Film arbeiten musste), fallengelassenen Nebenhandlungen (was ist mit der sexuell frustrierten Frau eines Kumpels, die Rex zum Sex animieren möchte!?) und allgemeiner Inkompetenz (das Boom-Mikrofon ist ungefähr viermal zu sehen). Man kann zwar schon irgendwie nachvollziehen, wie Krieg im Frieden – Ein Spiel wird blutiger Ernst einen Kult um sich herum aufbauen konnte, aber dennoch bleibt der Film eine kleine Enttäuschung.

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  • Bildformat: Vollbild
  • Medium: VHS
  • Spielzeit: ca. 90 Minuten
  • Sprache: Deutsch
  • TV-Norm: PAL
  • Zustand: sehr guter Zustand – Hartbox
  • FSK: 18
  • Tonformat Analog: Mono
Sieht irgendwie stark nach Söldnerkommando aus ?!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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