La dama rossa uccide sette volte / The Red Queen Kills Seven Times

Eine alte Legende erzählt von einer schwarzen Königin, die die rote Königin, ihre Schwester, im Streit töten wird. Doch letztere wird nicht in ihrem Grab ruhen, sondern zurückkehren und sieben Menschen umbringen. Ihr letztes Opfer wird die verhasste Schwester sein… Die beiden Schwestern Kitty und Evelyn sind seit jüngster Kindheit zerstritten. Bei einem Handgemenge passiert ein Unfall und Evelyn stirbt. Um den Totschlag zu vertuschen, wird die Leiche im Kellergewölbe versteckt und angegeben, dass Evelyn spurlos in den USA verschwunden sei. Als in Kittys Umgebung plötzlich Morde geschehen, steht die Polizei vor einem Rätsel. Alle Indizien deuten auf Kittys Liebhaber, ihren Boss Martin Hoffman. Die Zeugen sprechen jedoch von einer Frau im roten Umhang, die Evelyn zum Verwechseln ähnlich sieht…

The Red Queen Kills Seven Times stellt eine deutliche Verbesserung gegenüber Regisseur Emilio P. Miraglias erstem Giallo (bzw. giallo-pseudofantastico) dar, La notte che Evelyn uscì dalla tomba (Die Grotte der vergessenen Leichen, 1971). Beide Filme spielen in einer ähnlichen gotischen Umgebung und kontrastieren die grelle zeitgenössische Welt mit der stattlichen Vergangenheit, aber The Red Queen fühlt sich kompetenter an und präsentiert sich konsequent engagiert. Das Drehbuch, von Miraglia und Giallo-Veteran Fabio Pittorru geschrieben, kann als clever bezeichnet werden und lässt sogar einige schöne Wendungen gut funktionieren. Das Konzept eines Familienfluchs verbindet den Film mit der Tradition der italienischen Gotik, die durch Filme wie Mario Bavas La maschera del demonio (Die Stunde, wenn Dracula kommt, 1960) charakterisiert wird, doch schon bald begibt sich der Film auf richtiges Giallo-Territorium, wobei eine mysteriöse, mit rotem Umhang getarnte Figur (eine schöne Abwechslung zum üblichen schwarzen Gewand!) damit beginnt, die Nebenbesetzung zu töten. Die verschiedenen Todesfälle sind gut inszeniert, während das wahnsinnige Lachen des Mörders einiges an Grusel und Schrecken versprüht. Auf technischem Gebiet ist der Film als sehr gelungen zu beschreiben.

Die Drehorte sowie die Kunstausrichtung sind großartig, wobei die Breitbildfotografie von Alberto Spagnoli einige schöne Bilder erschafft. Miraglias Regie ist weitaus flüssiger als bei Evelyn, während er es hier auch viel besser versteht den Film mit einem angemessenen Tempo auszustatten. Der Höhepunkt scheint direkt aus einem sogenannten silent serial zu stammen, da die Hauptdarstellerin in einem überfluteten Keller gefangen ist und die Helden zusammenarbeiten müssen, um sie rechtzeitig retten zu können, was in diesem Kontext großartig funktioniert. Der Gesamteindruck wird durch eine der bemerkenswertesten Musikpartituren von Bruno Nicolai wunderbar unterstützt. Ein Queue zitiert sein Hauptthema aus Jess Francos traumhaften La nuit des étoiles filantes (Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies, 1971). Auf der anderen Seite sind die Charakterisierungen ziemlich dünn ausgefallen und befinden sich eher auf der langweiligen Seite. Kitty Wildenbrück (Barbara Bouchet) ist eine enorm dünn gezeichnete Protagonistin. Sie weckt wenig Interesse beim Publikum und die Enthüllung des Geheimnisses, das sie verbirgt, dient lediglich dazu, sie als unsympathisch erscheinen zu lassen.

Ihr Geliebter, Martin Hoffmann (Ugo Pagliai), ist als ein egoistischer Schurke zu beschreiben, der mit jedem ins Bett hüpft, der Interesse an ihm zeigt, während alle anderen entweder langweilig oder offensichtlich darauf ausgerichtet sind, ein „roter Hering“ zu sein. Die Schauspieler geben unter den gegebenen Umständen ihr Bestes, was den Film allerdings nicht viel weiterbringt. Barbara Bouchet, Marina Malfatti und Sybil Danning sehen natürlich alle umwerfend aus, doch das ist auch schon so ziemlich alles, was von ihnen erwartet wird. Bouchet hatte ein Händchen dafür ihren Figuren in anderen Filmen etwas an Tiefe und Glaubwürdigkeit zu verleihen, doch hier tut sie nur was von ihr verlangt wird, ohne wirklich daran interessiert oder gar enthusiastisch zu sein.

Sie darf eine Reihe auffälliger Outfits tragen, nimmt an einigen Nacktszenen teil und trägt im Allgemeinen einen besorgten Gesichtsausdruck, der das Publikum wissen lässt, dass sie nervös ist, was letztendlich mehr als schauspielerische Affektiertheit rüberkommt als alles andere. Um Frau Bouchet gegenüber fair zu sein, wurden die Karten in diesem Fall gegen sie gemischt: es gibt einfach nicht viel, in das sie dramatisch hineinwirken könnte. Trotzdem macht La dama rossa uccide sette volte immer noch viel Spaß. Der Streifen bewegt sich im gleichmäßigen Tempo, sieht gut aus und bietet die Art von eleganter Exploitation, die man in diesen Filmen eben einfach liebt. Es handelt sich dabei um die Art von idealem „Comfort Movie“ für den Giallo-Fan, der auf einen alten Favoriten zurückgreifen möchte. Ach ja, Rudolf Schündler (hier als Rudolf Schindler), den man als Knörzerich aus den Lausbubenfilmen aber auch aus Suspiria oder Der Exorzist kennt, übernimmt die kleine Rolle des Tobias Wildenbrück, während Marino Masé (Der Teufel führt Regie, Play Motel, Astaron – Brut des Schreckens) den Polizeiinspektor geben darf.

Nicht nur aufgrund des Lobes kann La dama rossa uccide sette volte als wichtiger und interessanter Beitrag zum Genre bezeichnet werden, da sich der Film ähnlich wie Die Grotte der vergessenen Leichen als sehr gutes Beispiel für den oben genannten giallo-pseudofantastico geradezu perfekt anbietet. Der giallo-pseudofantastico steht für eine besondere Art der Giallo-Erzählung: Dem Hauptprotagonisten wird dabei vorgegaukelt, es wären übernatürliche Kräfte am Werk und längst Verstorbene aus dem Reich der Toten zurückgekehrt. Bis zur Auflösung zum Ende des Films halten sich diese speziellen Gialli an die Konventionen des Gothic-Horrors, um dann einen menschlichen Täter zu offenbaren und die angeblich übernatürlichen Phänomene als Täuschungen zu entlarven. Diese sollten nämlich nur dazu dienen, die Verbrechen zu vertuschen und/oder den Hauptcharakter in den Wahnsinn zu treiben. Insbesondere The Red Queen Kills 7 Times schließt an dieses Narrativ an, da „der Film bis auf die Endsequenz als kohärenter Gothic-Horror-Film lesbar ist und erst die aller letzte Sequenz den Film einer Re-Lektüre als Giallo unterzieht“ (vgl. Scheinpflug, 2014, Seite 118-119). Als weitere Beispiele für diese Art von Filmen „die das Gothic-Horror-Narrativ nachträglich als Plot in einem Giallo-Narrativ demaskieren“ sind Riccardo Fredas Lo spettro (The Ghost, 1963), Lo Strano Vizio Della Signora Wardh (Der Killer von Wien, 1971), Il tuo vizio è una stanza chiusa e solo io ne ho la chiave (Your Vice Is a Locked Room and Only I Have the Key, 1972), La morte negli occhi del gatto (Sieben Tote in den Augen der Katze, 1973), Il profumo della signora in nero (The Perfume of the Lady in Black, 1974), Spasmo (1974), La sanguisuga conduce la danza (The Bloodsucker Leads the Dance, 1975) und Macchie solari (Autopsy, 1975) zu nennen.

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  • Darsteller: Barbara Bouchet, Ugo Pagliai, Marina Malfatti, Marino Mase, Pia Giancaro
  • Regisseur(e): Emilio Miraglia
  • Format: PAL, Blu-ray
  • Sprache: Italienisch (Dolby Digital 1.0), Englisch (Dolby Digital 1.0)
  • Untertitel: Englisch
  • Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
  • Studio: Arrow Video
  • Produktionsjahr: 1972
  • Spieldauer: 99 Minuten

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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Eine Antwort

  1. 23. September 2020

    […] versteht er es selbstverständlich trotzdem solche Grenzgänger wie Das Grauen kam aus dem Nebel; The Red Queen Kills Seven Times; Sieben Tote in den Augen der Katze; Malastrana; Der Tod trägt schwarzes Leder; The Killer […]

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