La Donna Del Lago (The Possessed)

La Donna del Lago (aka The Possessed) ist das Erstlingswerk von Luigi Bazzoni (The Fifth Cord) aus dem Jahre 1965, ein schwarz-weiß Mystery-Thriller mit Peter Baldwin (The Tin Star) in der Hauptrolle. Dies ist der zweite Teil meines Artikel-Doppels zu Koch Medias Spuren auf dem Mond Sammlerbox. Lest auch den ersten Teil zu Spuren auf dem Mond hier. Koch Media hat den Film restaurieren lassen und quasi als „Bonusmaterial“ mit in die 5-Disc Edition gegeben.

Den Schriftsteller Bernard (Peter Baldwin) zieht es in der Nebensaison auf das Land, um in Ruhe an einem Buch schreiben zu können. Außerdem will er den Kopf frei bekommen nach einer Trennung. Er kommt in einem kleineren Ort am See in den Dolomiten und mietet sich in dem Hotel ein, in dem er vor einem Jahr schon einmal war und gute Erinnerungen an das Zimmermädchen Tilde (Virna Lisi) hat. Das trostlose Nebelwetter und die Einsamkeit der Nebensaison lassen Bernard umtriebig werden. Als er erfährt dass Tilde verstorben ist, beginnt er, Nachforschungen anzustellen. Ein alter Bekannter, der ein Fotofachgeschäft im Ort hat, macht ihn auf Ungereimtheiten aufmerksam. So sei Tilde zum einen Schwanger gewesen, und zum anderen möglicherweise ermordet worden. Der angebliche Selbstmord wäre eine Vertuschungsaktion des Hoteleigentümers. Bernard rekonstruiert seine eigene Vergangenheit, und die von Tilde. War Tilde mit dem Hotelier (Salvo Randone) und dessen Sohn Mario gleichsam liiert? Die positiven Erinnerungen an das Mädchen bröckeln, und er beginnt zu zweifeln, bis ihn auch noch eine Grippe niederstreckt. Als er sich erholt, ist Marios Frau tot…..

La Donna Del Lago

Unter der Regie von Luigi Bazzoni (Spuren auf dem Mond) und seinem Kumpel Franco Rossellini (Caligula) entstand dieses Erstlingswerk auf Basis eines Romans von Giovanni Comisso. Am Erfolg des Projekts mit beteiligt sowie am Drehbuch ist Giulio Questi (Death Laid an Egg, Django Kill…) zu nennen, sowie Produzent Manolo Bolognini (Django). Der 1970 verstorbene Leonida Barboni, ein Verwandter des durch lustige Italowestern bekannte Enzo Barboni, zeichnet sich für die erstklassige Kamera-Arbeit verantwortlich. Die aus meiner Sicht sehr passende musikalische Untermalung stammt von Robertos Bruder Renzo Rossellini (Stromboli), nicht zu verwechseln mit dem Produzent gleichen Namens. Dieses Gespann aus erfahrenem und frischem Talent also war es, das mit La Donna del Lago einen wirklich faszinierenden Thriller schuf, den ich ,wie schon bei Spuren auf dem Mond, nicht wirklich einen Giallo nennen würde, wobei im Gegensatz zu Spuren auf dem Mond hier mehr klassischen Elemente sichtbar werden (immerhin Voyeurismus, sexuelle Fantasien, Messermord). Es ist aber in erster Linie ein sehr atmosphärischer Psychothriller mit leichtem Hitchcock-Einschlag.

La Donna Del Lago

Peter Baldwin arbeitete später vor allem als TV-Regisseur, sein letzter Auftritt vor der Kamera war bereits 1972 in Die Mattei Affäre von Francesco Rosi. Seine Schauspielkarriere schien wohl nicht wirklich abzuheben, auch wenn er an vielen bekannteren Filmen mitgewirkt hat, darunter an The Tin Star mit Henry Fonda. Philippe Leroy hingegen kennt man aus vielen Filmen, beispielsweise dem Giallo The Laughing Woman, oder dem Italowestern Yankee, und er ist bis heute aktiv. Die restliche Besetzung ist nicht mega auffallend (Valentina Cortese als die Hotelierstochter vielleicht ausgenommen, Virna Lisi hat ja auch nur eine Cameo Rolle in den Rückblenden), und es ist auch eher eine One-Man-Show könnte man sagen.

La Donna Del Lago

Die BluRay (genauso wie die DVD Variante) liegt ja der Spuren auf dem Mond Box quasi als Extra bei. Da es keine Synchronfassung gibt, und die Qualität wohl deutlich unter Standard ist, wollte man damit wohl erst mal eine gemeinsame Auswertung versuchen. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen dass man den Film auch einzeln noch irgendwann mal bringen wird. Jedenfalls ist das Bild sehr schön restauriert, dass an manchen Stellen Schäden sichtbar sind, die Schärfe Probleme bereitet und Rauschmuster durchaus präsent sind, ist dem Alter und der low-budget Natur des Film geschuldet und tut dem Genuss eigentlich überhaupt keinen Abbruch.

La Donna Del Lago

Als Extra zu La Donna del Lago liegt hier ein halbstündige Featurette bei bei mit Interviews mit Filmhistorikern, Giulio Questi, Giannetto de Rossi (Maskenbildner),  das einen sehr guten Einblick in die Filmindustrie der Zeit bietet und viel über den Kontext des Films erfasst und die beteiligten Personen. Das Haupt-Extra der Box ans sich ist die gesonderte DVD mit dem Gespräch mit Vittorio Storaro. Auf der DVD befindet sich einmal eben dieses Featurette „Malen mit Licht“ (74min) genanntes Interview, ein einzigartiges und tiefgreifendes Zeitdokument in dem der gesprächige Vittorio seine Karriere und damit auch eine wichtige Phase der italienischen Filmgeschichte Revue passieren lässt. Viele Namen die zu verarbeiten sind, allen voran die Arbeit mit Luigi und Camillo Bazzoni, aber mit entsprechendem Pause-Knopf und die IMDb griffbereit ist es wirklich eine ausgezeichnete Art und Weise, eine gute Stunde zu verbringen. Dann ist da noch die Featurette „Kinderstar“ (50min, deutsch untertitelt) die ein Interview mit Nicoletta Elmi ist. In dieser geht es selbstverständlich nicht nur um den Film „Spuren…“ sondern über Elmis Karriere als Kinderstar wie der Titel schon sagt, und ihre Erinnerungen an die verschiedensten Filme in denen sie seit kleines Kind mitgespielt hat. Ein interessanter Einblick. Zum Abschluss spricht Dr. Stiglegger über Spuren auf dem Mond (9min). Korrekterweise startet Marcus direkt mit der Tatsache dass es eigentlich kein echter Giallo ist, der hier vorliegt. Eine gute Einordnung von Bazzonis schaffen, ich empfehle diese Intro vor allen anderen Extras und in Ergänzung zum Booklet. Dieses 15-seitige Booklet mit dem zehnseitigen Text von Christian Keßler und einigem Bildmaterial ordnet Film und Regisseur ordentlich im historischen Kontext und dem Kontext des Werks des Regisseurs selbst ein und ist wie gewohnt Pflichtlektüre und wunderbar zusammengestellt. Ein sehr schöner ergänzender Aufsatz.

La Donna Del Lago

Insgesamt fand ich den Film grandios und sehr fesselnd. Ich bin ja ein Fan von Schwarz-Weiß Filmen, das vermittelt immer eine viel emotionalere Atmosphäre da die menschlichen Sinne nicht von Farben abgelenkt sind. La Donna Del Lago ist eindringlich, creepy und unglaublich gut gemacht. Das Drehbuch ist keine Meisterleistung aber der Film besteht als zeitloser Klassiker. Die BluRay ist den Umständen entsprechend hervorragend und die Extras hilfreich. Das ganze in der Box mit Spuren auf dem Mond in einer Box, einfach ein Muss.

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Spuren auf dem Mond Bluray

Die Box beider Filme wurden uns von Koch Media freundlicherweise zur Verfügung gestellt. HD Screenshots konnte ich leider nicht machen, wer mir welche besorgt kriegt Gummibärchen und ich tausche die kleinen Bilder im Artikel aus 🙂

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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1 Antwort

  1. 14. März 2016

    […] – Auf geht’s nach Italien! Nachdem ihn letzte Woche „Spuren auf dem Mond“ nicht vollends begeistern konnte, ist Sebastian von Nischenkino von Luigi Bazzonis Erstling „La Donna del Largo“ hingerissen. […]