La morte ha fatto l’uovo / Die Falle

Giallo double bill - La morte ha fatto l'uovo / Die Falle

Marco hat Anna nur aufgrund ihres Geldes geheiratet. Die beiden betreiben gemeinsam eine vollautomatisierte Hühnerfarm. Marco ist seines öden Lebens jedoch überdrüssig und ermordet zum Ausgleich Prostituierte. Als eines Tages Annas Cousine Gabrielle bei ihnen einzieht, beginnt Marco mit der hübschen, jungen Frau eine Affäre. Gemeinsam planen sie die Ermordung von Anna. Und dann ist da noch der aalglatte Werbefachmann Mondaini, der zusammen mit Marco eine neue Werbekampagne für den Verkauf der Eier plant. Doch nichts ist hier wie es scheint… (Illusions Unltd.)

La morte ha fatto l'uovo / Die Falle

Hin und wieder haben sich Avantgarde-Filmemacher an etwas kommerziellen wie dem Giallo versucht. Tinto Brass hatte zum Beispiel einigen Erfolg mit Col cuore in gola aka Ich bin wie ich bin (1967), während Arthouse-Liebling Michelangelo Antonioni mit seinem bahnbrechenden Blow Up (1966) im Fahrwasser der Genrekonventionen schwamm. Den vielleicht bizarrsten und groteskesten Beitrag lieferte Giulio Questi (Se sei vivo spara aka Töte, Django!) ab, dessen La morte ha fatto l’uovo aka Die Falle (1968) alle Grundelemente, die man mit dem Genre verbindet, in sich vereint, auch wenn das Endergebnis genauso verwirrend wie schwierig zu kategorisieren ist. Der Film stellt so etwas wie eine Satire auf die Werbewirtschaft dar, dessen Protagonisten versuchen ihr Geschäft mit Hühnern anzukurbeln, indem sie die Öffentlichkeit davon überzeugen wollen, dass Geflügel ein unverzichtbarer Teil des gesellschaftlichen Lebens ist. Innerhalb dieses satirischen Rahmens bewegt sich Death laid an egg aufgrund des zentralen Liebesdreiecks zwischen Melodrama und Nervenkitzel, da Marcos Fantasien von Sex und Gewalt langsam beginnen Besitz von seinem Geist zu ergreifen. Von der Eröffnungssequenz mit Perversion und Blutvergießen, über den schrillen Soundtrack, zum Editing vom brilliant chaotischen Franco Arcalli (auch Co-Autor des Drehbuchs), wird von Anfang an klar, dass man es hier nicht mit einem typischen Giallo zu tun hat … und von nun an alles nur noch seltsamer wird.

La morte ha fatto l'uovo / Die Falle

Während mit den Thriller-Elementen des Films verstärkt gespielt wird, sind diese gleichzeitig sehr trügerischer Natur und infolgedessen baut Die Falle zu einem bösen, denkwürdigen Finale auf. Questis Art und Weise der Inszenierung sorgt dafür, dass der Film von Anfang bis Ende fantastisch aussieht und auch wenn er nicht den sleazigen, ultra brutalen Pfad der Exzesse beschreitet, wie viele „billigere“ Giallo-Thriller der späteren Jahre, ist La morte ha fatto l’uovo trotzdem starker Tobak für seine Zeit. Der Anblick eines Körpers, der in einer Mahlmaschine püriert wird, um als Hühnerfutter ausgespuckt zu werden (obwohl dies nur auf elliptische Weise angedeutet wird) bleibt beim Betrachter haften. Questi arbeitet zwar nicht mit blutigen, klischeehaften Set-pieces, doch der Fokus auf Marcos sich ständig verschlechternde geistige Verfassung verleiht dem Film eine psychologische Note, die auf lange Sicht sehr viel verstörender und beunruhigender wirkt.

La morte ha fatto l'uovo / Die Falle

Jean-Louis Trintignant und Ewa Aulin stehen nach Ich bin wie ich bin wieder gemeinsam vor der Kamera und harmonieren auch hier prächtig. Aulins attraktive Erscheinung wird ausreichend in szene gesetzt und Trintignant versteht es (wie gewohnt) das Innenleben seines Charakters mit einem Minimum an Dialog und Geste zu vermitteln, was Marco als eine faszinierende, wenn auch arg verstörte Persönlichkeit erscheinen läßt. Die beiden werden durch Gina Lollobrigida, die die hintergangene Anna mimt und Jean Sobieski als undurchsichtigen Werbefachmann unterstützt. Man könnte argumentieren, dass der Ansatz des Regisseurs (genauso wie bei seinem bizarren und surrealistischen Western Se sei vivo spara) zu dieser Zeit etwas mehr als unkonventionell war und sich deswegen zu seinen Ungunsten auswirkte. Questis Filme fanden zwar eine Fangemeinde aber geschäftlich blieben sie hinter den Erwartungen der Produzenten zurück, weswegen er als kommerziell nicht „zuverlässiger“ Handwerker angesehen wurde. Die Falle blieb sein einziger Ausflug ins Giallo-Genre und erfreut sich aufgrund seines besonderen Charms bei Freunden des Surrealen größter Beliebtheit, wird aber mit Sicherheit auch polarisieren. Bruno Madernas Musik passt zu einigen Sequenzen wirklich klasse, kommt allerdings zu oft zum Einsatz und nervt irgendwann nur noch…

La morte ha fatto l'uovo / Die Falle

Die Falle erscheint im Rahmen des Italian Cult Cinema Giallo Double Features und fungiert dabei praktisch als „Hauptfilm“ zu einem sogenannten „B-Film“, nämlich Die Mühle der Jungrauen von Gianfranco Baldanello. Giulio Questis Streifen ist eindeutig der stärkere Genre-Beitrag, dessen erste ordentliche, offizielle VÖ im deutschsprachigen Raum schon längst überfällig war. La morte ha fatto l’uovo wird zwar polarisieren und nicht jedermanns Sache sein, doch schon die hervorragende Besetzung und die klasse Inszenierung allein machen aus dem Film ein äußerst sehenswertes Filmerlebnis. Das Bild wird uns in 1,78:1/16:9 (1080/24p) präsentiert und sieht gut aus. Die Qualität bewegt sich zwar nicht auf Top-Niveau, es wurde jedoch eine Menge aus dem Ausgangsmaterial herausgeholt (bedauerlicherweise liegen uns keine Screenshots der BluRay vor). Beim Ton ist eine deutsche Spur (DTS-HD 2.0) verfügbar, die im Hintergrund ganz leicht rauscht, sich aber angenehm hören läßt (englische Untertitel sind verfügbar). Als Extras wurden neben dem Originaltrailer, einer Bildergalerie und der italienischen Schnittfassung noch ein Schnittvergleich auf die Scheibe gepackt. Es empfiehlt sich beide Fassungen anzusehen, denn jede beinhaltet Szenen, die in der jeweilig anderen fehlen. Der italienischen Schnittfassung im Originalton können auf Wunsch englische Untertitel zugeschaltet werden. Auch hier kann man bei Bild und Ton nicht großartig meckern. Die gelungene Veröffentlichung von Illusions Ultd. wird durch ein Booklet mit Liner-Notes von Christian Kessler bestens abgerundet. Giallo Liebhaber dürften um dieses Double-Feature nicht herumkommen.

La morte ha fatto l'uovo / Die Falle

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Giallo double bill La morte ha fatto l'uovo / Die Falle

  • FSK: Nicht geprüft
  • Studio: ELEA-Media
  • Erscheinungstermin: 26. März 2015
  • Spieldauer: 174 Minuten

La morte ha fatto l'uovo / Die Falle

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Diese BluRay wurde uns freundlicherweise von Illusions Ultd. zur Verfügung gestellt.

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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1 Antwort

  1. 24. März 2015

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