Leatherface – The Source of Evil

Texas in den 50er Jahren: Der jüngste Spross von Verna Sawyer (Lili Taylor) wird wegen des Mordes an der Tochter des örtlichen Sheriffs Hal Hartmann (Stephen Dorff) in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. Zehn Jahre später kann er jedoch mit drei sadistischen Insassen fliehen. Die junge Krankenschwester Lizzy (Vanessa Grasse) nehmen sie als Geisel und schon bald heftet sich Sheriff Hartmann an ihre Fersen, der auf Rache aus ist. Ein Roadtrip in Richtung Hölle beginnt, der eine furchtbare Blutspur des Grauens hinterlässt. Der Junge Sawyer verwandelt sich somit zu dem Monster, das man bald unter dem Namen „Leatherface“ kennen wird. (Turbine Medien)

Wenn man sich Leatherface – The Source of Evil ansieht, versteht man wahrscheinlich nicht, warum dieser Film überhaupt gemacht werden musste. Wozu, in aller Welt, braucht man die Hintergrundgeschichte eines Mitglieds der Sawyer Familie? Man kennt die Geschichte doch bereits ziemlich genau: eine kannibalische Inzuchtfamilie lebt und stirbt von der Säge. Was braucht man mehr? The Texas Chainsaw Massacre (Blutgericht in Texas, 1974) repräsentiert einen Horror-Klassiker, der weder ein Remake noch ein Reboot oder eine Neuerfindung benötigt. Der Streifen brauchte auch wirklich kein Prequel, doch nun ist es eben doch passiert. Es ist jetzt nicht so, dass wir (von Nischenkino) die Remakes hassen würden, wir haben nur das Gefühl, dass man sie nicht unbedingt gebraucht hätte.

WARNUNG !!! Hier wird der „twist“ verraten. Wir tun das nicht gerne, doch es muss leider sein.

Der Film beginnt mit Familie Sawyer, die den Geburtstag ihres jüngsten Mitgliedes, Jed, feiert. Jeds Mutter bzw. Tante Verna schenkt ihm eine Kettensäge. Sie präsentiert ihm auch einen speziellen Geburtstagsgast, den Drayton und Nubbins (Jeds Brüder / möglicherweise Cousins) erwischt haben, als er gerade Schweine von der Sawyer Farm stehlen wollte. Jed schafft es nicht den Mann mit der Kettensäge zu töten, also erhält er Hilfe von Drayton, damit er seinen ersten Mord mit der Säge doch noch hinbekommt. Der Titelschriftzug erscheint und dem Publikum werden plötzlich Ted und Betty vorgestellt, die mit dem Auto auf einer verlassenen Landstraße unterwegs sind. Jed (als totes Rind [?!] verkleidet und auf der Straße liegend) bringt die beiden zum Anhalten und Betty dazu, ihm zu folgen, als sie realisiert, dass es sich hier „nur“ um ein Kind handelt, das anscheinend Hilfe gebrauchen kann. Er lockt sie in eine Scheune, wo sie in eine Grube fällt und Drayton sowie Nubbins einen riesigen Motor auf sie niederstürzen lassen, der sie vollkommen zerquetscht. Leider war Betty die Tochter des verrückten Sheriffs Hal Hartman. Der hatte schon vorher Ärger mit Verna und dem Rest des Clans gehabt, weswegen es ihn nicht amüsiert Drayton, Nubbins und Jed am Tatort vorzufinden. Er nimmt Jed mit und bringt ihn im Gorman Haus unter, einem Heim für gestörte Kinder. Sein Grund: Er möchte Jed vor Verna beschützen.

Zehn Jahre vergehen und man lernt Jackson (Sam Strike) und Bud (Sam Coleman) kennen. Bud ist ein stiller, massiger Riese und Jackson sein liebenswürdiger Beschützer. Anscheinend nehmen sie in diesem Haus für „schwererziehbare“ Kinder den „Insassen“ ihre wahren Namen weg. Schon klar, warum es im Film so gemacht wird, doch ist das irgendwie als albern zu bezeichnen. Als nächstes werden Krankenschwester Lizzie (Vanessa Grasse), die zickige Psychopathin Clarice (Jessica Madsen) sowie der grob schizophrene Ike (James Bloor) vorgestellt, die somit die Besetzung für den Rest des Films abrunden. Verna taucht auf und verursacht riesigen Ärger, was den „Straftätern“ die Möglichkeit gibt aus Gorman Haus auszubrechen. Ike nimmt Lizzie und Jackson als Geiseln, holt auch noch Clarice sowie Bud dazu und plötzlich läuft Texas Chainsaw: The Road Movie! Die Kids planen nach Mexiko zu fliehen, machen in einem Diner Rast und töten beinahe jeden, der sich dort aufhält. Nun, Clarice und Ike übernehmen das Morden. Diese beiden präsentieren sich wie ein geistig gestörtes Duo im Stile von Bonnie und Clyde, nur dass sie im Gegensatz dazu sehr viel unsympathischer sind, um es noch milde auszudrücken. Die Gruppe findet ein altes Wohnmobil im Wald und entscheidet sich dort zu verstecken, obwohl die Leiche des vorherigen Bewohners hier noch immer vor sich hin rottet. In der Zwischenzeit befinden sich Hartman und Iron Fist … ähm … The Knight of Flowers … ähm … Deputy Sorrel (Finn Jones) auf der Suche nach ihnen, weil Hartmann weiß, dass es sich bei einem der Flüchtlinge um Jed handelt.

Was passiert denn noch so alles? Es wird über Krankheit, Familie und Verrat diskutiert. Es gibt Sex mit einer verrottenden Leiche zu bestaunen. Lizzie versucht gefühlte hundert Mal zu fliehen. Ike fängt sie wieder ein und versucht sie dann zu vergewaltigen. Abstoßend. Jackson kämpft gegen Ike. Clarice kommt aus dem Nichts und unterbricht die Konfrontation. Bud spielt den Beschützer für alle und ermordet Ike. Als die Polizei auftaucht, lassen alle Clarice im Stich, die von Sheriff Hartman eingefangen und exekutiert wird. Jackson, Bud und Lizzie befinden sich weiterhin auf der Flucht, bis Bud in einem wahren Schockmoment von einem Polizisten in Notwehr erschossen wird. Jackson wird daraufhin vollkommen geisteskrank und schlachtet den Polizisten ab. Lizzie und er können per Auto entkommen, werden allerdings von Hartmann verfolgt, der wie verrückt auf die beiden ballert und dabei Jacksons Wangen durchschießt. Hartman schafft es letztendlich Jackson einzufangen, worauf die große Enthüllung folgt, dass Jackson eigentlich Jed ist, der nun Rache nehmen will. Zu dumm nur, dass Sauerampfer … ähm … Sorrel für Verna arbeitet. Er verpetzt Hartman bei ihr, worauf sie ihn von einem ihrer älteren Söhne schwer verletzen lässt, um ihn anschließend an die Schweine zu verfüttern.

Es findet ein großer Showdown in der Scheune statt, in der Hartmans Tochter getötet wurde. Lizzie und Hartman werden von den Sawyers entführt. Jed wird von seiner Mutter / Tante zusammengenäht und bekommt ein Ledergeschirr umgeschnallt, das seinen Kiefer zusammenhalten soll. Jed schlitzt dann Hartman mit der Kettensäge auf und köpft Lizzie anschließend mit der Kettensäge. Man bekommt danach eine letzte Szene spendiert, in der Jed seine erste richtige Maske aus Menschenhaut näht (während Patti La Salles Song It’s over aus dem Grammophon trällert), worauf ein sogenannter jump-scare folgt. Ende. Die Filmindustrie hat schon so lange versucht Leatherface einen Hintergrund zu verleihen und es scheint so, als könne niemand es richtig machen. Dieser Streifen kommt dem Ganzen bereits ein Stückchen näher, doch es gibt trotzdem noch so viele Dinge, die eine erfolgreiche Umsetzung verhindern. Es handelt sich hier um keinen schlechten Film, nur um eine ziemlich misslungene Herkunftsgeschichte für einen der beliebtesten Killer des Horroruniversums. Lily Taylor, Stephen Dorff und Finn Jones liefern unglaublich gute Vorstellungen ab. Lily Taylor allein ist schon das „Eintrittsgeld“ wert, auch wenn sie bei weitem nicht genügend Bildschirmzeit bekommt. Die Spezialeffekte werden auf den Punkt gebracht! Man könnte durchaus annehmen, es würde sich beinahe ausschließlich um praktische Effekte handeln. Die Szene, in der Hartman Clarice erschießt, ist als „wunderschön“ zu beschreiben. Das war es dann jedoch auch schon mit den positivsten Aspekten.

Der Film hat in Teilen doch sehr viele Probleme. Das Publikum soll die ganze Zeit glauben Bud sei Leatherface. Er repräsentiert einen stillen, riesigen Zeitgenossen, der ohne zu zögern auf brutalste Art und Weise tötet. Wenn enthüllt wird, dass Jackson Jed ist, stellt das schon eine kleine Enttäuschung dar. Dieser dünnarmige, schlaksige, weinerliche Junge, der relativ viel redet, soll zum schrecklichen Mörder namens Leatherface werden!? Das kauft man ihm und dem Plot nicht ab. Darüber hinaus wird Drayton als Mörder porträtiert, obwohl man ihn aus dem Original lediglich als den Koch der Familie kennenlernt. Während der Abendessenszene verkündet er, er habe nicht den Mut zum Töten. Nubbins ist im Original als der Anhalter bekannt, der sich über Drayton lustig macht, weil der nur ein Koch ist. Außerdem hatten sie bis zum zweiten Teil gar keine Namen, also wo kommen die so plötzlich her? Und was ist mit Chop Top? Zumindest wurde die richtige Zeitachse eingehalten, im Gegensatz zu einigen Filmen dieses Franchises. Letztendlich ist Leatherface – The Source of Evil als ein guter, blutig brutaler Film zu beschreiben, der jedoch besser von einem Haufen zufälliger Hillbillies anstelle von den Sawyers hätte handeln sollen. Der Streifen ist auf jeden Fall einen Blick wert, doch man sollte keine Perfektion erwarten.

Leatherface – The Source of Evil erscheint als 2-Disc-Steelbook (4K Ultra HD + Blu-ray) innerhalb der Turbine Steel Collection im Hause Turbine Medien GmbH, wobei man dem Label zu dieser gelungenen Veröffentlichung nur gratulieren kann. Die Scheiben wissen nicht nur auf technischem Gebiet zu überzeugen, sondern haben auch Einiges an sehr interessanten Extras zu bieten. Das Bild wird in High Definition Widescreen (2.39:1 [2160p/24 Ultra HD mit HDR] – 2.39:1 / 1080p) präsentiert und sieht wirklich klasse aus. Es zeigt sich sehr farbenfroh, enorm scharf und wunderbar detail- und kontrastreich. Bei der Qualität der beiden angebotenen Tonspuren (Deutsch und Englisch DTS HD-MA 7.1 und DD 2.0 Surround) gibt es ebenfalls keine Beschwerden anzumelden. Wer den Film in der Originalsprache anschauen möchte, dem Englischen aber nicht mächtig ist, hat die Möglichkeit deutsche Untertitel zuzuschalten (Deutsch, Englisch).

Bonusmaterial:

  • ungeschnittene Fassung
  • Entfernte Szenen (alternativer Anfang, alternatives Ende und mehr…)
  • Making of, Promo-Featurette
  • Interviews mit Cast & Crew, Hinter den Kulissen
  • Trailershow zu Leatherface, The Texas Chainsaw Massacre und The Texas Chainsaw Massacre 2

Beim Turbine-Shop bestellen

  • Seitenverhältnis: 2.39:1
  • SPIO/JK geprüft: keine schwere Jugendgefährdung
  • Regisseur: Bustillo, Alexandre, Maury, Julien
  • Medienformat: Breitbild
  • Laufzeit: 1 Stunde und 27 Minuten
  • Darsteller: Dorff, Stephen, Taylor, Lili, Strike, Sam, Grasse, Vanessa, Jones, Finn
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Sprache: Deutsch, Englisch
  • Studio: Turbine Medien GmbH

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Diese Edition sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Turbine Medien zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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