Les choses de la vie / Die Dinge des Lebens

Auf der Nationalstrasse von Paris nach Rennes ereignet sich ein schwerer Autounfall. Der Architekt und Bauunternehmer Pierre Bérard (Michel Piccoli) liegt schwer verletzt am Strassenrand. Auf der Fahrt ins Spital erinnert er sich an die zentralen Dinge seines Lebens. Seine Gattin Catherine (Léa Massari) hat er verlassen, mit der jungen Freundin Hélène (Romy Schneider) möchte er ein neues Leben beginnen. Zudem hängt er sehr an seinem Sohn Bertrand (Gérard Latigau), mit dem er demnächst gemeinsame Ferien in seinem Haus in Rennes verbringen will. Das allerdings passt Hélène nicht. Es kommt zum Streit. Pierre unterbricht sogar seine Fahrt nach Rennes und schreibt einen Abschiedsbrief an Hélène. Doch noch bevor er ihn einwerfen kann, wirft ihn der Unfall buchstäblich aus seiner Bahn…..

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Beeindruckend. Das sind die richtigen Worte für diesen Film. Claude Sautet, schaffte mit diesem Film ein Meisterwerk des Französischen Kinos, der durch seine ästhetische Bildsprache, seine grandiose Musik und durch die erstklassigen Schauspieler einen wunderbaren Cocktail entstehen ließ, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Es geht um die Dinge des Lebens, das Lieben, das Verlieren, das Verletzten, dass nicht Verstehen der Menschen unter sich. Mit viel Feingefühl, wird dem Zuschauer bewusst gemacht, wie vergänglich das Leben ist und was es heißt die Dinge des Lebens Revue passieren zu lassen. Was ist wichtig im Leben ? Welche Fehler begeht man ? Was verpasst man ? Viele Fragen, wenige Antworten. Doch das ist es, was den Film so beeindruckend macht. Im Nachhinein, wirft er viele Fragen auf, sodass er zum Sinnieren einlädt. Natürlich versetzt der Film den Zuschauer in Melancholie, ist es doch nicht schön, über das Ende und das nicht mehr vorhanden sein, nachzudenken. Untermalt wird dies durch eine der besten Film Soundtracks, geschrieben von den damals gerade erst 25 Jährigen Phillipe Sarde, der sich mit dem Thema des Filmes ein Denkmal setzte. Melancholie, mit einer zwischendurch immer wieder aufpeitschenden Euphorie zeichnet das Titel Thema und passt sich somit wie ein gut sitzendes Kleidungsstück, dem Film an. Denn im Tod, der sehr subtil dargestellt wird, da kommt plötzlich die Erkenntnis, es geht zu Ende. Das Versagen der Sprache, das nicht mehr kommunizieren können; sind das letztendlich gravierende, denn für nichts was man getan hat, kann man sich rechtfertigen. Es ist wie ein Haus ohne Dach, dass Leben welches sowieso eine nie Endende Baustelle ist, wird schon so früh durch einen Autounfall beendet, dass es noch unfertiger ist, als wenn man eines natürlichen todes sterben würde. Doch was heißt es schon ein erfülltes Leben gehabt zu haben und was heißt es schon zu gehen, vielleicht ist das Ende ein neuer Anfang…..

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Die Dinge des Lebens, ist wirklich schwer zu erklären und ich möchte auch gar nicht auf die Handlung eingehen, da jeder diese Erfahrung selbst durchleben muss. Viel wichtiger ist es, darauf hinzuweisen, welche Aspekte den Film Sehenswert machen und welchen Eindruck der Film bei mir hinterließ.

Philosophisch ist der Film allemal, kann doch oft nicht zwischen Realität, Tag Traum und Delirium unterschieden werden. Somit wird der Zuschauer mit hineingezogen in die Tiefe der Handlung, die an sich nicht sehr Tief-gängig erscheint, sich aber wie ein Puzzle zusammensetzten lässt. Drastisch könnte man es auch ausdrücken, nämlich, dass das Leben an sich seziert wird und die Wunden Punkte eines jeden Charakters, einem im Tod, vielleicht bis ins Mark erschüttern und man mit gebrochener Seele, schmerzhaft, im Schmerz an die vielen Dinge des Lebens erinnert wird…..

An dieser Stelle drängt sich natürlich die Frage auf, welche Dinge das sein mögen, erinnern wir uns nur an die Schönen Dinge im Leben oder auch an die schlechten und schmerzhaften, oder ist es wirklich möglich, dass das gesamte Leben noch einmal vor dem geistigen Auge vorbei zieht wie eine schier unendliche Filmrolle, die dann plötzlich abreißt ?
Das alles sind Fragen über Fragen und obwohl der Film nur eine Länge von 82 Minuten hat, kann er so viel Tiefe erzeugen. Das liegt natürlich gerade daran, das die Geschichte deswegen nicht überfrachtet wird und der Film durch diese Länge kein zäher, langwieriger Epos wird.

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Dieses wunderbare Gericht, was Claude Sautet dort kreierte, ist unvergleichlich in seiner Art. Michel Piccoli und Romy Schneider harmonieren perfekt und auch die anderen Schauspieler tragen ihr übriges dazu bei, diesen Film zu einem Meisterwerk, für mich sogar Meilenstein des Melodram avancieren zu lassen. Das besondere ist die Melancholie, des Filmes, der nie in Kitsch abdriftet und vor allem nicht den Moralischen Zeigefinger erhebt. Auch das Ende setzt Akzente, auch wenn es minimalistisch ist, zeigt es doch, das der Abgang von der Bühne des Lebens noch so spektakulär sein kann (dies zeigt der aufwändig in Zeitlupe gezeigte Autounfall), aber das endgültige dahinscheiden im Gegensatz zum Rest des Lebens zwar umso Schmerzhafter sein mag, aber unspektakulär auf jeden Fall. Wir Menschen, die immer nach mehr Aufsehen, Ansehen und Besitz streben, kommen am Ende doch alle irgendwo in der selben, nächsten Welt an, wenn es sie den geben sollte und dies zeigt der Film auch, ohne sich darauf zu fokussieren. Der Tod muss, sollte vielleicht ein wenig abgegrenzt vom Rest des Lebens betrachtet werden, aber er gehört nun mal dazu ! Auch über diese subtil, in die Handlung verflochtenen Botschaften lässt sich in aller Ruhe nach dem Film nachdenken, am besten zur Musik des Filmes.

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Was ist die Quintessenz des ganzen ? Da ist sie schon wieder, eine Frage, aber was bleibt auch zu sagen bzw. zu schreiben ? Das der Autounfall auch ein Symbol für den schleichenden inneren Verfall von Piccolis Beziehung sein könnte ? Ja vielleicht das noch. Symbole. Claude Sautet benutzt sehr viele von Ihnen, erfindet sich Neu, wie zum Beispiel ein Segelboot, welches Piccoli im Meer der Gefühle schwimmen lässt. Diese ganz Anspielungen können als Vanitas Symbole gedeutet werden, aber das nur am Rande. Denn weiter will ich den Leser dieser Kritik bzw. Deutung des Filmes nicht vom Sehen des selbigen Abhalten.

Le choses de la vie……..Grandios, Berührend, exzellent gespielt mit einer emotional ergreifenden Melancholie…

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Dieser Text wurde von Janek Rekos verfasst und mit einigen Details durch Bluntwolf ergänzt.

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1 Antwort

  1. 2. Juni 2014

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