Light Sleeper

Light Sleeper

Light Sleeper ist ein Film von Paul Schrader aus dem Jahr 1992 mit Willem Dafoe in der Hauptrolle. Der von Mario Kassar produzierte Film handelt von dem Drogendealer John LeTour (Willem Dafoe), der hauptsächlich Nachts seine betuchteren Kunden mit Stoff beliefert. Er arbeitet für seine unternehmerische Chefin Ann (Susan Sarandon), die allerdings vor hat, von der Drogenbranche in die Kosmetikbranche zu wechseln, was für John bedeutet, dass er sich wohl auch nach einem anderen Broterwerb umsehen muss. So ganz unrecht kommt ihm das nicht, denn zum einen machen ihn die schlaflosen Nächte und der Stress mit seinen Suchtkunden zu schaffen, und zum anderen sieht er seine Exfrau Marianne (Dana Delany) wieder, und er macht sich Hoffnung auf einen Neustart. Als Marianne jedoch nach dem Tod ihrer Mutter einen Rückfall erleidet und plötzlich bei einem seiner schweizer Kunden (Victor Garber) auftaucht, steht Johns Welt plöztlich Kopf und er muss sich eine Waffe besorgen…..

In einigen weiteren Nebenrollen zu sehen sind David Clennon, Mary Beth Hurt, Jane Adams und Paul Jabara. Außerdem gibts noch witzige Cameos von Sam Rockwell und David Spade. Somit ist Dafoe umgeben von einer Riege plausibel gespielter Charaktere, denen er in seinen nächtlichen Abenteuern über den Weg läuft – getaucht in leichtes Blau zumeist, und geprägt von einer leichten Rastlosigkeit. Dazu trägt bei die recht gute Musik von Michael Been (nicht mit Biehn verwechseln). Blass, blau und neon ist die Atmosphäre, aber stimmig, und die Rastlosigkeit soll in gewisser Weise seine Schlaflosigkeit illustrieren, die aber im Film nie explizit erwähnt wird. LeTour ist ein ruheloser, der mit einer gewissen Determination aber gleichzeitig einem leichten Ekel und Distanz durch die Nacht streift. Er ist damit, nicht ohne Zufall, Travis Bickle irgendwie ähnlich.

Doch was Paul Schrader mit Light Sleeper macht, hat trotz der Ähnlichkeiten mit dem von ihm geschriebenen Taxi Driver nicht annähernd dieses Niveau. Das hat viel damit zu tun, dass Schrader kein Scorsese ist, aber auch weil Dafoe hier eher einen 80er Drogenmillieu Kreuzritter versucht zu mimen, dessen Charakter zwiespältig bis halb-plausibel eine Gratwanderung hinlegt zwischen es eigentlich anders wollen und besser wissen einerseits, und absolut schuldig und Teil des Drecks sein andererseits. Das spielt Dafoe gut, und er bringt eine gewisse Besonnenheit und intellektuelle Qualität zu dieser Rolle, im spürbaren Gegensatz zu dem eher simpler gestrickten, vom jungen Robert De Niro gespielten Bickle Ende der 70er.

Insgesamt ist Light Sleeper ein sehr gut gelungener Film, der mit viel Atmosphäre, einer gewissen Nachdenklichkeit und einer derben Portion an Realismus zu überzeugen weiß. Nicht Schraders bester Film, aber vermutlich doch relativ weit oben auf der Liste, zusammen mit Cat People.

Schön natürlich, dass man den Film jetzt in einer recht frischen Neuabtastung im Heimkino neu entdecken kann. Nachdem er im Januar bereits in UK erschien, erscheint er heute, am 26. August von Koch Films ebenfalls in Deutschland und das in einem schönen Mediabook.

Leider lag mir zur Beurteilung nur die DVD vor. Soweit es sich davon beurteilen lässt, dürfte die BluRay ein schönes warmes Bild und ordentliche Kontraste bieten, die DVD allerdings leidet an mangelnder Schärfe denn gerade die nächtlichen Szenen gewinnen besonders durch Details die nur die höhere Auflösung wirklich bieten kann, greift also unbedingt zur BluRay.

Auf der gibt es die deutsche Synchronfassung sowie den Originalton (getestet), und außerdem deutsche oder englische Untertitel. Die Dialogverstaendlichkeit ist recht gut, die dominante Musik ist dabei stilistisch so gewollt und mindert diese nicht. Viel Raumklang ist hier natürlich nicht, aber das ganze klingt sehr solide und hat auch ein paar Tiefen zu bieten.

Es gibt auf der Scheibe jede Menge Extras. Da wäre zum einen das Guardian Interview mit Willem Dafoe (nur Audio, von 1998, das wie ein Audiokommentar über den Film gelegt ist und wohl vor Live-Publikum aufgezeichnet wurde). Hinzu kommt The Midlife Movie (ein Q+A mit Schrader und Kamermann Ed Lachman, 2008, leider in relativ schlechter Qualität weil die Originalaufnahmen verloren gingen, aber immerhin auch mit deutschen Untertiteln) und ein Interview mit Paul Schrader (17min, das aber weniger ein Interview sondern eine Art Einführung für den Film ist, etwas neuer als einige der anderen Extras). Besonders wertvoll ist der Audiokommentar von Paul Schrader, der 2002 für die DVD Erstauflage aufgenommen wurde: ruhig, informativ und auch unterhaltsam, das funktioniert auch deshalb, weil es für ihn ein sehr persönlicher Film war. Abgerundet wir das ganze von einem Szenenkommentar von Willem Dafoe und Susan Sarandon (17min), Trailern und einer Bildergalerie.

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Die DVD wurde uns bereitgestellt.
  • Seitenverhältnis:16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung: ‎Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: ‎Schrader, Paul
  • Laufzeit: 1 Stunde und 43 Minuten
  • Darsteller: Dafoe, Willem, Sarandon, Susan, Delany, Dana, Clennon, David, Hurt, Mary Beth
  • Untertitel: ‎Deutsch, Englisch
  • Studio: ‎Koch Media GmbH – DVD

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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