Lo Strano Vizio Della Signora Wardh / Der Killer von Wien

Der Killer von Wien

Die Ehe der attraktiven Julie Wardh (Edwige Fenech) steht kurz vor dem Aus. Gemeinsam mit ihrem Mann Neil (Alberto de Mendoza), einem älteren Börsenmakler, macht sie sich auf den Weg nach Wien, da dort Geschäftstermine anstehen. In Wien angekommen trifft Julie auf ihre alte Freundin Carol und lernt auf einer Party George (George Hilton)kennen. Julie kann ihre Zuneigung zu George nicht lange unterbinden und sieht in ihm weit mehr als nur einen unbedeutenden Flirt. George scheint ein neuer Lichtblick in Julies Leben zu sein. Unerwartet taucht allerdings Julies Ex-Liebhaber Jean (Ivan Rassimov)auf. Grauenvolle Gedanken an ihr damaliges sadomasochistisches Verhältnis kehren bei Julie zurück. Zur selben Zeit werden in Wien vermehrt hübsche Frauen von einem Serienkiller mit Rasiermesser getötet und auch Julie fällt in das Raster des unaufhaltsamen Schlitzers. Wer ist der mysteriöse Killer? Ist es Jean? Julies Eheman, der wegen dem Seitensprung seiner Frau durchdreht? Oder George, der Julie konkurrenzlos für sich allein haben möchte? (filmArt)

Der Killer von Wien

Die wahren goldenen Jahre des italienischen GialloKinos umfassten leider nur ein Jahrzehnt (ca. 1965-1975), danach war es höchstens der gefeierte Regisseur Dario Argento, der sporadisch einen gelungen, altmodischen italienischen Krimi abliefern konnte. Doch in dieser relativ kurzen Zeit waren gleich mehrere Regisseure für eine riesige Menge von tollen Gialli verantwortlich, mit Geschichten, die von einfach gestrickt bis sehr absurd und komplex gingen. Sergio Martino gehörte zu diesen Regisseuren und sein erster Giallo The Strange Vice of Mrs. Wardh(Das seltsame/anomale Laster der Frau Wardh) ist ein simplistisches Beispiel für das Giallo Genre und vielleicht gerade deshalb rangiert er unter den besten und erfolgreichsten überhaupt. Dieser Film definierte das Subgenre, mit seinen detaillierten Morden von schönen Frauen, innovativer Kameraarbeit, wunderschöner Musik und (am wichtigsten) genau der richtigen Menge an PlotWendungen, um die Geschichte glaubwürdig und überzeugend zu halten. „Ein Vexierspiel, das sich durch eine Reihe der Logik spottender Plot-Twists entwirrt. („Logik-Loch“ ist sowieso ein Unwort, das im Giallo-Genre nichts zu suchen hat.)“ – Pelle Felsch (Auszug aus dem Booklet)

Der Killer von Wien

Die Geschichte dreht sich um die überirdisch schöne Frau Wardh (Giallo-Sternchen Edwige Fenech), die von einem Killer mit schwarzen Handschuhen, der bereits einige ihrer engsten Freundinnen ermordet hat, verfolgt wird. Frau Wardh ist ein leichtes Ziel, da ihr Noch-Ehemann oft wegen diplomatischer Aufgaben mit Abwesenheit glänzt und ihr sexuell perverser Ex-Liebhaber Jean seit ihrer Ankunft in Wien wieder regelmäßig Kontakt mit ihr aufnehmen will. Sie sucht Schutz in den MachoArmen eines neuen Geliebten (George Hilton), aber auch er kann ihr keine Sicherheit garantieren, da der Mörder unberechenbar ist und unaufhaltsam zu sein scheint. Die Anzahl der graphisch gestalteten Morde hält sich in Grenzen (vor allem im Vergleich zu späteren und dafür berüchtigten Gialli) aber dafür sind diese sehr aufreibend und extrem gut in Szene gesetzt. Auch wenn gerade mal keine Frauen aufgeschlitzt werden ist dieser Thriller recht spannend, vor allem während der atmosphärisch sehr dichten Garagen Sequenz. Sergio Martino erweist sich als ein Meister der Filmkunst, mit seinen originellen Kameraeinstellungen (Szenen in der Reflexion von Sonnenbrillen oder durch das Guckloch einer Hoteltür geschossen) und bezaubernden Außenbereich Aufnahmen (der Mord im Park, die Auto-Verfolgungsjagd). Die Flashback-Sequenzen, in denen Frau Wardh ihre masochistische Beziehung mit Jean aufleben läßt, sind fast reine Poesie und von einem wunderbaren Nora Orlandi Score geführt.

Der Killer von Wien

Die Musik ist so gut, dass kein anderer als Quentin Tarantino sie für sein Meisterwerk Kill Bill 2 wieder verwendet hat. Das Schauspiel der gesamten Besetzung liegt weit über dem Durchschnitt. Auch die Frauen, die im Grunde aufgrund ihres Aussehens ausgewählt wurden, weil sie oben ohne erscheinen, spielen sehr überzeugend. Falls sich Ihr Interesse am italienischen Genrekino so langsam entwickelt, Sie aber noch nicht wissen wo Sie Ihre Reise beginnen sollen, dieser Film ist die ideale Wahl. Für den Fall, dass Sie bereits die GialloKlassiker von Dario Argento und Mario Bava kennen und mögen, wird die Sichtung von Der Killer von Wien (wie auch von fast allen anderen Sergio Martino Filmen) ein fundamentales Muss.

Der Killer von Wien

 

Lo Strano Vizio Della Signora Wardh ist bei filmArt im Rahmen ihrer Giallo Edition als Nummer 4 erschienen. Die Veröffentlichung ist auf 1000 Stück limitiert und umfasst ein 2-Disc-Set inklusive der deutschen Kinofassung erstmals auf DVD. Das Bild wird im 2.35:1 anamorphen Format präsentiert und man kann im Vergleich zur deutschen Kinofassung erkennen wie gut es restauriert worden ist. Es liegt deutscher und italienischer Ton in Dolby Digital 2.0 Stereo vor, wobei man wahlweise deutsche Untertitel zuschalten kann. Die Extras bestehen aus einem sehr ausführlichen Booklet-Text von Pelle Felsch, einem interessanten Featurette Dark Fears Behind The Door mit Sergio Martino, Produzent Luciano Martino, George Hilton und Edwige Fenech, einem Interview mit Sergio Martino von 2013, einer umfangreichen Bildergalerie sowie dem italienischen Kinotrailer und Trailern von weiteren filmArt VÖs.

Bei dem Featurette hatte ich den Eindruck, dass sich die gute Frau Fenech verdammt gut gehalten hat und eigentlich viel besser aussieht als damals zur Entstehungszeit ihrer Filme.

Die Veröffentlichung kann wieder einmal als äußerst gelungen bezeichnet werden und wir freuen uns schon auf die nächsten VÖs aus dem Hause filmArt. Besonders die zunächst übersprungene Nummer 3 der Giallo-Edition lässt voller Spannung auf sich warten.

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Diese DVD wurde uns freundlicherweise von filmArt zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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