Lucky M. füllt alle Särge / Lucky, el intrépido / Agente speciale L.K.: operazione Re Mida / Lucky the Inscrutable

Sein Name ist Lucky. Er arbeitet für den amerikanischen Geheimdienst. Und er ist einer der Besten seines Fachs. Kein Wunder, dass er von höchster Stelle nach Europa geschickt wird, als eine gefährliche Bande von Dollarfälschern ihr Unwesen treibt. Die Spur der Blüten führt zunächst nach Rom. Nach einigen Ermittlungen ist klar, dass Lucky weiter nach Albanien reisen muss. Dort unterstützt ihn eine äußerst hübsche Polizistin, deren Reizen Lucky nicht widerstehen kann… (Pidax Film- und Hörspielverlag)

Italienisch-spanische Spionagefilm-Parodie von Kultregisseur Jesus „Jess“ Franco mit Ray Danton als James Bond für vollkommen Verarmte. Leider war bei dem Film, wie sich recht schnell herausstellt, in der Tat ein nur sehr kleines Budget vorhanden. Ja, statt der üblichen Runde durch Paris, Lissabon und Casablanca macht der arme Danton lediglich kurze Zwischenstopps in London und Rom, bevor er nach Tirana in Albanien geschickt wird, was er bis zum Ende des Streifens auch nicht mehr verlassen wird. Nun, Tirana repräsentiert nicht gerade die französische Riviera, oder? Eigentlich beginnt der Film noch ganz gut, mit einer Szene, die sehr an West Side Story (1963) erinnert! Eine Bande von coolen Typen wartet auf der Straße auf ein Opfer, das man überfallen kann, im Hintergrund wird hübsch auf dem Soundtrack gepfiffen, während die Fotografie großartig rüberkommt. Nicht, dass all das dem Agenten hilft, der mit der Bande auf sein Waterloo trifft und somit die Handlung des Films in Gang setzt. So wie sie ist. Ja, nämlich ziemlich schlecht. Die Kampfchoreografie ist für den Anfang jedenfalls schon mal lahmer als lahm zu beschreiben. Ach ja, der Film war eigentlich als eine Komödie konzipiert gewesen. Nur erweist er sich nicht im Entferntesten als lustig oder witzig, was dann schon mal ein kleines Problem darstellt.

Tatsächlich wird der Film im Laufe der Zeit immer skurriler, hektischer und verzweifelter, die Laufzeit läuft im Tempo des schnell auslaufenden Produktionsbudgets ab. Die meisten der sogenannten Handlungsentwicklungen stellen schlichtweg Entschuldigungen für weitere „verrückte“ Verfolgungsjagden dar, während diese mit sehr wenig Stuntarbeit und dem völligen Fehlen von Witz und Flair runtergespult werden. Das Hinzufügen von komödiantischer Musik bedeutet auch, dass es ein deutliches Echo alter Zweispuler aus der Stummfilmzeit vorhanden ist! Gibt es irgendwelche Mädchen zu bestaunen? Nun ja, es gibt eine Menge an Augenschmaus für Danton zu bezirzen, doch kein Gal bleibt lange genug in der Nähe, um echten Eindruck schinden zu können, abgesehen von der uns allen bestens bekannten Rosalba Neri. Typischerweise kommt sie als sexy albanische Polizistin in nur ein paar Szenen zum Einsatz und kann somit als verschwendet abgeschrieben werden. Gibt es Waffen? Ja, reichlich. Manchmal sieht es sogar so aus, als würden die Darsteller sie abfeuern. Man bekommt auch ein paar alte kratzige, schwarz-weiß Einstellungen von Artilleriegeschützen geboten, die auf Dantons Privatflugzeug feuern! Schade nur, dass es sich hier um einen Farbfilm handelt. Gibt es irgendwelche speziellen Gadgets? Nun… nein. Nicht so richtig, ach eigentlich gar keine.

Regisseur Franco wurde mit der unglaublichen Produktionszahl von 203 Spielfilmen zu einer Kultfigur des Euro-Kinos. Es ist natürlich unvermeidlich, dass sich die Qualität seiner Filme extrem schwankend präsentiert, wobei jedoch nicht zu leugnen ist, dass er für Projekte wie Sie tötete in Ekstase (1971 mit Horst Tappert als Inspektor) und Vampyros Lesbos: Die Erbin des Dracula (1972) schon einen besonderen Sinn für visuellen Stil eingebracht hat. Leider waren seine Fähigkeiten als Geschichtenerzähler weniger gut entwickelt, was ein recht großes Problem darstellte, da er die meisten Drehbücher zu seinen Filmen selbst geschrieben hat. Aufgrund seiner Angewohnheit, regelmäßig mehr als ein halbes Dutzend Projekte im Jahr zu verwirklichen, sind dabei natürlich auch einige wirklich erbärmliche Werke herausgekommen, wie Drácula contra Frankenstein (Die Nacht der offenen Särge, 1972) und The Castle of Fu Manchu (Die Folterkammer des Dr. Fu-Manchu, 1969). Letzterer stellte eine Kollaboration mit Christopher Lee dar, während die beiden auch an anderen, besseren Filmen wie Il trono di fuoco (Der Hexentöter von Blackmoor, 1970, mit Maria Schell) und Count Dracula (Nachts, wenn Dracula erwacht, 1970, mit Herbert Lom und Klaus Kinski) zusammenarbeiteten, obwohl auch diese Flicks unter einem Mangel an Produktionswerten zu leiden hatten. Lucky, el intrépido ist eines von Francos wahrhaftigen Billigprodukten aus dem Schnäppchen-Keller. Die Billigkeit der Produktion wird sogar während des vollkommen lächerlichen „Höhepunkts“ des Films angesprochen, der sich als genauso nutz-, so wie sinnlos erweist.

Parodien von Spionagefilmen kosteten in den 60er Jahren zehn Cent, doch man wird kaum ein schlimmeres Beispiel finden können, als dieses. Das Beste am Film ist seine relativ kurze Laufzeit, was allerdings nur ein kleiner Trost für das Publikum ist, da der seine Chancen bereits innerhalb der ersten Viertelstunde verspielt.

Bonusmaterial: Bildergalerie; Trailer

—> Die Bildqualität kann für Pidax Verhältnisse als ziemlich gut beschrieben werden!

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  • Regisseur: ‎Jess Franco
  • Medienformat: ‎Dolby, PAL
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 22 Minuten
  • Darsteller: ‎Ray Danton, Barbara Bold, Dieter Eppler, Maria Luisa Ponte, Dante Posani
  • Sprache: ‎Englisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio: Pidax Film- und Hörspielverlag

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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