Mad Max

In der Zukunft ist die Ordnung zerfallen und die Polizei liefert sich mit den Banden wilde Rennen auf den Highways. Einer der wenigen aufrechten Gesetzeshüter namens Max (Mel Gibson) will, nachdem er bei einer Verfolgungsjagd seinen besten Freund und Kollegen verloren hat, aussteigen und den Dienst quittieren. Er zieht mit seiner Familie durchs Land, bis sie auf den sadistischen Toecutter (Hugh Keays-Byrne) und seine Bande treffen. Sie töten Max Sohn und verstümmeln seine Frau. Es beginnt ein blutiger Rachefeldzug und „Mad Max“ wird nicht ruhen, ehe er nicht den Letzten von ihnen getötet hat. (Warner Bros. / Universal Pictures)

Ein paar Jahre in der Zukunft, während die Gesellschaft nach und nach bereits zusammengebrochen ist. Auf den Autobahnen des australischen Outbacks hat sich die Gesetzlosigkeit schneller verbreitet sowie durchgesetzt als anderswo, weswegen die Polizei routinemäßig geächtete Fahrer und Banden jagen muss, die mit gefährlichster Geschwindigkeit über die Straßen rasen. Als der gerade aus dem Gefängnis ausgebrochene Schwerverbrecher Nightrider (Vincent Gil) auf dem Highway in Richtung Oblivion heizt und alle ihn verfolgenden Polizeiautos und Motorräder dabei auf der Strecke bleiben, ist nur noch ein Mann übrig, der es mit Nightrider aufnehmen kann, nämlich Officer Max Rockatansky (Mel Gibson) – wobei die Verfolgungsjagd für den Verbrecher nicht gut ausgehen wird.

Dieser australische Sensationsfilm, der unzählige Nachahmer hervorgebracht hat, einschließlich seiner eigenen Fortsetzungen (Mad Max 2, auch bekannt als The Road Warrior, ist wohl als einer der einflussreichsten Science-Fiction-Actionfilme aller Zeiten zu bezeichnen), wurde mit einem überraschend niedrigen Budget gedreht, wenn man das hohe Level an Spannung und die spektakulären Stunts bedenkt, die im Film zu sehen sind. Regisseur George Miller (der mit Mad Max sein Spielfilmdebüt gab) und James McCausland verfassten das Drehbuch, welches sowohl von den Autounfällen inspiriert wurde, die Miller als Medizinstudent miterlebt hatte (er selbst verlor sogar einige Freunde bei solchen Unfällen), als auch von der Benzinrationierung des Landes in den 70er Jahren, die zu Gewalt geführt hatte. Man könnte sagen, dass diese Rationierung auch zu filmischer Gewalt geführt hat.

Sollte man an den Mad Max dieser Fortsetzungen gewöhnt sein, so wird man eventuell enttäuscht sein zu sehen, dass Max erst während der letzten zwanzig Minuten so richtig Mad wird. Bis zu diesem Punkt repräsentiert er einen gesetzestreuen Bürger, der sich allerdings von seinem Job entmenschlicht fühlt. Dabei helfen auch die umherstreifenden Motorradgangs sicherlich nicht, wodurch der Streifen wie ein Biker-Film wirkt, ähnlich wie sein offensichtlichster Vorgänger, Stone (1974). Doch Mad Max stellt einen postapokalyptischen Thriller dar (Miller war stark beeindruckt von Harlan Ellisons Adaption von A Boy and His Dog / Der Junge mit dem Hund, 1975) oder sogar einen Western mit Kraftfahrzeugen, in dem die Bösen dem Gesetz immer wieder Schnippchen schlagen, während die Polizei zahlenmäßig unterlegen und frustriert ist, weil sie angesichts des steigenden Verfalls der Gesellschaft immer ohnmächtiger sowie machtloser wird.

Es hat keinen Atomkrieg gegeben und auch keine andere Art von großer Katastrophe, die Gesellschaft ist einfach zusammengebrochen, wobei es diese Entropie ist, die dem Film seine besondere Atmosphäre verleiht. Auf seine ganz eigene Art und Weise behandelt der Film das ländliche Australien, ähnlich wie das krisengeschüttelte New York City in Amerika dargestellt wurde, jedoch mit einer besonderen australischen Sensibilität, die die Atmosphäre sowohl fremdartig, sogar aufregend exotisch, als auch unglaubwürdig gestaltet, weil man nicht glauben kann, dass die Welt so schnell in einen solchen Zustand verfallen könnte. Max‘ Lebensinhalt besteht aus der Freundschaft zu seinen Kameraden und vor allem aus der liebevollen Beziehung zu seiner Frau Jessie (Joanne Samuel) und ihrem kleinen Sohn (der den äußerst bizarren sowie enorm unglamourösen Namen Sprog trägt). Man kann sich sehr wahrscheinlich schon denken, dass es ausreicht, die beiden aus dem Leben zu reißen, um den in einer schwarzen Lederuniform gekleideten Helden in den Wahnsinn zu treiben.

Die sentimentaleren Sequenzen (nach ca. der Hälfte des Streifens) wirken irgendwie fehl am Platz, da sie sich als zu sehr mit Zuckerguss überzogen (für diese raue Umgebung, in der die Protagonisten existieren) erweisen, doch sehr wahrscheinlich wurden sie absichtlich so platziert, um einen gewissen Kontrast zu den anderen Szenen kreieren zu können. Es ist sowieso die Aktion, die einem in Erinnerung bleiben wird. Als die Motorradgang in einem kleinen Städtchen ankommt, um Nightriders Leiche abzuholen, angeführt vom bösartigen sowie vielakzentuierten Toecutter (Hugh Keays-Byrne); verursacht sie Chaos. Zuerst werden zwei unschuldige Jugendliche von der Gang gejagt sowie misshandelt und dann wird Max‘ bester Freund Goose (Steve Bisley) in einer erschütternden Konfrontation erledigt. Weswegen Max seinen Dienst quittiert und mit seiner Familie im Land umherreist, bis ein erneutes Aufeinandertreffen mit den Bikern zu Jessies sowie Sprogs Ermordung führt. So hält also das Chaos Einzug in Max‘ Leben und verwandelt ihn unaufhaltsam in eine Kreatur der Rache. Es handelt sich bei Mad Max um eine enorm düstere Geschichte trotz Momenten schwarzen Humors, die von seinen Fortsetzungen in vielerlei Hinsicht übertroffen worden ist, wobei das Original eine ganz eigene finstere Kraft aufzuweisen hat. Die Stunts stellen nicht zuletzt ein kleines Wunder dar (bedenkt man das niedrige Budget), weil niemand dabei ums Leben gekommen ist. Letztendlich stellt Mad Max eine schräge Kombination aus dem Prinzipienlosen, dem Schmutzigen, dem Übertriebenen und sogar dem Opernhaften, mit dem geradezu puren Bösen dar: Max‘ finale Szene repräsentiert einen Klassiker seiner ganz eigenen Art.

Bei Amazon bestellen oder streamen

  • Alterseinstufung: ‎Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur:‎ Miller, George
  • Medienformat:‎ 4K
  • Laufzeit: 1 Stunde und 28 Minuten
  • Darsteller: ‎Gibson, Mel, Burns, Tim, Bisley, Steve, Samuel, Joanne, Gill, Vince
  • Untertitel: ‎Deutsch, Englisch, Tschechisch, Chinesisch, Niederländisch, Spanisch, Dänisch, Französisch, Finnisch, Norwegisch, Ungarisch, Koreanisch, Polnisch, Schwedisch
  • Sprache: ‎Ungarisch (Dolby Digital 1.0), Italienisch (Dolby Digital 1.0), Deutsch (Dolby Digital 1.0), Polnisch (Dolby Digital 1.0), Tschechisch (Dolby Digital 1.0), Französisch (Dolby Digital 1.0), Spanisch (Dolby Digital 1.0)
  • Studio:‎ Warner Bros. (Universal Pictures)

Beim Film-Retro-Shop bestellen

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.