Metropolis 2000 / I nuovi barbari / The New Barbarians: Warriors of the Wasteland

Nach einem Atomkrieg liegt die Welt in Trümmern. Die wenigen Überlebenden existieren unter einem Regime von Terror und Anarchie. In diesem tristen und erbarmungslosem Kosmos treffen drei idealistische Einzelkämpfer aufeinander: Skorpion, ein schweigsamer Reiter des 21. Jahrhunderts, der mit seinem „schwarzen Panther“ durch die Lande zieht. Genius, ein geschickter Bogenschütze mit explosiven Pfeilen. Und die außerordentlich attraktive und selbstbewusste Alma, die mit ihrer Gang in einem gepanzerten Bus lebt. Als die „Templars“, eine barbarische Horde mordlüsterner Biker, über unschuldige Menschen herfallen, stellen sich ihnen die drei mutigen Helden in einer blutigen Schlacht in den Weg, um die Menschheit vor dem totalen Untergang zu bewahren… (CMV Laservision)

Enzo G. Castellaris Metropolis 2000 wird von Fans und Historikern liebevoll, jedoch fälschlicherweise als Teil der nicht existierenden „Bronx-Warriors-Trilogie“ angesehen und stellt auch den einzigen von Mad Max 2 – The Road Warrior inspirierten Post-Nuke der drei genannten Filme dar. Es besteht keine weitere Beziehung zu den anderen Filmen, außer dass sie auch von Castellari inszeniert wurden. Der Streifen wurde zwischen 1990: I guerrieri del Bronx (The Riffs – Die Gewalt sind wir, 1982) und Fuga dal Bronx (The Riffs II – Flucht aus der Bronx, 1983) gedreht, wobei die beiden Bronx-Filme weniger postapokalyptisch angelegt wurden und im Milieu sowie Ton näher an Walter Hills Die Warriors (1979) und John Carpenters Escape from New York (Die Klapperschlange, 1981) liegen, mit ihren damals futuristischen Kulissen. Die Fortsetzung Fuga dal Bronx spielt zehn Jahre nach den Ereignissen von 1990: I guerrieri del Bronx, was die Betrachter möglicherweise in die Irre führt und sie deswegen mit all den Post-Nukes aus dieser Zeit in Verbindung bringt.

Metropolis 2000 bedeutet Castellaris einzigen Eintrag innerhalb des italienischen Post-Nuke-Zyklus und während er alle erwarteten verrückten Autos und futuristischen, Raketen schießenden Dünenbuggys, Post-Nuke-Despoten, Nomadenhelden und sogar dieselbe Wüste zeigt, die dieselbe verbrannte Erde darstellt, steht der Film trotzdem allein in seinem Sub-Genre. Man könnte Metropolis 2000 als das Cruising italienischer Post-Nuke-Rip-Offs ansehen, weil das, was andere als subtilen Subtext verwenden würden, hier in den Vordergrund gestellt wird. Das Ganze findet 2019 statt, einige Jahre nach dem nuklearen Holocaust, wodurch sich die Welt in eine Wüste mit verstreuten Gruppen von Überlebenden verwandelt hat, die versuchen, die Menschheit wieder aufzubauen und neu zu starten. Doch für One (Luigi Montefiori / George Eastman), dem tyrannischen Anführer der Templer funktioniert das so nicht. Die Templer nennen sich selbst die „Hohenpriester des Todes“ und die „Krieger der Rache“, die mehr oder weniger eine brutale, militarisierte Gruppe von komisch frisierten Psychos repräsentieren, die die Lebenden für das Verbrechen, am Leben zu sein, teuer bezahlen lassen.

Das Ziel von One ist, dass „der Samen der Menschheit für immer vom Angesicht der Erde verschwindet“. Was bedeutet, dass es nur Männer unter den Templern gibt und dass One ein Bevölkerungswachstum von Null anstrebt. Doch da gibt es ja noch Scorpion (Giancarlo Prete, gelistet als Timothy Brent und aussehend wie ein postapokalyptischer Bert Convy), einen nomadischen Krieger mit einer riesigen Plastikblase auf seinem Auto. Scorpion versucht einer wandernden Gruppe von Überlebenden zu helfen, zu der auch Alma (Anna Kanakis aus 2019 – Dopo la caduta di New York / Fireflash: Der Tag nach dem Ende) gehört und erhält dabei Hilfe von zwei anderen Söldnern, dem knallharten Nadir (Fred Williamson) und einem „ich-kann-alles-reparieren“ Kindermechaniker (Giovanni Frezza aus Das Haus an der Friedhofsmauer), der Scorpion in seinem letzten Kampf gegen die Templer beim Bau eines kugel- und lasersicheren „Torsoschildes“ hilft. In Bezug auf Action präsentiert I nuovi barbari so gut wie nichts Neues: eine Menge zerstörter Fahrzeuge, Verfolgungsjagden, Explosionen, zerschlagene Gesichter, Köpfe werden in Scheiben geschnitten sowie weggeblasen, während der Streifen keinen Mangel an amüsanten Dummy-Todesfällen und albernen Erfindungen bereit hält, wie zum Beispiel Scorpions „Rüstung“, die wie eine tragbare, durchsichtige Hüpfburg aussieht.

Man bekommt das Gefühl, dass The New Barbarians: Warriors of the Wasteland eine starke sexuelle Unterströmung hat, da Castellaris Fülle an Waffen auf schnell fahrenden Fahrzeugen wie eine Art Post-Nuke-Werbespot herausragen, doch das stellt nur eine Aufwärmübung für das dar, was später noch passieren wird. Worin sich der Film von der überfüllten italienischen Post-Nuke-Szene unterscheidet, ist die offene homosexuelle Darstellung der Bösewichte. One, der sich eindeutig in Scorpion verguckt hat, versucht immer wieder ihn dazu zu bringen, sich den Templern anzuschließen, was allerdings stetig abgelehnt wird. Ihre sexuelle Präferenz – oder zumindest die Präferenz von One, der seine Männer mit Gewalt und Zwang zu regieren scheint – beruht nicht auf dem angeborenen Verlangen nach anderen Männern, sondern darauf, die Möglichkeit der Zeugung zu vermeiden und somit das Ende der Welt zu erreichen.

Spät im Film hat One die Nase so dermaßen voll von Scorpion, sodass er ihn fixieren lässt und ihn durch anale Vergewaltigung gewaltsam in die Welt der Templer „einführt“, eine Zeremonie, die der Rest der Templer nur allzu gut zu kennen scheint. Erst nach dieser Demütigung und Entmannung erhebt sich Scorpion wie ein rächender Engel und beschließt, die Templer ein für alle Mal zu vernichten. Hier schwankt Metropolis 2000 zwischen einem postapokalyptischen Italo-Western mit Scorpion, Nadir und dem Kindermechaniker, die die erforderliche unheilige Allianz bilden und einem Post-Nuke Deliverance (Beim Sterben ist jeder der Erste, 1972), wobei Nadir sowie das Kind beiseitetreten und Scorpion alleine mit One abrechnen lassen. Scorpions letzte Rache an One gestaltet sich so verdreht witzig, wie es in diesem Sub-Genre nur selten vorkommt: bei einer Verfolgungsjagd fährt Scorpion auf Ones Vehikel auf, wodurch ein strammer, bohrerartiger Mechanismus die Rückseite des Fahrzeugs penetriert, den unteren Teil des Fahrersitzes direkt durchdringt und somit buchstäblich durch Ones Hinterteil pflügt und ihn auseinanderreißt.

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  • Künstler: Trash Collection
  • Format: Dolby, HiFi-Sound, PAL
  • Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
  • Region: Region 2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: CMV Laservision
  • Produktionsjahr: 1982
  • Spieldauer: 82 Minuten

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Leider kam es bei der VHS- sowie der DVD-Auswertung von Metropolis 2000 zu einigen Kürzungen. Hier geht’s zu den Schnittberichten.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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