México Bárbaro II

„México Barbaro II“ macht da weiter, wo sein Vorgänger aufgehört hat. Bei der zweiten Reise ins barbarische Mexiko nimmt ein lebender Toter brutale Rache, ein Nationalgericht wird zum kannibalischen Eintopf, eine entstellte Frau verfolgt einen Furchtbaren Plan und ein Todesfluch sucht eine Gruppe Schulmädchen heim und macht ihre letzten Minuten zur Hölle auf Erden. Neun mexikanische Filmemacher lassen die übernatürlichen Legenden und gewalttätigen Alltagsprobleme ihres Heimatlandes zur blutigen Realität werden. (Rawside Entertainment)

Wie der Titel schon vermuten lässt, handelt es sich hier um eine mexikanische Produktion, in der wir eine Serie von Kurzfilmen mit den Themen Rache, Folklore und satanische Hexerei vorgesetzt bekommen. Diese Art von Produktion wartet immer mit ein paar Treffern, Beinaheunfällen und totalen Blindgängern auf und präsentiert sich deswegen meistens unausgegoren – doch México Barbaro 2 zeigt sich von einer ziemlich lebhaften Seite und ist vollends mit interessanten regionalen Details gespickt. Juan the Soldier ist die Geschichte eines Mannes, der 1938 vom Militär zu Unrecht hingerichtet wurde. Sein Kommandant brauchte ganz einfach jemanden, der für die jüngsten Verbrechen bezahlt, da die Leute nur mit der Präsentation eines Sündenbocks zur Ruhe gebracht werden können. Es scheint jedoch, als hätten die Mächte des Bösen einen Sinn für Gerechtigkeit und schon bald kehrt Juan zurück, um seine Rache auszuüben.

In Paidos Phobos hält eine gestresste Mutter ein mysteriöses Kind im Schlafzimmer des Obergeschosses versteckt. Ist dieses Kind böse? Nun, das wird nicht ganz klar. Hier gibt es einiges an verwirrendem Editing zu bestaunen, während viele schwarze Rahmen verwendet werden, die keinen wirklichen Zweck zu erfüllen scheinen. Die Episode enthält verschiedene Bilder einer Nachtclubparty, bei der so einiges schief gelaufen ist; jemand ertrinkt in einer Badewanne und Schattenfiguren verschwinden in der Nacht, wenn die Lichter angehen. Handelt es sich hier um eine Geistergeschichte oder eine Geschichte von Kindern, die aufgrund unaussprechlicher Umstände erzogen werden? Keine Ahnung, dies ist bei weitem das schlechteste Segment der Anthologie.

Potzonalli bringt die Dinge mit einem netten Familientreffen wieder in Schwung. Hier wird das traditionelle Gericht des Titels mit einigen eher ungewöhnlichen Zutaten zubereitet, wobei sich die Motive der Familie ziemlich deutlich offenbaren. Der Vater des Haushalts ist ein abscheulicher Kerl, der seine Frau und seine Kinder brutal misshandelt. Einige Aufnahmen zeigen ihn mit Gesichtszügen, die einem Schwein ähneln und signalisieren, wie ihn seine Familie sieht und was noch mit ihm passieren wird. Diese Episode ist als sehr blutig zu beschreiben und legt extrem schwarzen Humor an den Tag, was die Vorgänge recht interessant gestaltet.

Der Wandel des Tons geht bei Fireballs etwas zu weit. In diesem Fall bekommen zwei Filmemacher mehr, als sie erwartet haben, während sie einen pornografischen Film drehen, der mit einer Reihe satanischer Riten verbunden ist. Die beiden Frauen, die zum Shooting erscheinen, nehmen die Versuche sich mit Okkultismus zu beschäftigen, weitaus ernster als die beiden Typen. Das Problem hierbei ist, dass das Segment voller zufälliger visueller Effekte steckt. Es füllt den Rahmen mit zufälligen Animationen wie Spams auf Websites für Erwachsene und ist im Allgemeinen als eher ärgerlich, denn als lustig zu bezeichnen, während die Spannung sichtlich nachlässt.

Vitriol holt das Publikum glücklicherweise aus diesem kindischen Versuch Sex und Humor zu vermischen zurück und beschert ihm eine Geschichte über ein Model, das nach einem Trauma leidet. Dieses Segment gestaltet sich kalt und distanziert, mit wenig Dialog, was es allerdings viel atmosphärischer wirken lässt, als die anderen Geschichten. Das Model hat sich eine Flasche Schwefelsäure sowie einen glänzenden neuen Klauenhammer gekauft. In einer dreiteiligen Geschichte innerhalb dieser Anthologie sieht man zuerst, wie sie sich einen Rachefilm ansieht, bevor man präsentiert bekommt, wofür die Gegenstände aus dem Baumarkt verwendet werden. Das Fazit fühlt sich ziemlich gehetzt an und ein bisschen mehr an Exposition hätte die Dinge vielleicht ein wenig konkretisieren können, aber trotzdem zählt dieses Segment zu den stärkeren Einträgen.

Do Not Sleep nimmt wieder die Idee von Folklore und Tradition auf. Edgar, ein kleiner Junge, hat Probleme mit dem Einschlafen wegen den Geschichten, die seine Großmutter ihm immer erzählte. Sie ist kürzlich verstorben, doch ihre alten Sprüche über Spinnen in den Mündern und Seelen der Menschen, die in der Nacht verschwinden, haben sich bei ihm manifestiert. Die Idee, dass ein Kind und ein Alleinerziehender mit Verlusten dieser Art durch Aberglauben fertig werden, ist ziemlich interessant, doch die Erzählung unterstützt nichts sonderlich Engagierendes, was diese Folge zu einer der schwächeren macht.

Eine letzte Anwendung von trostlosem Humor findet sich in It’s About Time. Diese Episode zeigt was Fatima, ein junges Mädchen, das Edgar aus dem vorigen Kapitel kennengelernt hat, letztendlich vorhatte. Man sieht ziemlich viele Pentagramme, während sie und eine Freundin böse Mächte herbeirufen, um sich an der Teenager-Clique zu rächen, zu der sie gehörten. Es kommen einige schlechte digitale Effekte zum Einsatz, doch zum größten Teil ist dieses Segment voll von Splatter und Spektakel, während die Teenager-Bande beginnt auseinanderzufallen – in einigen Fällen sogar buchstäblich. Eklig sowie spaßig präsentiert sich dieses Kapitel und hätte wirklich das letzte sein sollen.

Die Abschlussgeschichte wird jedoch von Exodontia repräsentiert, einem schäbigen und verwirrenden Blick auf die Welt der Drogen, des Sex und des Satans. Vielleicht sind die körperlichen Verletzungen, welche sich die Frau im Zentrum dieser Geschichte selbst zufügt, ein Symbol für die Art von Schaden, den ein solcher Lebensstil bereithält. Wer weiß das schon? Jedenfalls taucht eine in Latex gekleidete, nette, dämonische Figur auf, die immer mehr Körperteile verlangt, was sich allerdings nie wirklich wie ein Teil einer vollständigen Geschichte anfühlt.

Wie bei vielen dieser Art von Filmen gibt es auch hier Höhen und Tiefen. Manche Leute könnten der Meinung sein, die Anzahl der Folgen wäre zu gering oder man ist der Ansicht es seien nicht genügend Segmente vorhanden. In diesem Fall hätte man sehr wahrscheinlich auf einige der Episoden verzichten können, da das Eröffnungs- und das Schlusssegment zu den stärksten gehören. Wenn man bedenkt, dass hier acht Kurzgeschichten erzählt werden, handelt es sich um kein besonders langes Feature aber einen Teil davon hätte man trotzdem weglassen können. Es kommen zwar einige Momente vor, in denen es eine Verbindung zwischen den verschiedenen Episoden zu geben scheint, doch einige der Geschichten fühlen sich nie essentiell an. México Barbaro 2 stellt sich als eine äußerst gemischte Angelegenheit dar, was vermutlich unvermeidbar war. Trotzdem könnte es sich für den einen oder anderen lohnen, die wenigen wirklich lustigen Geschichten, viele praktische Effekte und einige interessante Geschichten mexikanischer Folklore anzusehen.

Rawside Entertainment / Redscreen bringen México Barbaro 2 im Mediabook als Blu-Ray- / DVD-Combo mit drei unterschiedlich limitierten, verschiedenen Cover-Motiven heraus. Über die Qualität der Segmente der Anthologie lässt sich sehr wahrscheinlich streiten, über die Qualität der Veröffentlichung allerdings nicht. Das Bild präsentiert sich im 2,35:1 (1080p) Format und macht einen hervorragenden Eindruck, während es beim Ton ebenso nichts zu meckern gibt. Hier stehen eine deutsche und spanische Spur (DTS-HD Master Audio 5.1 / Dolby Digital 5.1 ) zur Auswahl, wobei man deutsche Untertitel zuschalten kann. Die Extras bestehen aus einem 24-seitigen Booklet mit einem interessanten Text von Christoph N. Kellerbach, einem Behind the Scenes featurette und einem Trailer. Insgesamt handelt es sich hier um eine sehr gelungene Mediabook-Edition, die für Liebhaber und Freunde von gepflegten Horror-Anthologien sicherlich einen Blick wert sein sollte.

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung : Nicht geprüft
  • Regisseur : Saul, Gigi, Soto, Aaron, Nito, Edgar, Guzman, Ulises, Bornn, Laurette Flores
  • Medienformat : Breitbild
  • Laufzeit : 1 Stunde und 37 Minuten
  • Darsteller : Albeida, Yeray, Barreiro, Francisco, Aguirre, Adrian, Bridgman, Leif, Arce, Leslie
  • Untertitel: : Deutsch
  • Studio : Wicked-Vision / Rawside Entertainment / Redscreen

Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Rawside Entertainment / Redscreen zur Verfügung gestellt. Das Bildmaterial stammt nicht von dieser Edition.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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