Mille dollari sul nero / Sartana / Blood at Sundown

Johnny Liston (Anthony Steffen) hat zehn Jahre für einen Mord im Gefängnis gesessen, den er gar nicht begangen hat. Als er in seine Heimatstadt zurückkehrt, muss er feststellen, dass sein verrückter Bruder Sartana (Gianni Garko) mit seinen Leuten die Bewohner der dortigen Siedlungen terrorisiert und Schutzgeld erpresst. Außerdem hat er Johnnys Freundin Manuela vor den Augen ihres Bruders Jerry vergewaltigt und zur Frau genommen. Jerry, dem es seitdem die Sprache verschlagen hat, tut sich mit Johnny zusammen, um Sartana endlich das Handwerk zu legen…

Der Klang einer klagenden Solotrompete und eine Nahaufnahme von Anthony Steffen als Ex-Sträfling Johnny Liston … so beginnt dieser etwas verrückte, faszinierende … oft schwächelnde, aber nie langweilige Italo-Western von 1966. Nachdem er zehn Jahre im Gefängnis verbracht hat (für einen Mord, an dem er gar nicht beteiligt war), gerät Johnny in einen tödlichen Hinterhalt, als er sich auf dem Weg in seine Heimatstadt befindet. Natürlich überlebt Johnny den Anschlag, um dann wenig später feststellen zu müssen, dass die Stadt von einer Verbrecherbande kontrolliert wird, deren Anführer Johnnys Bruder Sartana (NEIN, nicht DER Sartana) ist, ein verrückter, selbsternannter General, der mit seinen „Streitkräften“ auf besonders brutale und kompromisslose Art und Weise Schutzgeld erpresst. In Sartanas Lager (das irgendwie wie eine Kombination aus einem Aztekentempel und einem Fort, das in die Seite eines Berges hineingebaut wurde, aussieht) findet Johnny auch seine ehemalige Geliebte Manuela wieder, die zwischenzeitlich von Sartana zur „Frau“ auserkoren worden ist. Doch zunächst besucht Johnny seine geistig leicht verwirrte Mutter, die in einem Gebäude lebt, das architektonisch einem griechischen Tempel ähnlich ist. Sie repräsentiert die „Königin“ der Stadt, wenn man so will … von Luxus und Macht geblendet … von den Untaten ihres wahnsinnigen Sohnes berauscht.

Als Sartanas „Truppen“ in eine nahe gelegene Stadt „einmarschieren“, um Schutzgeld zu fordern, verkündet Johnny: „Die Stadt steht unter meinem Schutz!“ und löst damit eine Reihe von Schießereien aus, die im Grunde Grenzen definierende Wettbewerbe im Vorfeld der unvermeidlichen Konfrontation Bruder gegen Bruder darstellen. Diese Konfrontation gegen Ende des Films kann als stark surreal und wirklich gut in Szene gesetzt beschrieben werden. Sie stellt das „Fegefeuer“ dar mit der Hauptstraße als Fluss Styx, der den Weg in die Unterwelt ebnet. Sartana schließt mit einem biblischen Zitat von Leviticus („Du sollst in deinem Herzen keinen Hass gegen deinen Bruder tragen und erhebe dich nicht gegen dein eigenes Blut.“Leviticus XIX), während sich der Himmel unter Donnergrollen verdunkelt. Alberto Caldone aka Albert Cardiff, der schon als Regieassistent bei Ben Hur (1959) und als Second Unit Director bei Barbarella (1968) mitgewirkt hatte, zeichnet sich für all das verantwortlich, wobei er den Film mit klassischen Themen und Referenzen, Elementen der griechischen Tragödie, Shakespeare-Drama, italienischer Oper, ödipalen Themen sowie religiösen Gleichnissen (Kain und Abel) vollstopft. Tja und genau da liegt der Schwachpunkt des Streifens. Caldone überfrachtet den Streifen mit den verschiedensten Themen, während er keines davon so richtig ausformuliert.

Weiterhin gibt es noch einige lächerliche Aufnahmen der Sonne unter Begleitung von kitschiger Orgelmusik, absurde Dialoge, Stummfilm ähnliches overacting und einige intensive Nahaufnahmen von wahnsinnigem Lachen zu sehen. Komponist Michele Lacerenza war einer der Trompeter auf dem Soundtrack zu Eine Handvoll Dollar und hier gelingt es ihm den Film mit passender Musik zu untermalen … einschließlich des tollen, melancholischen Trompetenthemas. In Mille dollari sul nero ist eine Menge los. Während einige Aspekte nicht ganz so gut aufgehen, gibt es auch sehr gelungene Momente zu bestaunen. Der Film repräsentiert die einzige Zusammenarbeit von Garko und Steffen, wobei Garko ein erinnerungswürdiges Italo-Western Debut gibt, denn so wird man Gianni Garko nicht mehr wieder sehen … als grausamen, psychopathischen Wahnsinnigen (er erinnert dabei stark an Klaus Kinski), der ganze drei Städte unterdrückt, deren Einwohner ihm für seinen „Schutz“ Tribut zollen müssen. Letztendlich versucht Alberto Caldone zu viel in Sartana unterzubringen, was dem Film etwas schadet, doch Garkos Debut und dessen Paarung mit Steffen sowie der gute Soundtrack können da locker drüber hinweghelfen.

Hier kann man gar nichts anderes schreiben als, dass die DVD qualitativ sehr zu überzeugen weiß. Bild und Ton sind klasse restauriert worden … der Film konnte in noch keinem besseren Zustand gesehen werden (für Bildvergleiche bitte hier Schnitt- und Bildvergleich klicken). Bei den Extras sticht natürlich, wie fast immer, der Audiokommentar von Prof. Dr. Marcus Alexander Stiglegger und Ivo Ritzer heraus. Hier bekommt man eine Fülle an Informationen über den Film, die Darsteller und das Genre an sich sehr unterhaltsam und kompetent präsentiert. X-Cess gelingt eine sehr schöne Veröffentlichung eines wahren Italo-Western Klassikers. Der Film offenbart zwar einige Schwächen, kann diese aber mit etlichen gelungenen Aspekten wieder ausgleichen. Qualitativ gibt es bei der DVD nichts zu beanstanden und auch die Aufmachung ist als recht ansprechend zu bezeichnen. Es sind gleich drei verschiedene Covermotive (streng limitierte große Hartboxen, eine kleine Hartbox ist auch geplant) erhältlich, die alle klasse gestaltet worden sind.

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung: Nicht geprüft
  • Regisseur: Cardiff, Albert
  • Medienformat:‎ Breitbild
  • Laufzeit: 1 Stunde und 40 Minuten
  • Darsteller:‎ Steffen, Anthony, Blanc, Erika, Rupp, Sieghardt, Ott, Angelica, Garko, John
  • Untertitel: ‎Deutsch
  • Sprache: ‎Italienisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio: XCess

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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