Mitternachtsspitzen

Mitternachtsspitzen (Midnight Lace) ist ein Psychothriller von 1960 mit Doris Day und Rex Harrison in den Hauptrollen.

Der Film handelt von der Amerikanerin Kit (Doris Day), die frisch vermählte eines britischen Bergbau-Firmenchefs (Rex Harrison). Eines Tages hört Sie im Park an der Themse Stimmen, bekommt Droh-Anrufe. Ein unheimlicher Verfolger stellt ihr nach. Sie ist traumatisiert, doch weder ihr Mann noch die Polizei glaubt ihr vollends, denn niemand sonst hat die Stimme je gehört. Ringt die von ihrem beschäftigten Mann vernachlässigte Hausfrau gar um Aufmerksamkeit? Auch ihre beste Freundin zweifelt. In Kits Verdacht fällt zuerst der seltsame Sohn ihrer Haushälterin, aber auch der attraktive Bauarbeiter vom Gerüst nebenan ist ihr noch nicht ganz geheuer. Scotland Yard will nun dem Unbekannten eine Falle stellen, doch der steht plötzlich längst in Ihrer Tür…. oder doch nicht? Dann klingelt wieder das Telefon…..

Doris Day geht natürlich immer gerne. Hier übertreibt sie es teilweise etwas, was in diversen Kritiken des Films regelmäßig bemängelt wird. Aber so ist sie halt. Ohne sie allerdings wäre der Film auch nix. Denn der gute Soundtrack und die gekonnte Kameraführung kann die vor allem gegen Ende etwas dünne Story nicht alleine zusammen halten. Der Film ist ganz Hitchcock ohne gut genug für Hitchcock zu sein. Den Zuschauer einfach am Ende vor seltsame Tatsachen zu stellen ohne dass man eine Art Heureka Moment hat zeugt eben doch irgendwie von Einfallslosigkeit. Zwar kann Midnight Lace durchgehend unterhalten, ist auch recht spannend und fesselnd, aber verpufft am Ende, als sich das Drehbuch verhaspelt.

Die BluRay Neuauflage von Koch Media enthält quasi drei Fassungen des Films. Eine deutsche Kinofassung in Vollbild (SD) sowie die original Kinoversion in zwei verschiedenen Bildseitenformaten (HD). Zum einen eine sogenannte Superscope Fassung (2.00:1), zum anderen eine sogenannte „Geöffnete Fassung“ (wohl die Übersetzung von „Open Matte“, hier 1.78:1). Zweitere scheint wohl eher das Originalformat zu sein, aber ich habe nirgends eine verlässliche Quelle gefunden. 2.00:1 ist jedenfalls kein gebräuchliches Format. Die Qualität beider Fassungen ist identisch (subjektiv keinen Unterschied festgestellt), und zwar beide Male gleich miserabel. Von einer ordentlichen Restauration bzw. HD-Neuabtastung kann hier nicht die Rede sein, das Material dass man vom Lizenzgeber Universal hier erhalten hat ist keine Verbesserung zur BluRay von 2013 nehme ich an und leidet unter schlechter Auflösung, Verschmutzung, Kompressionsartefakten und was weis ich. Diese BluRay ist bezogen auf das Bild definitiv nicht gut. Die nicht restaurierte (tatsächliche „Open Matte“ 1.37:1) deutsche Fassung die hier in Vollbild enthalten ist entstammt eines anderen Materials und sieht aber nun auch nicht so viel schlechter aus, hier kommt etwas mehr Retro-Feeling auf. Die englische Tonspur lässt sich hier auch anwählen.

Der Ton (Englisch getestet) ist in Ordnung, er liegt wie auch die Synchronfassung in Stereo vor und klingt dem alter entsprechend zufriedenstellend, auch in Bezug auf Musik und Geräuschkulisse. Es gibt optionale deutsche Untertitel, keine englischen. In Sachen Extras wurde das Material der bisherigen BluRay wieder übernommen. Dazu gehört ein Featurette, „Höchste Eleganz“ genannt, über die Kostüme des Films (5min), ein fürs deutsche Fernsehen oder Kino-Vorprogramm produziertes Feature das sich mit dem Costume Design beschäftigt. Das gibts nur in Synchronfassung, also die Filmausschnitte oder Interview-Ausschnitte gibt es nicht im Originalton. Ich fand das ist ein witziges Extra, weil es jenseits dessen was einen Cineasten interessiert ein sehr nettes Retro-Feeling aufkommen lässt. Außerdem gibt es eine Bildergalerie, den deutschen Trailer und den US Trailer.

Insgesamt bekommt man hier, sofern man den Film neu entdecken will, eine solide Präsentation von Midnight Lace, die technisch ausreicht aber leider weit hinter den Möglichkeiten zurück bleibt. Gerne verbringt man hier zwei Stunden mit Day und Harrison, sofern man sich am Ende nicht von den Schwächen beim Storytelling enttäuschen lassen möchte. Ein schön gemachter Psychothriller im besten Hitchcock-Stil, nur eben nicht so gut wie ein Hitchcock den Film gemacht hätte.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Media zur Verfügung gestellt.

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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