Old Henry

Old Henry

Old Henry ist ein Western aus dem Jahr 2021 und das Regiedebut von Potsy Ponciroli.

Der Film handelt von dem Farmer Henry McCarty (Tim Blake Nelson), der mit seinem Sohn Wyatt (Gavin Lewis) allein, versteckt in den Hügeln Oklahomas, Felder bestellt und Schweine züchtet. Als ein mysteriöser Fremder mit einer Schusswunde und einer Tasche Geld quasi in ihre Arme fällt, endet die Idylle. Der verletzte Curry (Scott Haze) wird von dem brutalen Sam Ketchum (Stephen Dorff) und seiner Posse verfolgt. Als Henry sich weigert, den verletzten Curry auszuhändigen, kommt es zu einer brutalen Konfrontation. Doch die Identitäten aller Beteiligten sind längst ebenfalls Gegenstand von brutalen Offenbarungen….

Old Henry

Dass heutzutage keine guten Western mehr gedreht werden ist eine Mär, der leider zu viele anhängen. Klar, ein Großteil davon ist billiges Straight-to-VOD Zeugs, und die Menge hat natürlich auch nachgelassen. Aber man kann eigentlich davon ausgehen dass jährlich gute auf den Markt kommen. Old Henry ist ein guter, wenn nicht sogar sehr guter, neuer Western. Für ein Regiedebut ist der Film geradezu überragend. Der auf Festivals und von Fans bereits gefeierte Film besticht durch einen gewissen Konservativismus in Story, Konzept und Charakteren und durch einen gewissen Minimalismus gepaart mit außerordentlicher Handwerkskunst gleichermaßen.

Während ich beispielsweise kein Fan von dem in diesem Zusammenhang oft zitierten The Ballad of Buster Scruggs bin, sollte man Nelson zu Recht als einen der größten lebenden amerikanischen Charakterdarsteller feiern. Dass er hier auch noch als Coproduzent so ein Kleinod möglich machte, ist ihm hoch anzurechnen. Der Film sieht großartig aus, ist super erzählt und hat eine ausgezeichnete Besetzung.

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Dass der Film die ein oder andere recht spannende Wendung beinhaltet macht ihn umso unterhaltsamer. Zwar ist natürlich von Beginn an einigermaßen klar, worauf es hinausläuft, doch über die Details ist man lange Zeit im Dunkeln gelassen. Wunderbar ist vor diesem Hintergrund dabei, wie Dorff und Nelson einander umtänzeln. Je weniger man über den Film weiß desto besser ist es eigentlich, natürlich sollte man aber eine gewisse Affinität zum Genre mitbringen um ihn voll auszukosten – und obwohl der Film durchaus mit brutalen Schießereien aufwartet, ist es ein wahrlich ruhiger, fast schon stiller Film. Ich war jedoch begeistert, und viele dich ich kenne sind es auch (Bluntwolf fand ichn auch prima). Ein hochwertiger, unterhaltsamer, nachdenklicher und gutaussehender moderner Western der meisterhaft mit den klassischen Motiven des Genres spielt und dennoch etwas neues dazu beiträgt. Prädikat: Empfehlenswert.

Bei Koch Films erscheint der Film sowohl auf BluRay als auch in einer 4K UltraHD BluRay Mediabook Edition (letztere stand mir nicht zur Verfügung, aber wie weiter unten zu lesen ist würde ich empfehlen im Zweifelsfall zu dieser zu greifen, zumal darin auch eine reguläre BluRay enthalten ist).

Old Henry

Das Bild präsentiert sich in einem wunderbar retro-mäßigen Filmlook der sich durch wunderschöne, teils pastellfarbene Töne auszeichnet, erdige Brauns und leuchtende Blaus. Der Film ist ja auch wunderbar gemacht. Man bekommt richtig lust auf die 4K UltraHD Version mit HDR. Und hier zeigt sich leider bei der normal-HD BluRay auch eine Schwäche von der ich zumindest hoffe dass sie derart bei der UHD nicht vorkommt: Kontrast und vor allem Schwarzwerte sind eher schwach, fast schlecht, mit viel Grau wo eigentlich Schwarz sein sollte. Das liegt zwar teilweise am Stilmittel, dem leicht matten und verschleierten Look des Bildes, aber es enttäuscht ein klein wenig. Ansonsten ist das Bild scharf und Detailreich, wenn auch nicht mit einem schon in 8K gedrehten Film vergleichbar.

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Der Ton st sehr subtil, denn es ist ein sehr leiser Film. Hier hätte die Abmischun den zu hörenden Schwerpunkt räumlich stärker in Richtung Zuschauende verschieben sollen, zumal die Dialogverständlichkeit teilweise an den etwas argen Dialekten bzw. auf altertümlich gemünzten Kauderwelsch leiden kann (es gibt aber auch eine deutsche Synchronfassung wer sich das antun mag, sowie deutsche Untertitel). Der Raumklang ist total okay aber haut niemanden um – übrigens auch nicht wenn das Geballer dan los geht. Es klingt gut, keine Frage, aber das ist kein Referenzmaterial, man hätte da mehr rauskitzeln können, auch aus den leisen Momenten.

Old Henry

Extras: Besomders viel ist hier nicht an Bord leider. „A Look at Old Henry“ (8min) ist eine kurze Making-of Doku mit einigen Interviews, die man nicht vor dem Film gucken sollte. Dann sind noch die Trailer dabei, das wars.

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Die Bluray wurde uns zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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