Paprika – Ein Leben für die Liebe

Eigentlich wollte die junge Mimma nur zwei Wochen lang für ihren Freund ein wenig Geld heranschaffen. Doch die Arbeit in Madame Colettes venezianischem Bordell bereitet ihr solchen Spaß, dass sie beschließt, länger als geplant im horizontalen Gewerbe zu wirken. Dank ihres wohlproportionierten Körpers entwickelt sich Mimma unter dem Namen Paprika zu Madame Colettes bester Kraft. Doch Paprika ist nicht nur scharf auf Sex. Die Suche nach wahrer Liebe führt sie bis nach Rom, wo sie in den Armen eines reichen Grafen Erfüllung findet. (Wicked Vision)

Es gibt wohl kaum einen anderen Regisseur, der so schöne Frauen gefilmt hat, wie Tinto Brass. Der großartige Federico Fellini sah sie auf eine ähnliche Art und Weise, doch meistens ließen seine Filme viel Raum für Fantasie. Brass war es nie Bange in seinen Filmen zu zeigen, dass reine Erotik und Eleganz untrennbar miteinander verbunden sind, weil er wusste, dass sie selten so präsentiert und geschätzt wurden, wie sie sollten. Die atemberaubend schöne Debora Caprioglio spielt das junge Landmädchen Mimma, das von ihrem Freund in ein beliebtes Bordell geschickt wird. Die beiden planen zu heiraten, bevor sie das jedoch tun, will der Junge sein eigenes Geschäft aufbauen. Dazu braucht er Geld – nicht viel, allerdings jedoch viel mehr als das Mädchen und er zusammen verdienen können, wenn sie in normalen Jobs arbeiten – und überzeugt Mimma, für ein paar Wochen im Bordell zu „jobben“, um genügend Geld für ihren gemeinsamen Traum zu verdienen. Die Leiterin des Bordells, Madame Colette (Martine Brochard), wählt einen neuen Namen für Mimma aus, Paprika, der ihrer Meinung nach Mimmas würzige Figur perfekt zu beschreiben vermag.

Mimma wird noch von einem Arzt untersucht, worauf sie beginnt zu arbeiten. Paprika wird zum Star und Kunden jeden Alters strömen herbei, um sie zu sehen. So verdient sie schnell genug Geld, um ihrem Freund bei der Eröffnung seines Geschäfts helfen zu können, macht dann aber eine schockierende Entdeckung, von der sie sich gezwungen sieht, sich von ihm zu trennen. Daraufhin begibt sich Mimma auf die Reise zu verschiedenen Orten und trifft auf ihrem Weg verschiedene Charaktere, während sich das Land langsam beginnt zu verändern und die einst beliebten Bordelle eins nach dem anderen damit beginnen ihre Türen und Tore zu schließen. Paprika hat definitiv eine wilde Seite, sieht allerdings nie anstößig aus oder fühlt sich auch nicht anrüchig an. In einem Interview erklärte Brass einst, dass Paprika im Wesentlichen eine Zusammenfassung seiner Erinnerungen an die letzten Tage der legalisierten Prostitution in Italien darstellt. Er argumentiert, die Bordelle seien ein wesentlicher Bestandteil des sozialen Umfelds gewesen, welches das Italien der Nachkriegszeit definierte und dass mit ihrer Schließung ein einzigartiges Stück Kultur verloren gegangen ist.

Dies ist natürlich etwas, dem nicht jeder zustimmen würde, doch es repräsentiert ein Schlüsselelement der Geschichte, die sein Film erzählt. Paprikas Reise von ihrer Heimatstadt ins Bordell und von dort in die großen Städte des Landes wird als Akt der Rebellion angesehen, der sie stärker und selbstbewusster werden lässt, insbesondere wenn es darum geht ihr Leben zu kontrollieren und ihre Rechte geltend zu machen. Sie ist gezwungen, ihren Körper zu benutzen, doch Brass‘ Punkt ist, dass dies nur eine andere Form von notwendigem Opfer sei. Mimma steht es jeder Zeit frei nach Hause zurückzukehren und ein ganz anderes Leben zu beginnen. Der visuelle Stil des Films ist als absolut großartig zu bezeichnen. Die Frauen sind unglaublich schön und immer stilvoll gekleidet, während die Kinematographie zu den besten innerhalb Brass‘ Werk zu zählen ist (nur im umstrittenen Salon Kitty gibt es Segmente, die noch beeindruckender aussehen).

Es wird auch eine Fellini-artige Atmosphäre aufgebaut, obwohl das Fehlen von exotischen Traumsequenzen und vor allem von Satire die erotischen Aspekte anders gedeihen lässt. Debora Caprioglio repräsentiert immer die richtige Persönlichkeit und sieht unglaublich entspannt aus. Infolgedessen funktionieren die riskanteren Segmente genauso wie beabsichtigt. Martine Brochard war auch die richtige Wahl, um eine Frau mit ungewöhnlichem sexuellen Verhalten zu verkörpern. John Steiner hat später im Film einen sehr interessanten Cameo-Auftritt. Der Star aus Erwachsenen-Filmen, Valentine Demy, übernimmt die Rolle der sehr attraktiven Beba. Die Kameraarbeit stammt von Silvano Ippoliti, der einige von Brass‘ besten Filmen gedreht hat, darunter Caligula und Miranda – Die Wirtin vom Po (mit einer weiteren wunderbaren Vorstellung von Serena Grandi). Der tolle, zeitgenössische Soundtrack wurde vom legendären Riz Ortolani beigetragen.

Wicked-Vision veröffentlicht Paprika – Ein Leben für die Liebe als Nummer 01 ihrer Ordinary Dreams Collection in einer Scanavo-Box (Blu-Ray). Tinto Brass‘ Kultfilm ist erstmals ungekürzt in Deutschland erhältlich und feiert außerdem seine Blu-ray-Premiere. Bild (1,66:1; 1080p) und Ton (Deutsch + Italienisch DTS-HD Master Audio 2.0) bewegen sich auf ziemlich hohem Niveau, da kann man sich absolut nicht beschweren. Deutsche oder englische Untertitel können zugeschaltet werden. Insgesamt handelt es sich bei Paprika – Ein Leben für die Liebe wieder einmal um eine äußerst gelungene Edition mit interessantem Bonusmaterial. Tinto Brass Fans und Liebhaber deftiger Italo-Erotik werden mit diesem Klassiker voll auf ihre Kosten kommen. Erlebt Paprika erstmals völlig unzensiert in Deutschland in High Definition.

Extras:
• 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Thorsten Hanisch
„Welcome to the Whorehouse“ – Ein Interview mit Regisseur Tinto Brass
• Bildergalerie
• Trailer

Beim Wicked Shop bestellen

(nur nach Anmeldung im 18er Bereich möglich)

Freigabe: ungeprüft
Ländercode: A,B,C
Laufzeit: 116 Minuten (ungekürzt)
Bildformat: 1,66:1 (1080p)
Sprache: Deutsch, Italieb
Tonformat: DTS-HD Master Audio 2.0
Untertitel: Deutsch, Englisch
Untertitel Extras: Deutsch, Englisch
Verpackung: Scanavo BD-Box
Discs: 1
Format: Blu-ray

Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked Vision zur Verfügung gestellt.

Das Bildmaterial stammt nicht von dieser Edition.

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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