Perfect Blue – Pafekuto buru

Perfect Blue - Pafekuto buru

Die junge Sängerin Mima verlässt ihre Popband CHAM!, um Schauspielerin zu werden. Ihr Imagewechsel vom Unschulds-Popsternchen zum Vamp verstört jedoch ihre alten Fans. Ein Stalker, eine intime Internetseite und eine Vergewaltigungsszene, die sie dreht, führen schließlich zu ihrem psychischen Zusammenbruch. Die Grenze zwischen Realität und Wahnsinn ist nicht mehr klar erkennbar – Mima wird bedroht und Menschen aus ihrem Umfeld werden ermordet. Langsam begreift Mima: Ist vielleicht sie die Mörderin?

Perfect Blue - Pafekuto buru

Perfect Blue ist einer der interessantesten Anime-Filme, die man je gesehen hat. Liebhaber des filmischen Puzzlers von Vertigo (Vertigo – Aus dem Reich der Toten, 1958) bis Abre los ojos (Virtual Nightmare – Open Your Eyes, 1997) oder der Filme von Dario Argento und David Lynch werden den Streifen wahrscheinlich etwas mehr als die typischen Anime-Fans genießen können, die ihn für ihren Geschmack eventuell etwas zu langsam und nicht grell genug finden könnten. Pafekuto buru erreicht selbstverständlich nicht ganz die Höhen der oben genannten, ist aber immer noch ein faszinierender, vielschichtiger Thriller, der sich mit wiederholten Sichtungen stetig verbessert. Als ein Blick auf die Illusionen des Ruhms und der dunklen Seite von Besessenheit ist es ein viel befriedigender Film als viele der berühmteren und extravaganteren Hollywood-Flics von heute. Für einen maximalen Effekt sei es allerdings empfohlen die ursprüngliche japanische Version mit Untertiteln anzuschauen, anstatt der inferioren deutschen Synchronisation zu lauschen. Dieses Filmerlebnis wird einen noch Tage später beschäftigen. Perfect Blue stellt einen stürmischen Erfolg in jeder Abteilung dar, ein brillantes Stück stilistischer Arbeit, vollgepackt mit mächtigen Schreckmomenten. Der Plot dreht sich um Teenie-Pop-Idol Mima, die versucht den Sprung von der Sängerin zur Schauspielerin zu schaffen. Zunächst scheint für Mima alles normal zu laufen, doch die flippige Regie spielt bereits auf die Dinge, die da kommen werden, an. Denn es wäre ja kein Thriller, wenn die gute, alte Normalität nicht in tausend Stücke zerbrechen und den Weg für Schauder erregenden Wahnsinn und schreckliche Gewalt frei machen würde. Die Dinge beginnen merkwürdig und beunruhigend zu werden, als das Studiopersonal um Mima bedroht und später sogar auf fürchterliche Art und Weise getötet wird. Offenbar von einem besessenen Mima-Fan, dem die neue Richtung, die ihre Karriere einschlägt, überhaupt nicht gefällt. Während das nicht schon schlimm genug wäre, beginnt Mima selbst verrückt zu spielen, da sie mit all dem Druck, der nun auf ihr lastet, nicht umgehen kann. Sie beginnt Visionen eines unheimlichen Alter Egos zu haben, welches mehr oder weniger Mimas „altes Ich“ aus ihren Gesangstagen ist. Diese „andere“ Mima will nämlich nicht die zweite Geige spielen und behauptet die wirkliche Mima (aus Fleisch und Blut) sei die Fälschung. Mima verstrickt sich in der Folgezeit allmählich immer mehr in ihrem Delirium, bis sie in einem mentalen Zustand versinkt, in dem es für sie und für das Publikum unmöglich wird zu sagen was nun Realität ist und was nicht. Außerdem geht auch zusätzlich noch immer ein geisteskranker Mörder um …

Perfect Blue - Pafekuto buru

Zugegeben, das „Film im Film“ Gimmick hat es schon so oft gegeben, dass es nicht mehr als originell angesehen werden kann. Auch das Verdrehen der Wirklichkeit ist etwas, das man schon vorher sehr oft gesehen hat. Trotzdem gelingt es Perfect Blue enorm zu beeindrucken sowie die Nerven zu kitzeln, wie kaum ein anderer Anime-Film. Ein paar kleinere negative Kritikpunkte gibt es allerdings auch; die Qualität der Animation in der ersten Hälfte des Films ist nicht gerade atemberaubend und scheint für die Qualität eines Animations-Films entschieden unter Par zu sein. Glücklicherweise bessert sich dies im weiteren Verlauf des Streifens. Hat man die Schreckenssequenzen des Films erreicht, denkt man sowieso nicht mehr über so etwas wie Animationsqualität nach. Einige der gewalttätigen und/oder expliziten Szenen sind in der Tat sehr garstig, doch sie dienen dem Zweck den Schreckfaktor in die Höhe zu treiben ausgezeichnet, anstatt nur unnötige Grotesken für Gore-Junkies zu bedienen. Der Film ist ein voller Erfolg als schauerlicher, surrealer und fesselnder Thriller.

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Ein weiterer Grund zur Freude ist, dass Perfect Blue ein Schritt in die richtige Richtung für die breite Öffentlichkeit ein Bild von dem zu geben, was Anime wirklich ist. Sicherlich, die eher wenigen unter uns „Aufgeklärten“, für die Evangelion Standard-Kost bedeutet und einen detaillierten Einblick in die neuesten „CLAMP“ Titel haben, wissen bereits, dass Anime kein „Genre“ ist. Es ist ein Medium in sich selbst, wobei der japanische Animationsmarkt alle nur erdenklichen Genres und Themen behandeln kann, oftmals mit Kunstfertigkeit, die schwache hollywoodianische Ansätze meilenweit hinter sich lässt. Im Falle von Perfect Blue spricht es Bände, dass ein Zelluloid-Charakter wie Mima es schafft realistischer und sympathischer als alle Silikon-Torten, die Hollywood auf die Leinwand bannt, zu erscheinen. Es ist nichts Ungewöhnliches, dass ein „Genre“ wie der psychologische Stalker-Thriller (könnte man hier von einem Anime-Giallo sprechen!?) von den Japanern mit Sorgfalt behandelt wird. Sie haben sowieso schon jedes andere erdenkliche Thema unter der Sonne animiert und dabei verdammt gute Arbeit abgeliefert. Anime ist nicht nur pink haarige Feen in riesigen explosiven Turbo-Robotern, sondern eine außerordentliche Vielfalt, die von Sailor Moon bis zu Wings of Honneamise reicht. Die deutsche Synchronisation ist dann doch nicht so übel wie oben beschrieben, wenn sie selbstverständlich dem Original nie gleichkommen kann. In jedem Fall ist Perfect Blue ein beeindruckender Film für jedermann, der enorm sehenswert, fesselnd spannend und meisterlich beängstigend in Szene gesetzt worden ist.

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Perfect Blue - Pafekuto buru BluRay DVD

  • Regisseur(e): Satoshi Kon
  • Sprache: Japanisch (DTS-HD Master Audio 5.1), Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.85:1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Rapid Eye Movies
  • Produktionsjahr: 1998
  • Spieldauer: 81 Minuten

 

Perfect Blue - Pafekuto buru DVD BluRay

Perfect Blue - Pafekuto buru

Perfect Blue - Pafekuto buru

Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Rapid Eye zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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1 Antwort

  1. 15. August 2016

    […] Blue“, der Thriller-Animee mit Lynch- und Argento-Einflüssen vom 2010 verstorbenen Satoshi Kon. Hier eine Review von Bluntwolf auf […]