Perils of the Sentimental Swordsman / Chu Liu Xiang Zhi You Ling Shan Zhuang (1982)

Perils of a sentimental Sowrdsman

Chu Liu Xiang (Ti Lung) wird beschuldigt, ein (erfolgloses) Attentat auf den 8. Prinzen verübt zu haben. Eine List, damit er als Verstoßener in die versteckte Enklave Ghostly Village fliehen kann, wo gesuchte Verbrecher Unterschlupf finden. Hier soll er undercover gegen den stets verhüllten Gebieter dieses Ortes, Old Hawk, ermitteln. Sein Lehrer Long (Teng Wei-Hao) soll nun seine drei besten Schüler – Heartbroken Sword, Golden Finger und Soul Snatching Bell – hinterher schicken, um ihn zu jagen. Doch ein ein Kämpfer in Schwarz namens Liu Changjie (Ku Kuan-Chung) hat sie getötet und bietet sich stattdessen für den Auftrag an. Im Ghostly Village angekommen, gelingt es Chu Liu Xiang dank seiner Berühmtheit schnell, an Old Hawk und seine Vasallen zu gelangen. Er sichert sich außerdem die Freundschaft des Glücksspielers Xuan Yuan (Lo Lieh). Doch schon bald erreicht auch Liu Changjie die Enklave, und nicht nur er trachtet dem Helden nach dem Leben…

Schweifen wir zuerst einmal etwas ab. Perils of the Sentimental Swordsman von 1982 gibt sich dem englischen Titel nach als zweites Sequel zu The Sentimental Swordsman (Das unbesiegbare Schwert der Shaolin) von 1977 aus, in dem Ti Lung einen depressiven und alkoholkranken Schwertmeister spielt. Dieser wurde 1981 schon mit Return of the Sentimental Swordsman fortgesetzt, doch die beiden haben mit dem vorliegenden Perils of the Sentimental Swordsman eigentlich nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine Fortsetzung der Filme Clans of Intrigue (Die Bruderschaft der gelben Höllenhunde) und Legend of the Bat (Die Rückkehr der gelben Höllenhunde), in denen ebenfalls Ti Lung einen Meisterkämpfer gibt, der sich zumeist seines Fächers bedient.

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Und um das alles noch ein wenig verwirrender zu gestalten, basiert Perils of the Sentimental Swordsman eigentlich auf einem Abenteuer des Meisterdetektivs Lu Xiao Feng, der schon als Held der Shaw-Brothers-Filme Clan of Amazons von 1976 und The Duel of the Century von 1981 auftrat. In diesen beiden Filmen tritt Anthony Lau als Lu Xiao Feng in Erscheinung. Allen diesen Filmen sind zumindest drei Sachen gemein: Regisseur Chu Yuan und Autor Gu Long, auf dessen Romanen alle diese Filme basieren. Warum die Shaw Brothers nun ein Abenteuer von Lu Xiao Feng als Grundlage für Perils of the Sentimental Swordsman genommen haben, kann nur gemutmaßt werden, wahrscheinlich weil es so leichter mit ihrem Star Ti Lung und seiner Rolle als Chu Liu Xiang in Verbindung gebracht werden konnte. Was den englischen Titel betrifft, gehe ich mal davon aus, dass die Sentimental Swordsman-Filme weltweit schlicht besser bekannt waren als Clans of Intrigue. Aber genug davon, kommen wir zum Film selbst.

Perils of a sentimental Sowrdsman

Mit seinen beiden Vorgängern eint Perils of the Sentimental Swordsman, dass der Held Chu Liu Xiang wieder eines Verbrechens beschuldigt wird, das er nicht begangen hat. Allerdings wissen wir hier von Anfang an, dass dies nur eine Finte darstellt. Die so ermöglichten Undercover-Ermittlungen in der Enklave der Exil-Verbrecher erinnert dann wieder stark an seine Herkunft als Abkömmling der Abenteuer Liu Xiao Fengs. Es entspinnt sich, wie üblich in den Gu-Long-Adaptionen, Chu Yuans ein Geflecht an verschiedener, interagierender Personen, deren Motivation meist nicht klar ersichtlich ist. So trifft Chu Liu Xiang auf seinem Weg den alten Dugu Mai, der von zwei jungen Männern attackiert wird, worauf Chu dazwischen geht. Es stellt sich zuerst heraus, dass diese seine Neffen sind, die ihn töten wollen, weil er mit ihren Frauen geschlafen hat. Später rettet Dugu Mai dann Chu vor Liu Changjie in einem Gasthaus, denn er ist in Wirklichkeit Chus Kontaktmann, der ihn ins Ghostly Village bringen soll.

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In der Enklave wird es dann erst richtig interessant. Chu trifft auf den feigen Spieler Xuan Yuan, dem er durch eine List seinen Arm rettet, der im Spiel von einer undurchsichtigen Schönheit, genannt General, eingefordert wird. Am Rande der Enklave wohnt außerdem die schöne Zhong Ling, die hier geboren wurde und im Folgenden eine wichtige Rolle spielen soll. Gefahr droht von einem Schwertkämpfer, der Chu an den Kragen will, und zu allem Überfluß treibt ein Phantom vor Ort sein Unwesen. Als Liu Changjie im Ghostly Village eintrifft, stellt sich dieser plötzlich als Rückendeckung für den undercover ermittelnden Chu vor. Und Old Hawk, der im Fokus des Interesses unseres Helden steht, hat einen Plan, die Oberwelt (also die Martial Arts World, die Welt der Kämpfer) mit Hilfe der Einwohner von Ghostly Village einzunehmen. An ihn ist aber nicht so leicht ranzukommen, da er sich immer mit vier Doppelgängern umgibt. Es stellt sich dazu noch die Frage, welche Motive Meister Long verfolgt, der zuerst seine Schüler und dann in Ermangelung dieser ihren Bezwinger Liu Changjie hinter Chu hergeschickt hat.

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Das Geflecht an Personen und Motiven ist damit nur umrissen, wir haben an dieser Stelle kaum die erste halbe Stunde des Films hinter uns gelassen. Wie viele andere Lu-Gong-Verfilmungen auch, bietet Chu Yuan genügend Protagonisten (von denen fast jeder ein Antagonist sein könnte), Story-Stränge, Motive und Twists auf, dass es gleich für ganze Filmreihen gereicht hätte. Dem ist manchmal nicht so einfach zu folgen, und am Ende muss der Regisseur dann doch noch den Erklärbär bemühen und auch ein Kaninchen aus dem Hut zaubern, hält die Spannung aber auch über die ganze Lauflänge erfreulich hoch. Auch über Action-Armut ist kaum zu klagen, denn in regelmäßigen Abständen kommt es zu kurzen Scharmützeln, zumeist gut choreographiertes Swordsplay mit ausgiebigem Wire-Fu-Einsatz. Und im dreiteiligen Finale werden die Masken fallen gelassen, die Motive aufgedeckt und es folgt die groß angelegte Massenkeile, was den Höhepunkt des Films ansprechend zelebriert.

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Ein weiteres Trademark der Filme von Chu Yuan ist das Set Design. Dies ähnelt im Wesentlichen sehr den klassischen Wuxia-Filmen des Studios aus den 60er-Jahren. Jedoch steigert der Regisseur dies teils ins Extrem – alles wird mit grellen Primärfarben ausgeleuchtet und die Nebelmaschine läuft Überstunden. Man könnte glatt meinen, Chu Yuan wäre bei Mario Bava in der Lehre gewesen. Und so verleiht die Künstlichkeit dieser Sets dem ganzen Treiben zuweil surreale Züge. Das passt sehr schön zu der scheinbar vom normalen historischen China losgelösten, mythischen Welt der Kämpfer, der Martial Arts World oder auch Jianghu genannt. Hierin tummeln sich die Kämpfer mit ihren übernatürlichen Kräften, hier entfaltet sich Magie und werden die ganz großen Ziele verfolgt, wie Kampfkunst in Perfektion und der Herrschaftsanspruch über diese feindselige und durch Codes beschriebene Welt, die von ihren Bewohnern mit einer quasi-religiösen Ernsthaftigkeit begriffen und mit Leben erfüllt wird.

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Das ganze Drumherum funktioniert natürlich nicht ohne die Darsteller, die Stars des Studiosystems der Shaw Brothers, die ihre Typen immer und immer wieder verkörpern, bis ihre Darstellung wie ein Mantra auf die Zuschauer übergangen ist. In der Hauptrolle überzeugt wieder einmal Ti Lung, der seit Mitte der 70er auf Solopfaden unterwegs war, sich mit seinem kongenialen Partner David Chiang zerstritten hatte. Gerade durch die Filme von Chu Yuan (neben den eingangs erwähnten u.a. auch Der Todesschlag der Stahlfinger und Die grausame Rache der Shaolin) blieb er einer der größten Stars des Studios, konnte aber nur selten aus seinem Typecasting ausbrechen. Aber wie man hier sieht, es funktioniert eben sehr gut. Lo Lieh (Zhao – Der Unbesiegbare, Clan of the White Lotus) gibt hier mal wieder den Comic Relief, er darf hier und da die Augen weit aufreißen oder sein breites Grinsen unter seinem charakteristischen Schnauzer spazieren tragen. Es ist nicht zu leugnen, dass er gutes Timing für Slapstick und Situationskomik besaß. Als in schwarz gewandeter, unter seinem breiten Strohhut eher schweigsamer Schwertkämpfer ist Ku Kuan-Chung (Der Mann mit der Stahlkette, Die Rache des Karateka) zu sehen. Eine ähnliche Rolle gab es schon in den Vorgängern, wo sie von Ling Yun verkörpert wurde. Und als „echter Old Hawk“ (mehr sei an dieser Stelle nicht verraten) absolviert auch Dauer-Bösewicht Ku Feng (Das Omen des Bösen, Im Todesnetz der gelben Spinne) einen Gast-Auftritt.

Perils of a sentimental Sowrdsman

An manchen Stellen wirkt der Film auf ungeübte Zuschauer vielleicht etwas konfus, manches auch zu sehr konstruiert. Aber wenn man sich erst einmal im Gewühl der Personen und Motivationen zurechtgefunden hat, bietet Perils of the Sentimental Swordsman allerbestes Wuxia-Entertainment. Es passiert eigentlich dauernd etwas, entweder überraschende Wendungen oder knackige Fights. Oder gerne auch beides zusammen. Dazu sieht die ganze Szenerie in ihrer studiohaften Künstlichkeit umwerfend aus, jedes Bild entfacht einen Farbenflash oder kündet von Tod und Unheil. Fans von Chu Yuan, Gu Long oder Ti Lung kommen sowieso nicht umhin, sich diesen Film zu besorgen. Das ist großes Wuxia-Kino im Stile der Shaw Brothers!

Perils of a sentimental Sowrdsman

Da wären wir dann auch schon bei der Veröffentlichungslage, und die sieht im Falle von Perils of the Sentimental Swordsman alles andere als rosig aus. Offiziell erschienen ist der Film zuerst in Asien durch Celestial Pictures, die bekanntlich die Rechte an der kompletten Shaw Brothers Bibliothek halten. In Hongkong und Taiwan sind DVDs erschienen (ich vermute mal, in Thailand auch), in der westlichen Welt hat er sich leider lange Zeit nicht blicken lassen (man findet Ihn mittlerweile in den USA bei Apple TV mit englischem Ton und in HD, und unter diesem Link bei Amazon Prime Video UK) und in Deutschland gibt es ihn ohnehin nicht. Die HK-DVD präsentiert den Film anamorph und in Widescreen, verfügt auch über englische Untertitel, was ihn zumindest problemlos konsumierbar macht, so man denn gut Englisch kann. Das Bild besitzt guten Kontrast und leuchtende Farben, aber wie so oft bei Celestial/IVL lässt die Bildschärfe öfters mal zu wünschen übrig. Da diese Veröffentlichung allerdings noch weitgehend alternativlos ist (die anderen Scheiben aus Taiwan und evtl. Thailand dürften identisch sein), kann ich bei Interesse nur empfehlen, sich mal bei eBay danach umzusehen. Die Importe sind meist nicht billig, aber für Fans ist es dies auf jeden Fall wert.

Perils of a sentimental Sowrdsman
Darsteller: Ti Lung, Teng Wei-Hao, Ku Kuan-Chung, Lo Lieh, Ku Feng 
Regisseur: Chu Yuan
Edition: Shaw Brothers Collection
Sprache: Mandarin (Dolby Digital 1.0)
Untertitel: Englisch, Chinesisch (traditionell)
Bildseitenformat: 2.35:1 anamorphes Breitbild (16:9), NTSC
Regionalcode 3
Studio: Celestial/IVL
Produktionsjahr: 1982
Spieldauer: 87 Minuten
Kauf versuchen: Amazon UK

Thomas

Thomas ist Filmfan von kleinauf. Aus dem hohen Norden Deutschlands beobachtet er das Geschehen auf dem B-Filmmarkt stets interessiert. Als Autor begleitet der Chefredakteur von Badmovies.de dazu einige Veröffentlichungen mit seinen Texten oder widmet sich gleich ganzen Filmemachern oder Filmreihen in Buchform.

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