Phantom des Schreckens / Invisible Ghost

Nachdem der ehemalige Arzt Kessler von seiner Frau betrogen und verlassen wurde, sterben die Bediensteten im Haus unter mysteriösen Umständen. Auch Ralph, der Verlobte seiner Tochter Virginia, ist schon bald auf dem Anwesen beschäftigt und muss sich zudem mit einer ehemaligen Affäre herumschlagen, die jedoch ebenfalls ganz plötzlich das Zeitliche segnet. Ehe er sich versieht, steht er unter Mordverdacht. (Ostalgica)

Christian … ähm … Charles Kessler (Bela Lugosi) setzt sich an ihrem Hochzeitstag mit seiner Frau zum Abendessen hin, doch obwohl sein Butler Evans (Clarence Muse) das Spielchen mitspielt, ist klar, dass Kessler der einzige am Tisch ist. Seit seine Frau angeblich mit einem anderen Mann durchgebrannt ist, wird er von Trauer geplagt und wiederholt dieses Ritual jedes Jahr, was seine Tochter Virginia (Polly Ann Young) tolerieren muss. Als ihr Freund Ralph (John McGuire) vorbeikommt, um sie zu einer Verabredung abzuholen, versucht sie, sich zu entschuldigen, doch er bemerkt, dass ihr Vater seiner Frau Tribut zollt, was sie nun erklären muss. Was wäre denn eigentlich, wenn ihre Mutter doch nicht mit einem anderen Mann durchgebrannt wäre?

Wer oder was eigentlich dieser unsichtbare Geist genau sein soll, ist zunächst etwas unklar, da man erstmal annimmt, es könnte sich um Frau Kesslers Geist handeln, die möglicherweise tot ist. Doch fünf Minuten später bekommt man sie zu sehen und zwar sehr lebendig. Allerdings leidet sie an Amnesie, während der Gärtner Mason (Ernie Adams) und seine Frau sie vor Schaden bewahren und sie nicht wissen lassen, wer sie wirklich ist. Also scheidet sie als potenzieller Geist aus und außerdem fehlen Spezialeffekte für schwebende Entitäten, die nach The Invisible Man (Der Unsichtbare, 1933) viele Horror- und Science-Fiction-Filme aufgehellt haben, also muss angenommen werden, dass es sich beim Titel des Films um Betrug handelt.

Nach der Einführung neigt man sowieso dazu, zu vergessen, dass hier keine Unsichtbarkeit vorhanden ist und lässt sich in eine ziemlich schwer zu schluckende Handlung verstricken. Obwohl Frau Kessler (Betty Compson) von Mason in einem Kellerraum seines Hauses festgehalten wird, gelingt es ihr dennoch hin und wieder auf einen Spaziergang aus zu büchsen und neigt dann dazu, vor ihrem ehemaligen Haus herumzuhängen und in die Fenster zu starren, wobei sie des Öfteren von Herrn Kessler gesehen wird. Hatte man schon gedacht, er wäre ein bisschen Plemplem, nachdem man sein Jubiläumsessen mitbekommen hatte, dann ist das nichts im Vergleich zu dem, was er so alles anstellt, wenn er seine Frau erblickt. Er verwandelt sich nämlich tatsächlich in einen mörderischen Wahnsinnigen!

Lugosi kann dann nicht mehr klar denken und wandelt wie ein Zombie umher. Ein Zustand, der nur durch Mord gelindert werden kann, weswegen er einige seiner Darstellerkollegen erwürgt. Kessler ist nicht bewusst, was er tut und möchte der Polizei dabei helfen den Täter zu fassen, während sich die Leichen in der Zwischenzeit weiter anhäufen, beginnend mit der Magd Cecile (Terry Walker) – obwohl sie nur eine von vielen zuvor Ermordeten darstellt, wie dem Publikum so ganz nebenbei mittgeteilt wird. Der arme Ralph wird dann innerhalb von etwa einer Minute verhaftet, angeklagt und hingerichtet, weil er einst ein Verhältnis mit Cecile hatte und vom Butler bei einem Streit mit ihr beobachtet worden ist.

In einer Wendung, die einer Komödie würdig ist, taucht Ralphs Zwillingsbruder auf, der sich ganz genauso verhält, wie sein verstorbener Bruder und sich daran macht, dessen Namen reinzuwaschen. Es überrascht nicht, dass er sich genau identisch verhält, da er auch von McGuire gespielt wird, wobei es dem Publikum so vorkommt, als wäre er nie weg gewesen, trotz all der Auswirkungen, die er danach auf die Handlung ausübt. Wenn man zu würdigen weiß, wie bekloppt diese Horrorfilme mit winzigem Budget aus dieser Zeit sein können (dies war der erste von 9 Monogram-Filmen, die Lugosi für den berüchtigten Produzenten Sam Katzman gedreht hat), wird man hier viel Genießbares finden. Da es sich um einen frühen Versuch von Kult B-Filmregisseur Joseph H. Lewis handelt, bietet das Ganze sogar noch historischen Wert, ebenso wie die erfrischend anständige Behandlung des „schwarzen“ Butlers Evans, der sich als der edelmütigste aller Charaktere entpuppt. Letztendlich läuft es bei Phantom des Schreckens jedoch nur auf einen wirklich recht albernen Chiller hinaus.

Phantom des Schreckens erscheint im Rahmen der Ostalgica Classic Chiller Collection in einer DVD/Blu-Ray Combo und ist erstmals deutschlandweit in High Definition sowie in deutscher Sprache erhältlich. Das Bild wird im 1,33:1 Format (1080p, AVC, 23.976fps) präsentiert und macht (bedenkt man das Alter des Films) einen wirklich guten Eindruck, während auch beim Ton kein Grund zur Beschwerde besteht. Hier kann man zwischen der englischen und deutschen Spur (DTS-HD Master Audio 1.0 / 1.0 Mono) wählen, die sich beide klasse hören lassen. Möchte man sich den Film lieber im Originalton ansehen, so stehen deutsche und englische Untertitel zur Verfügung. Als Extras beinhaltet die Combo neben einer Bildergalerie und „Trailers from Hell“ mit Joe Dante (mit deutschen Untertiteln) noch zwei Bonusfilme Black Dragons von 1942 und Condemned To Live von 1935 (beide mit Bela Lugosi, OmU, Lauflänge pro Film ca. 63min.), ein 14-seitiges Booklet mit dem Titel „Von Bretterstudios, Dem Dschugel, Elektrischen Nerventestern und Wagenrädern“ und interessantem sowie informativem Text von Robert Zion und ein recht gelungenes sowie sehr informatives Video-Essay von Marco Koch (ca. 40min.), auf bzw. in die Combo gepackt. Als Highlight der Extras muss allerdings der sehr informative sowie unterhaltsam eingesprochene Audiokommentar von Robert Zion (35 Millimeter – Das Retro-Film-Magazin) angesehen werden. Die klasse Veröffentlichung kommt in einem ansprechend gestalteten Papp-Schuber daher und hat auch ein unterschiedliches Covermotiv zu bieten. Ostalgica gelingt eine tolle Veröffentlichung eines kleinen aber feinen Horrorfilms, der sicherlich nicht vermag im Fahrwasser der ganz Großen des Genres mit zu schwimmen, es aber dennoch bestens versteht sein Publikum zu unterhalten. Auf jeden Fall einen Blick wert!

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  • Seitenverhältnis: ‎4:3 – 1.33:1
  • Alterseinstufung: ‎Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: ‎Lewis, Joseph H.
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 3 Minuten
  • Darsteller: ‎Lugosi, Bela, Young, Polly Ann, McGuire, John, Muse, Clarence, Walker, Terry
  • Untertitel: ‎Englisch, Deutsch
  • Studio: ‎Ostalgica

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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